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Reif für den Sperrmüll

16.05.2008 | PC | Autor: Olaf

„Iron Man“ hat uns bereits auf den Next-Generation-Konsolen heimgesucht. Die jüngste Vergangenheit hat dank „UEFA Euro 2008“ bewiesen, dass PC-Games nicht immer mit dem notwendigen Ehrgeiz und Aufwand portiert werden. Was also erwartet euch bei „Iron Man“, dem offiziellen Spiel zum Kinoerfolg? Kurz gesagt: ein ganz ähnliches Debakel wie bei der PS3-Version, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Wieder einmal portiert ein Entwickler lediglich die Playstation2-Version auf den PC, ohne dabei auf die fortschrittliche Technik moderner Rechenknechte zu schauen. Stattdessen bekommt ihr eine mittelschwere technische Katastrophe, Actionkost vom Fließband und einen Lizenztitel zum Abgewöhnen angeboten. Knallharte Spiele-Redakteure, die wir nun mal sind, haben wir uns trotzdem durch „Iron Man“ gearbeitet. Und abgesehen von lahmen Kiefermuskeln – ob des Dauergähnens – auch keinen bleibenden Schaden davon getragen.

Alles wie gehabt!
Die PC-Version von „Iron Man“ nutzt die Hollywood-Lizenz nicht vollends aus. Statt sich an dem üppigen Drehbuch und womöglich an Filmszenen zu bedienen, fährt die Sega-Produktion lediglich unscharfe Rendersequenzen auf. Nervig: Die Sprachausgabe passt nicht immer zu den Lippenbewegungen, die Figuren wirken teilweise enorm kantig und bewegen sich unbeholfen. Zudem reißt „Das offizielle Spiel“ die Geschichte des Films lediglich an. Dabei bleiben viele Details auf der Strecke, Personen tauchen urplötzlich auf und verschwinden genauso schnell wieder. Erklärungen für plötzliche Wendungen gibt es nicht. Eine wirklich packende Geschichte sieht anders aus.
Auch in Sachen Missionsdesign kämpft Marvels Superheld eher im Fliegengewicht. Abwechslung? Vergesst es! Taktik? Wer braucht denn so was? Ganz ähnlich wie schon bei der Next-Generation-Version ballert ihr euch durch stereotype Missionen, verfolgt Transporte oder ärgert euch mit größeren Bossgegnern herum. Doch eins muss man der PC-Version zu Gute halten: Sie ist nicht so frustrierend schwer und unnötig hektisch wie ihr Next-Generation-Pendant. Hier geht es deutlich gemächlicher zur Sache. So habt ihr Zeit, euch auf einzelne Ziele zu konzentrieren und geratet nur selten in wirklich brenzlige Situationen.

Billige Versoftung
„Iron Man“ ist ein klarer Lizenzflop. Die PC-Version verfügt zudem über eine erbärmliche Optik auf PS2-Niveau.

Die Gegner stürmen dabei zumeist blind auf unsere Lieblingsblechdose zu. Nicht selten verhaken sich Jeeps bei solchen Kamikazeaktionen – lächerlich. Wirklich gefährlich sind meist nur Soldaten mit Raketenwerfern oder mehrere Panzer in Formation. Doch selbst sie glänzen eher durch Passivität denn durch zielgenaues Schießen. So gibt es keine wirkliche Lernkurve, Frustmomente bleiben aber großteils ebenfalls aus.

Dabei spielt sich „Iron Man“ wie jedes andere Third-Person-Actionspiel. Mit WASD scheucht ihr den Eisernen durch die Botanik. Mit ALT und der Leertaste lasst ihr den Superhelden schweben oder durch die Lüfte düsen. Ganz ähnlich wie schon bei der Konsolenversion dauert es einige Zeit, bis man sich an die flinken Flugmanöver gewohnt hat. Aufgrund des deutlich niedrigeren Schwierigkeitsgrads habt ihr diese Zeit aber auch und müsst nicht sofort von Null auf Hundert durchstarten.

Im Kampf setzt „Iron Man“ auf Pulskanonen und Nahkampfattacken. Praktisch: In der PC-Version könnt ihr ebenfalls Energiereserven umleiten, um somit einzelne Bereiche des Anzugs zu verstärken. Setzt ihr etwa alle Energie für den Antrieb ein, fliegt der Eiserne deutlich schneller. Packt ihr hingegen alles in den Waffensektor, verfügt ihr über eine höhere Durchschlagskraft.

Fließband-Action
Spiele wie „Iron Man“ locken heutzutage keinen Actionfan hinter dem Ofen hervor. Selbst Fans des Eisenmanns sollten hier verzichten.

Auf das Upgrade-System der Next-Gen-Varianten wurde verzichtet. Stattdessen erhaltet ihr – abhängig von der Anzahl der erledigten Sekundärmissionen – neue Waffen- oder Antriebssysteme oder sogar einen von acht Bonusanzügen hinzu. Die Upgrades werden automatisch für euch ausgewählt. Alles in allem spielt sich „Iron Man“ zwar vernünftig, krankt aber einfach an vollkommener Ideenfreiheit. Daher kommt auch schnell Langeweile auf. Minutenlanges Geballer auf dumme Gegner und Mini-Verfolgungsjagden haben wir in anderen Spielen schon besser gesehen. Es scheint fast so, als hätte sich Sega einfach nur das Buch „Standard-Gameplay für schlechte Filmumsetzungen“ durchgelesen und nach dieser Anleitung „Iron Man“ programmiert. Solltet ihr trotz allem einmal zu viele Treffer abbekommen, könnt ihr Iron Man flugs wiederbeleben. In einem Mini-Reaktionstest bringt ihr Tony Starks Herz mit Hilfe einiger Tastenkombinationen wieder zu schlagen. Drückt ihr versehentlich die falschen Tasten, bekommt ihr eines eurer vier Leben abgezogen. Die Spielzeit fällt mit fünf bis acht Stunden sehr kurz aus. In Kombination mit dem niedrigen Schwierigkeitsgrad werden geübte Spieler – sofern sie „Iron Man“ überhaupt kaufen – an einem langen Nachmittag durchspielen. Sorry, aber das ist zu wenig für 30 Euro!

Rostige Blechdose
Viel ärgerlicher als dieses mittelmäßige Gameplay-Skelett ist allerdings die über die Maßen schwache Technik. Wieder einmal werden PC-Spieler nur mit einer hochgerechneten PS2-Version abgespeist. Dabei sieht „Iron Man“ deutlich schlechter aus als die ohnehin nur mittelprächtige Next-Generation-Version. Die Texturen sind verwaschen und unscharf, poppen zuweilen sogar seltsam auf. Die Gegner hampeln kantig durch die Gegend und sind dabei auch noch ungeheuer undetailliert. Die Explosionseffekte wären vielleicht vor sechs Jahren nett gewesen, aber 2008 taugen derlei Mini-Feuerwerke allenfalls als Tischkerze. Kurzum: Im Gegensatz zu seinem Protagonisten ist das Spiel „Iron Man“ eine technische Katastrophe. Das Actiongame wurde 1:1 von der ergrauten Playstation2 konvertiert und lediglich hoch gerechnet. Da geht auch der größte Marvel-Fan vor Wut in die Luft.

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