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Games Convention

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Köln vs. Leipzig

29.08.2008 | Autor: André

In den letzten Tagen der diesjährigen Games Convention war das Gerüchteaufkommen so hoch wie nie. Statt Getuschel über Spieleankündigungen, Personalwechsel und Fusionen ging es aber vorwiegend um ein Thema: den Wechsel der Messe von Leipzig nach Köln. Der eine wollte gehört haben, dass der Handel den Termin der neuen Messe scheußlich fand, der nächste, dass die Preise in Köln doppelt und dreifach so hoch sein würden wie in Leipzig, und viele fanden einfach, der Wechsel nach Köln würde die Leipziger um die verdienten Früchte ihrer Arbeit bringen.

Mit Spannung wurde denn auch die Abschluss-Pressekonferenz der Leipziger Messe erwartet. Dort, so hieß es im Vorfeld, würde man eine „Bombe platzen lassen“. Angeblich hätten sich die ersten Unternehmen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltung, kurz BIU, bereits umentschieden und würden Leipzig auch 2009 die Treue halten. Aber Essig: Leipzig kündigte zwar – je nach Betrachtungsweise kämpferisch oder trotzig – eine weitere GC für 2009 an. Aber die Reihen der zwölf BIU-Unternehmen stehen bislang geschlossen. Von vielen gibt es schon klipp und klar eine Absage an Leipzig, der Rest bekennt sich eindeutig zu Köln. Hat die Games Convention überhaupt noch eine Chance? Was hat es mit den „Erpressungsvorwürfen“ auf sich, die während der GC laut wurden? Wird Köln denn nun eine reine GC-Kopie? Wie viele Besucher sollen es denn noch werden? All diese Fragen und noch einige mehr stellten wir Olaf Wolters, dem Geschäftsführer des BIU.

Krawall.de: Herr Wolters, das Thema dieser Tage lautete: Wurde Leipzig, einer ohnehin nicht gerade von Wohlstand geprägten Stadt, die Games Convention in der Blüte ihrer Jahre entrissen? Hat man den Leipzigern die Messe zu Unrecht weggenommen, nachdem sie die harte Aufbauarbeit geleistet haben?
Olaf Wolters: Nein. Wir haben die Messe wie jedes Jahr auf den Prüfstand gestellt, und am Ende lief es auf die Frage hinaus: Wechseln wir in eine andere deutsche Stadt oder riskieren wir, dass die Messe ins Ausland wandert? Natürlich fällt so eine Entscheidung dann nicht leicht. Wir haben zusammen mit Leipzig über Jahre am bisherigen Standort sehr gute Arbeit geleistet. Aber es kommt manchmal der Moment in einer Partnerschaft, in dem Entscheidungen anstehen, die nicht beide Partner glücklich machen. Wir befinden uns derzeit sozusagen in einer „Trennungsphase“. Sobald die überwunden ist, werden wir schauen, wie es weitergeht.

Krawall.de: Verläuft die Trennung bislang unangenehmer als erwartet?
Olaf Wolters: Es ist natürlich schade, dass Leipzig hier sehr emotional reagiert und die Entscheidung der Mitgliedsunternehmen des BIU nicht respektieren konnte.

Olaf Wolters bedauert die emotionale Reaktion Leipzigs auf die Entscheidung der BIU-Mitgliedsunternehmen.

Wir hatten ja verschiedene Angebote gemacht, wie man mit Leipzig hätte weiter zusammenarbeiten können – auch in Köln. Da waren die Vorstellungen bedauerlicherweise so unterschiedlich, dass wir nicht zu einer Einigung kommen konnten. Aber wie gesagt: Es ging darum, ob wie die Messe in Deutschland halten können, und diesem Interesse mussten wir andere Befindlichkeiten unterordnen.

Krawall.de: Überrascht es Sie, dass Leipzig tatsächlich noch eine Games Convention plant?

Olaf Wolters: Nein, das kündigte sich ja vorher schon an. Jetzt muss man auch erst mal abwarten. Eine Messe anzukündigen ist die eine Sache, sie am Ende auch wirklich durchzuführen, eine ganz andere. Da muss man zunächst sehr viel investieren, bevor überhaupt etwas passiert. Genau diese Vorab-Investments sind ja auch der Grund, warum praktisch jede Messe Jahr für Jahr neu auf dem Prüfstand steht. Dieses Jahr zum Beispiel war Nintendo in Leipzig nicht mit dabei. Was wäre gewesen, wenn sich das nächstes Jahr fortgesetzt hätte und noch zwei bis drei andere Unternehmen der Games Convention ferngeblieben wären? Dann wäre der Messestandort Deutschland vielleicht komplett erledigt gewesen.

Krawall.de: Ein weiteres „Schmankerl“ im bisherigen Rosenkrieg war, dass während der Messe eine interne E-Mail von Ihnen in der FAZ auftauchte. Aus der hatte man die implizite Drohung herausgelesen: Wenn Leipzig sich weiter querstelle, käme es als Veranstaltungsort für die Verleihung des Deutschen Spielepreises wohl auch nicht in Frage. Der vom Bund mit bis zu 300.000 Euro geförderte Preis soll so was wie der „Spiele-Oscar“ werden.
Olaf Wolters: Das war eine sehr ärgerliche Geschichte für uns, da man da Äpfel mit Birnen vermischt hat. Wir haben im Sommer eine Ausschreibung gestartet, in welcher Stadt der Deutsche Spielepreis verliehen werden soll.

Plant auch 2009 eine Games Convention in Leipzig: Messechef Wolfgang Marzin.

Es haben sich verschiedene Städte, darunter auch Leipzig, darum beworben. Das fanden wir damals sehr positiv. Als nun die Entscheidung anstand, war die Leipziger Messe aber gerade dabei, diese Standort-Diskussion sehr stark anzuheizen. Es gab in der Folge einige Stimmen, die sagten: „Leipzig als Standort finden wir gut, aber die Rahmenbedingungen müssen passen. Wenn die Standortdiskussion im Hinblick auf die Messe so emotional und teilweise auch auf einer so persönlichen Ebene geführt wird, dann müssen wir uns fragen, ob eine Vergabe an Leipzig sinnvoll und auch unseren Partnern in der Politik überhaupt vermittelbar ist.“

Es gab zum Beispiel von Anfang an die Befürchtung, der Deutsche Spielepreis könne in der Standortdiskussion instrumentalisiert werden, wie es die die Leipziger ja nun leider getan haben. Das war natürlich kontraproduktiv, und nur dies haben wir zu erklären versucht. Nämlich dass Leipzig durch die Art und Weise, wie die Diskussion um den Standort geführt wurde, ein Umfeld geschaffen würde, angesichts dessen einige der Beteiligten zu der Einschätzung gelangen könnten: „Das ist nicht mehr ideal für den Spielepreis.“ Aber hier fand keine Erpressung statt. Das wäre auch gar nicht möglich, da der BIU überhaupt nicht alleine über den Deutschen Spielepreis entscheidet – ich allein schon mal gar nicht. Diese Entscheidung wird im September nach der politischen Sommerpause von BIU, BitCom, dem GAME-Verband und dem BKM gemeinsam getroffen.

Krawall.de: Angefangen hat das Ganze ja mit einer weitergeleiteten E-Mail …
Olaf Wolters: Richtig. Da wurde eine persönliche E-Mail an die FAZ gegeben (siehe unter anderem hier), die dort dann unglücklicherweise nur auszugsweise erschienen ist – der Gesamttext war deutlich moderater gewesen. Wir haben das als Kampagne gegen den BIU und meine Person empfunden. Dass die Standort-Diskussion mit harten Bandagen geführt werden würde, war uns natürlich klar gewesen. Aber dass auf solche Mittel zurückgegriffen wurde, das fanden wir dann doch sehr … merkwürdig. Eigentlich nicht sehr professionell, muss man sagen.

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