Geheimakte 2: Puritas Cordis
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- Publisher: Deep Silver
- Entwickler: Animation Arts
- Genre: Adventure
- Release: 29.08.2008
Längst kein Geheimtipp mehr!
09.09.2008 |
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Autor: Marcel
Wo sonst kann ein Publisher derart gut um Aufmerksamkeit für seine Produkte heischen wie im Games Dorado Leipzig. Insgesamt 250 Premieren wurden von den Veranstaltern im Vorfeld angekündigt, darunter mehr Highlights als dem einen oder anderen – oder seinem Portemonnaie – womöglich lieb ist. Adventure-Puristen bilden hier eine eher seltene Ausnahme. Auch wenn das erwähnte Genre in den letzten Jahren in die Gänge gekommen ist, offeriert es für unseren Geschmack bisweilen noch zu wenige Perlen. Doch im Jahre 2006 war es dann endlich wieder um die Herzen von Adventure-Fans geschehen. „Geheimakte Tunguska“ erschien, wurde geöffnet und begeisterte. Ein wahrer Geheimtipp, der schon bald keiner mehr sein sollte. Selbst Deep Silver hatte nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet und musste die Presswerke auf Hochtouren laufen lassen, um der enormen Nachfrage gerecht werden zu können. Bei Fusionsphere Systems war man hingegen fest vom Zögling überzeugt. Davon hatte jedenfalls die frühzeitige Ankündigung des Nachfolgers im Abspann gezeugt.
Knackarsch Nina gegen die Apokalypse
Finanzkrise in den USA, Dürre in Afrika, Bürgerkriege in Südamerika, Erdbeben in China. Klingt brenzlig, hat die Menschheit jedoch alles schon einmal durchlebt. Was aber passiert, wenn all diese Katastrophen und so einiges mehr zeitgleich eintreten? In „Geheimakte 2“ sieht sich unsereiner mit diesem Horror-Szenario konfrontiert. Allerdings ist nicht etwa die Klimaerwärmung schuld an dem Notstand. Eine irre Sekte namens Puritas Cordis (das reine Herz) hat das Unheil heraufbeschworen, um ihre Predigten vom bevorstehenden Weltuntergang glaubwürdig erscheinen zu lassen. Von der Apokalypse werden natürlich nur diejenigen verschont bleiben, die sich Pat Shalton anschließen, dem Führer der fanatischen Bruderschaft. Nicht den blassesten Schimmer von den eigentlichen Hintergründen dieser Katastrophen-Flut hat die UN-Versammlung, welche derweil in New York tagt, um eine Lösung für das Problem zu finden. Mit dabei: Wissenschaftler Vladimir Kalenkow, Vater von Nina Kalenkow. Letztere wiederum ist nichts Geringeres als eine Protagonistin aus „Geheimakte Tunguska“ und laut Max Gruber ein ganz schön „heißes Gestell“. Wer dieser Max ist? Die zweite Hauptfigur aus Teil 1. So verliebt die beiden im vorangegangen Abenteuer auch waren, inzwischen sind sie geschiedene Leute. Kein Wunder also, dass Nina einmal so richtig abschalten möchte und zu diesem Zweck eine Kreuzfahrt nach Portugal bucht. Doch die Schiffsreise entpuppt sich alsbald als Katastrophe: Statt tropische Sonne und Cocktails zu genießen muss sich Nina mit Diebstahl, Mord- und Totschlag sowie fanatischen Sektenanhängern herumplagen. Als i-Tüpfelchen rast dann auch noch eine 30 m hohe Tsunami-Welle aus dem Nichts auf den Luxus-Liner zu. Was folgt, ist ein Cliffhanger von der fiesesten Sorte!
Max, mein Held!
Beinahe schon zum Weiterspielen genötigt, betretet ihr nach der Kreuzfahrt eine neue Szene: den indonesischen Dschungel. Hier schlüpft ihr in die Rolle von Max, der sich zwecks Fotoreportage mit einer früheren Studienkollegin trifft. Sam Peters heißt die heiße Blondine, die vor Ort einen geheimnisvollen Tempel entdeckt haben soll. Viel mehr scheint sich die Archäologin jedoch für unseren Recken zu interessieren.
Verrückter Fanatiker
Pat Shelton in seiner Bösewicht-Kommandozentrale. Ganz schön abgedrehter Kerl.
Max zeigt sich auch nicht gerade abgeneigt, und so werdet ihr Zeugen eines offensiven Flirts – wenn das Nina wüsste! Ob die nächste Geheimakte wohl den Titel „Sam und Max“ tragen und Deep Silver künftig in Rechtsstreit mit Jowood geraten wird? Unwahrscheinlich, denn das einzige, was in dieser Nacht explodiert, ist eine Bombe am Lagerfeuer. Aber keine Sorge, der liebe Bube Max ist nur ohnmächtig geworden. Sam dagegen wurde verschleppt; Max steht nun vor einem Haufen Trümmer und muss die Verfolgung der Entführer aufnehmen.
Ist Nina im Ozean abgenippelt oder konnte sie letztlich den Puritas Cordis auf die Schliche kommen? Wer weiß? Fest steht, dass die Story ruckzuck in Fahrt kommt und dank gekonntem Mix aus Realität und Fiktion fortwährend zu fesseln weiß – „Tunguska“ lässt grüßen. Hinzu kommen atmosphärische Zwischensequenzen, die von Beginn an den Plot vorantreiben. Die unvorhersehbaren Szenenwechsel tun ihr Übriges zum Spannungskick. Tiptop!
Stets fair und anspruchsvoll
Aufgepasst: Auch wir wechseln jetzt den Ort des Geschehens. Unser Ziel: Die Küste Frankreichs. Hier erlebt ihr eine der etwas unschöneren Knobelaufgaben. Oder ätzt ihr euren Werkzeugkasten jedes Mal mit Autobatteriesäure auf? Haben wir’s uns doch gedacht! Wäre auch zu schön gewesen, wenn es tatsächlich an irgendwelchen mangelnden Fähigkeiten eines begnadeten KGN-Rätselprofis gelegen hätte. Spaß beiseite, wir sprechen hier von einer seltenen Ausnahme.
Immer nen Spruch parat
Auch Max hat reichlich Sinn für Humor. Besser gesagt: die Mannen von Fusionsphere.
Statt Ungereimtheiten stehen in der Regel knackige und faire Rätsel auf dem Programm. Selbst anspruchsvolle Abenteuernaturen werden an der einen oder anderen Kopfnuss ordentlich zu knabbern haben. Weiteres Beispiel gefällig? Vergesst es! Angesichts von gerade einmal knapp neun Spielstunden möchten wir bloß nicht zu viel dieser kostbaren Rätselkost preisgeben. Tiefere Einblicke gewährt schließlich die erhältliche Demo – es lohnt sich!
Sollte mal der Geduldsfaden reißen, könnt ihr mit nur einem Mausklick auf die Rätselhilfe zurückgreifen. Theoretisch zumindest. In der Praxis erwies sich dieses Feature oft als ziemlich nutzlos. Ganz nach dem Motto: Wenn man Hilfe braucht, wird man im Regen stehen gelassen, und kommt man selbst bestens zurecht, möchte die Rätselhilfe einem unter die Arme greifen. Da Rätselhilfen ohnehin total öde sind, drücken wir an dieser Stelle gerne ein Auge zu. Solltet ihr mal wirklich festhängen, kann die Trial&Error-Methode sicher nicht schaden. Wem das Absuchen des Bildschirmes dabei zu mühselig ist, der tippt einfach auf die Leertaste. Und, Simsalabim, alle Hotspots leuchten auf. Per Linksklick werden anschließend die Gegenstände aufgehoben und ins übersichtliche Inventar am unteren Bildschirmrand verfrachtet. Ein Rechtsklick, und schon lässt eure Spielfigur einen Kommentar los, der meistens zum Schmunzeln anregt. Auch sonst geben sich Nina und Max äußerst charmant und versorgen euch mit vortrefflich trockenem Humor. Wem das Ganze dann doch zu steif ist, der krallt sich den abgedrehten Adventure-Hit „Edna bricht aus“.
Erstmals schlüpft ihr auch in die Rollen von zwei anderen Figuren. Allerdings nur für kurze Zeit. Ebenfalls gänzlich neu sind kooperative Spielpassagen, die euch zur Teamarbeit und somit zum Umdenken zwingen – super! Ansonsten gibt sich „Geheimakte 2“ so klassisch wie sein Vorgänger. Das heißt: An der Steuerung hat sich nichts geändert. Und das ist auch gut so. Die „Geheimakte“-Serie steht nicht umsonst für Point & Click der Extraklasse. Jeder Mausklick sitzt und Komfortfunktionen wie der Doppelklick zum sofortigen Szenenwechsel gestalten euren Knobelalltag um ein Vielfaches komfortabler.
Hier steckt Leben drin!
Adventures sind leblos? Von wegen! Die Schauplätze in „Puritas Cordis“ strotzen nur so vor Detailverliebtheit. Die Hintergründe sind eine Augenweide und geben sich mit geschickt eingesetzten Lichteffekten die Hand. Passend dazu: hoch auflösende Texturen. Einzig und allein die teils ausdruckslosen Gesichter hätten weichere Animationen vertragen können. Der Atmosphäre tut’s trotzdem keinen Abbruch. Dafür sorgen die erstklassigen Sprecher, die bereits im ersten Teil ihr Können unter Beweis gestellt haben. Damit die Dialoge auch möglichst real klingen, hat man sich verschiedener Mittelchen wie z.B. des Hall-Effektes bedient. Abgerundet wird die grandiose Präsentation von einem überaus stimmigen Soundtrack. Und zu guter Letzt schont die neueste „Geheimakte“ euren Rechenknecht dank besonders gnädiger Systemanforderungen.




