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Ambitioniert, aber nicht ohne Macken

13.01.2012 | Playstation 3 Xbox 360 PC | Autor: Nils Ehring

Ersteindruck:
68 - 77%
Selbst gespielt:
Ja selbst gespielt

Es wird viel gelaufen in „Game of Thrones: Das Rollenspiel“. Natürlich wird auch gesprochen, gelevelt und gekämpft, aber das Laufen scheint ein besonders elementarer Bestandteil des im ersten Quartal erscheinenden RPGs zu sein. Zumindest konnten wir uns diesem Eindruck bei der Betrachtung des neusten Trailers zum Spiel nicht erwehren. Im Eiltempo huschen Charaktere und Kamera darin an bekannten Sehenswürdigkeiten der sieben Königreiche von Westeros vorüber, dem Schauplatz von R.R. Martins Fantasysaga „Das Lied von Eis und Feuer“ und der von HBO produzierten Serie „Game of Thrones“. Doch eines hat uns zwischen all den beeindruckenden Gemäuern, Schutzwällen und Städten gefehlt: Wo waren inmitten all der schneebedeckten Berge die Hügellandschaften der holden Weiblichkeit? Keine Spur von prallen Möpsen in hautengen Fantasykostümen. Natürlich könntet ihr uns an dieser Stelle Sexismus vorwerfen und uns wegen widerlichem Macho-Gehabe anprangern. Aber mal ehrlich: Was stand neben den beeindruckenden Kulissen, den intriganten Zankereien und der rohen Gewalt noch besonders im Vordergrund der HBO-Serie? Richtig: Der obere Rumpfbereich weiblicher Darstellerinnen, im Volksmund auch „Titten“ genannt.

Keine Möpse, aber…
Dabei hat die Abwesenheit dieser Zutat im Spiel durchaus ihren Grund. Denn „Game of Thrones: das Rollenspiel“ spielt zwar in R. R. Martins geschaffenem Fantasy-Universum, erzählt über die Dauer von rund dreißig Stunden aber seine ganz eigene Geschichte. Übrigens: Der gefeierte Schriftsteller stand in der frühen Phase des Projekts in engem Kontakt mit den Autoren der französischen Cyanide Studios, hat in regelmäßigen Abständen ihre Dialogtexte und Handlungsgerüste gegengelesen und seine schützenden Hände über die Geschichte gehalten. Sie beginnt zu einer Zeit, in der die Königreiche von Westeros eine schwierige Phase durchmachen.

Auch wenn dieser Screenshot viel zu dunkel ist, könnt ihr uns glauben, dass die Spielwelt atmosphärisch wirkt.

Die rechte Hand des Königs Robert Baratheon ist gerade verstorben und an allen Fronten machen Nachrichten von Verrat und Niedertracht die Runde. Zwei Helden rutschen mitten hinein in diese Streitigkeiten. Der eine ist ein roter Priester namens Alester Sorwyck. Der Kuttenträger wird eines Tages per Brief über den Tod seines Vaters informiert und kehrt nach langem Exil zurück in seine Heimatstadt.

Dort muss er feststellen, dass die Stadt selbst im Sterben liegt und dass dort sonderbare Dinge vor sich gehen. Der zweite Held wird Mors Westford gerufen und ist ein eingeschworener Bruder der Night Watch, der an vorderster Front (dem riesigen Schutzwall) einen Vorgeschmack von den Gefahren bekommt, denen die Königreiche ausgesetzt sind. Für ihn werden die Ereignisse zur persönlichen Angelegenheit, als seine Familie bedroht wird.

Einige Konflikte können auch mit der Kraft des Wortes statt mit dem Schwert gelöst werden.

In den ersten neun von insgesamt siebzehn Kapiteln, geben sich Mors und Alester in regelmäßigen Abständen die Klinke in die Hand. Will heißen: In einem Kapitel schlüpft ihr in die rote Kutte des Gläubigen, im nächsten steckt ihr in der dreckverschmierten Rüstung des Night-Watch-Kriegers. Erst im zehnten Kapitel führt das französische Entwicklerteam Cyanide Studios das heroische Traumpaar zusammen und erlaubt es euch, mit beiden in den Kampf zu ziehen. Klar, dass ihr vorher schon Bekanntschaft mit vertrauten Gesichtern (das Aussehen einiger Charaktere ist angelehnt an ihren Serienpendants) wie beispielsweise der Königin Cersei oder Jeor Mormont, dem Kommandeur der Night Watch, gemacht habt. Bei derlei Begegnungen setzt „Game of Thrones: das Rollenspiel“ auf ein Dialogsystem, das mit seinem kreisrunden Auswahlmenü und den ansehnlich inszenierten Gesprächen an allseits bekannte Bioware-Titel erinnert. Und auch wenn die Entscheidungen in Cyanide nicht so weit reichen, wie im „Mass Effect“- oder „Dragon Age“-Kosmos, so haben sie dennoch Gewicht. Eine gute Tat im einen Kapitel kann sich beispielsweise vier Kapitel später auszahlen, weil aus unerwarteter Richtung Hilfe herbei eilt. Selbst der eine oder andere Konflikt kann durch die Macht des Wortes vermieden werden. Wer sich von „Game of Thrones: Das Rollenspiel“ allerdings erhofft, eine Geschichte zu erleben, deren Verlauf er maßgeblich beeinflussen kann, könnte enttäuscht werden. Unserer bescheidenen Meinung nach, dürfte die Haupthandlung des Spiels einem vorgegebenen Pfad folgen. Aber, immerhin: Abseits dieses Weges wird es immer wieder Augenblicke geben, in denen ihr den inneren Schweinehund befragen und moralische Entscheidungen treffen könnt.

Individuen mit einzigartigen Gaben
Die Wahl des Helden und der drei speziellen Klassentypen, die Mors und Alester jeweils verkörpern können, ist natürlich ganz euch überlassen. Wer seinen Feinden gerne mit List und Tücke oder aus der Ferne die Lichter auspustet, sollte sich für den Priester entscheiden. Er kann sowohl als Assassine, als auch als Bogenschütze gespielt werden. Herr Westford ist eher der Mann fürs Grobe. Ihn könnt ihr beispielsweise als wandelnde Tank- oder DPS-Maschine spielen. Losgelöst von den sechs unterschiedlichen Klassen verfügen die Helden über ganz spezielle Fähigkeiten.

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