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  • Gothic III: Götterdämmerung

  • PC
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Weltuntergangsstimmung

30.12.2008 | PC | Autor: Hauke

Die „Gothic“-Serie war schon immer ein Garant für eine fesselnde Geschichte, eine atmosphärisch glaubwürdige Spielwelt und nervige Programmfehler, welche aber in der Regel im Spielspaßfeuerwerk untergingen. Die ersten beiden Teile sind zu unvergesslichen Klassikern geworden, und auch das dritte Abenteuer des namenlosen Helden konnte trotz zahlreicher technischer Störfaktoren überzeugen. Doch während der Entwicklungsphase wurden die Spannungen zwischen den Entwicklern von Piranha Bytes und Publisher JoWooD so groß, dass die Piranhas das sinkende Schiff verließen, um mit „Risen“ ein eigenes Projekt zu starten. JoWooD hingegen hält die Namensrechte an „Gothic“, und der vierte Teil befindet sich schon in der Entwicklung. Doch erst einmal soll mit der eigenständig lauffähigen Erweiterung „Götterdämmerung“ eine Brücke zur zukünftigen Geschichte geschlagen werden. Verantwortlich für den Brückenbau zeichnen die liebevollen Inderhände der Trine Games Studios. Diese haben offensichtlich ordentlich Pfeffer von JoWooD bekommen, denn nur wenige Tage nach der Veröffentlichung sahen die Österreicher sich zu einer Entschuldigung an die Fans gezwungen. Die Gründe dafür werden im Test schnell offensichtlich.

Vom Helden zur Dienstmagd
Nach dem Ende von „Gothic 3“ beginnt „Götterdämmerung“ mit einem langweiligen Intro aus Screenshots und Konzeptzeichnungen. Der namenlose Held und der undurchsichtige Zauberer Xardas sitzen gemeinsam weit entfernt von Myrtana und seinen Problemen fest und beobachten die Geschehnisse in dem Reich. Die Welt versinkt im Krieg, in der mystischen Wohngemeinschaft kommt es ebenfalls zum Eklat, und wir finden uns plötzlich in der Haut des namenlosen Helden in der Stadt Silden wieder, wo altbekannte NSCs warten. Als Erstes treffen wir auf Anog und müssen feststellen, dass uns mal wieder niemand über den Weg traut. Nach dem Ausbruch des Chaos haben Gorn, Thorus und andere ehemalige Weggefährten augenscheinlich Mist gebaut, und wir müssen unsere Loyalität erneut unter Beweis stellen.

Fehler über Fehler
In „Götterdämmerung“ stapeln sich die Probleme. Ein derart unfertiges Produkt in den Handel zu bringen, ist eine absolute Frechheit.

Auf gut Deutsch heißt das, dass unsere erste Mission daraus besteht, fünf Leuten Gefallen zu erweisen und so Empfehlungsschreiben zu ergattern. Derartige Quests sind nicht nur einfallslos, sondern aus dem Hauptspiel hinreichend bekannt. Trotz unseres Dienstbotendaseins beginnen wir das Abenteuer ausnahmsweise nicht als unfähiger Taugenichts. Zu Beginn des Spieles hat der Held immerhin schon Stufe zehn erreicht und ist Schwertmeister, kann mit Schilden umgehen, leichte Schlösser knacken und noch so einiges mehr.

Etwas ist faul im Staate Myrtana
Unser Helden-Fachwissen nutzen wir, um herauszufinden, wer die Möwen auf das Dach eines geplagten Dorfbewohners lockt, um amouröse Verstrickungen aufzudecken und um die gewohnte Handlungsfreiheit auszunutzen. Häufig gibt es mehrere Wege zur Lösung eines Problems. Leider manövriert man sich dabei auch hin und wieder in Sackgassen und wird so gezwungen, auf Spielstände zurückzugreifen. Generell scheint es immer wieder so, als gäbe es für jeden positiven Aspekt im Spiel einen dicken Dämpfer.

Die Handlung ist insgesamt fesselnder und leichter zu verfolgen als im Hauptspiel und im Prinzip auch gut durchdacht, aber leider sind die Textboxen der NSCs häufig zu klein, um die Dialoge komplett wiederzugeben, und Texte werden einfach abgeschnitten, wenn sie überhaupt vorhanden sind. Zudem ist der Schwierigkeitsgrad der verschiedenen Handlungsstränge nicht gerade ausgewogen, und immer wieder ziehen nervige Arbeiten die Spielzeit in die Länge. So irrt man teilweise stundenlang in der Spielwelt herum und sammelt wertvolle Gegenstände, braut Tränke und schmiedet Waffen, um genügend Geld für eine Bestechung aufzutreiben.

Rostige Technik
Das alles mag noch aushaltbar klingen, doch die technische Umsetzung haben die Inder gehörig in den Sand gesetzt. Sobald das Spiel startet, beginnt auch schon der Ärger. Die Hintergrundmusik hat Aussetzer im Sekundentakt und zehrt so an den Nerven.

Keine Abenteuerlust
Sieht man einmal von den unglaublich vielen Fehlern ab, nerven unter anderem auch langweilige Aufgaben sowie grobe KI-Schwächen.

Ähnlich sieht es mit der Übersetzung der Texte aus – Sanskrit wäre teilweise verständlicher. Nicht nur im Handbuch sammeln sich Rechtschreibfehler, auch im Spiel selbst werden immer wieder orthographische Salti geschlagen. Häufig finden sich englische Begriffe in der deutschen Fassung, und auch Französisch kreuzt den Weg des namenlosen Helden, dessen Spieler mit der babylonischen Sprachverwirrung zu kämpfen hat. Apropos kämpfen: Die Steuerung hat sich kein bisschen verbessert. Noch immer stellen Wölfe und Wildschweine gefährliche Gegner für Helden dar, die sonst selbst einen Drachen spielend erlegen, und auch das Inventarsystem ist alles andere als komfortabel. Geschmackssache ist hingegen die fehlende Minimap. Zwar mag eine kleine Übersichtskarte im Interface heute zur Standardausstattung gehören, ohne sie setzt man sich allerdings intensiver mit der Spielwelt auseinander und schenkt auch mal Straßenschildern an Kreuzungen Beachtung.

Gibt es Licht bei so viel Schatten?
Leider ist es fraglich, ob sich Details überhaupt erkennen lassen, denn viele Texturen blinken munter vor sich hin. Auch ansonsten häufen sich die Grafikfehler. Texturen verwaschen trotz hoch eingestellter Sichtweite schon in der näheren Umgebung, Bäume und Häuser tauchen aus dem Nichts auf, und Gegenstände, Monster und Charaktere verschwinden dank zahlreicher Clippingfehler in ihrer Umgebung. Lediglich die Auflösung der Texturen wurde sichtbar verbessert, und das Wasser sieht glaubwürdiger aus als früher. So richtig kann man diese Tatsache aber nicht genießen, denn selbst auf High-End-Systemen ruckelt „Gothic 3: Götterdämmerung“ unzumutbar. Dabei sieht die Grafik für heutige Verhältnisse unspektakulär, aber immerhin stimmig aus. Bei all den Negativpunkten könnte man wenigstens auf alte „Gothic“-Werte hoffen, doch selbst in den Paradedisziplinen der Serie hat man bei Trine Games versagt. Die ehemals glaubwürdige Spielwelt wirkt schlichtweg austauschbar. Raubzüge in fremden Häusern und Kämpfe in der Öffentlichkeit wirken sich nur selten auf das Spielgeschehen aus; jede Reaktion, die über einen abfälligen Kommentar eines Passanten hinausgeht, grenzt in diesem Tiefpunkt der „Gothic“-Serie an ein Wunder. Doch bevor man sich zu sehr über diese Unzulänglichkeiten ärgern kann, sieht man zuverlässig den Desktop wieder, denn die „Götterdämmerung“ endet nur zu häufig in Abstürzen.

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