Ein sehr interessanter Vortrag kommt von Dennis Dyak, einem der Gründer des legendären Spieleentwicklers Crystal Dynamics („Eternal Darkness“, „Tomb Raider Legend“). Dyak ist ein Branchenveteran mit extrem viel Erfahrung. Bei ihm geht es dem Namen nach über „Cloud Computing“. Aber im Herzen geht es um neue Vertriebswege und den Kampf gegen Raubkopien und Gebrauchtspiele. Dyak beginnt seinen Vortrag entsprechend mit einem Überblick über Raubkopien, Copyright, lineare Erzählungen und den Unterschied zwischen „Star Wars“ und „Call of Duty“. Letzterer klang in etwa so: „Wenn du eine Videokamera nimmst und damit jemanden aufzeichnest, der sich „Star Wars“ ansieht und einen anderen, der „Call of Duty“ spielt, ist das ein riesiger Unterschied. Obwohl die Bildqualität mies ist, wirst du im einen Fall fast das komplette „Star Wars“-Erlebnis einfangen. Von der Spielerfahrung eines „Call of Duty“ wirst du aber nur einen kleinen Teil abbilden“.
Nun geht es ans eingemachte. Was ist Cloud-Computing? Technologisch ist es ein Verbund von Computern, die so genannte „Cloud“, die in fleißiger Arbeitsteilung ein Art Superrechner bilden, der aus vielen, herkömmlichen PCs besteht. Für Dennis Dyak geht es aber weniger um die Technik, sondern um die Chancen, die diese bietet. Im Kern sei es eine Möglichkeit dem Nutzer Inhalte zu liefern, ohne ihm das eigentliche Produkt in die Hand zu geben. Die aktuellen Beispiele hierfür sind „OnLive“ und „Gaikai“, die beiden Services, die Spiele in Form von interaktiven Videostreams ins Wohnzimmer beamen wollen. Hier wird nun sein „Star Wars“-Beispiel wichtig. Würde man „Star Wars“ als Stream liefern, könne man es eben einfach abfilmen oder anderweitig am Computer abgreifen - eben eine Raubkopie anfertigen. Einen interaktiven Stream jedoch könne man nicht auf dieser Art einfangen. Man hätte vielleicht ein Video des Spiels, aber mehr nicht. „Wenn wir es schaffen, interaktive Inhalte so auszuliefern, dann geben wir dem Konsumenten nichts mehr an die Hand, dass er stehlen kann. Sobald wir das schaffen, ist das praktisch das Ende der Piraterie“, so Dyak. Auch der Gebrauchtmarkt sei damit Geschichte: „Wenn man als Entwickler sieht, wie das eigene Produkt von immer neuen Leuten gekauft wird, ohne das man einen Cent dafür sieht, dann ist das ungemein frustrierend. Diese Dinge wie Gebrauchtverkäufe und Piraterie, dafür brauchen wir eine Lösung. Das muss behoben werden“, so Dyak. Unter anderem deswegen ist er sich sicher, dass diese Technologie sich durchsetzen wird.
Die Gründe dafür seien vielfältiger als nur das Raubkopieproblem. Wenn Spiele nur noch als Stream ausgeliefert würden, dann wäre plötzlich das ganze Hardware-Durcheinander verschwunden. Spiele wären endlich zeitlos. Was man heute spielen kann, kann man auch in 30 Jahren noch spielen. Ständiges Aufrüsten auf Konsumentenseite entfiele und es gäbe vermutlich eine einheitliche Entwicklungsplattform. „Die Hardware hinter der Cloud, die den Stream generiert und ausliefert ist plötzlich völlig irrelevant. Ab diesem Punkt werden schnell Standards entstehen und der ganze Aufwand spezifisch für Playstation, Xbox und so weiter zu entwickeln entfällt“. Entsprechend sei diese Entwicklung vielleicht für die Plattforminhaber wie Nintendo, Microsoft und Sony nicht so erstrebenswert, aber für alle anderen Marktteilnehmer ein großer Schritt nach vorne.
Ein vereinheitlichter Markt würde auch die Konkurrenz unter den Firmen anfachen. „Heute reden alle von „Killzone“ gegen „Gears of War“. Aber die beiden Spiele treten nie gegeneinander an, weil sie auf eine Plattform beschränkt sind. In Zukunft würde sich wirklich das bessere Spiel durchsetzen“, so Dyaks Prognose. So würden Spiele insgesamt vermutlich auch günstiger werden, da der Wettbewerbsdruck insgesamt ansteigen würde. Da der Gesamtmarkt einer solchen Technologie auch viel größer sei, wäre dies auch ökonomisch kein Problem. Spiele würden damit irgendwann endlich genau so viele Menschen erreichen, wie Filme. „Wenn die Oma im Laden steht, muss sie heute noch nachdenken, für welche Plattform sie ihrem Enkel ein Spiel kaufen kann. In Zukunft wird das hoffentlich vorbei sein“, so Dyak. Weiterhin wäre es viel einfacher, seine Spiele auf den Markt zu bringen. Im unteren Preisbereich würden sich so noch größere Chancen für kleine Entwickler auftun, als heute.
Das manche Menschen Angst davor haben, dass ein einzelner Anbieter wie „OnLive“ ein Monopol errichten könnte, hält Dyak für sehr unwahrscheinlich. „Es wird sein wie mit Fernsehkanälen. Es könnte eine Sony-Cloud geben, eine Microsoft-Cloud und so weiter. Es gibt absolut keinen Grund anzunehmen, dass sich hier ein einzelner Anbieter als Monopolist durchsetzen kann“. Viele Kritiker einer interaktiven Streaming-Technologie haben jedoch mehrfach darauf hingewiesen, dass die Latenzzeiten heutiger Systeme für eine solche Technologie noch nicht bereit sind. Dyak sieht das nur als kleinen Stolperstein. „Selbst wenn solche Probleme jetzt noch bestehen, werden sie das System höchstens ausbremsen, mehr nicht“. Auch die Gefahr, dass ein solcher Anbieter pleite geht und dann all die Spiele verloren sind, die man gekauft hat, hält Dyak nur für eine Angst, die auf bisherigen Gewohnheiten gründet: „Ich denke, da steckt viel traditionelles Denken hinter. In Zukunft wird man vermutlich gar nicht einzelne Titel kaufen, sondern den Zugang zu einem Service. Wenn der pleite geht, werden sicher alle Rechte auf einen Wettbewerber übergehen und dort wieder zur Verfügung stehen. Wie gesagt, es wird eher sein, wie ein Fernsehkanal“, so Dyak, der auch auf iTunes verweist. „Am Anfang haben alle darüber gelacht als Apple sagte, ihre Download-Songs würden irgendwann die physischen Medien ablösen...jetzt sieht die Sache anders aus“.
Aus den genannten Gründen könnte 2009 ein historisches Jahr sein, ohne das wir es ahnen, meint Dyak. „Es könnte sein, dass wir an dieses Jahr zurückdenken als das Ende der Goldenen Ära der Spielkonsolen. Es kann sein, dass hier der Grundstein gelegt wurde für das Ende der Konsolen. Aber auch der Startschuss für bessere, billigere Spiele die mehr Menschen zur Verfügung stehen. Das Ende des Streits darüber, welche Plattform am besten ist, welche man sich leisten kann, welches Spiel auf welcher Plattform entsteht. Endlich wird man Nintendo-Spiele nicht mehr nur auf Nintendo Konsolen spielen können, sondern sie werden allen Menschen zur Verfügung stehen. Ich glaube, man wird sich ganz sicher nicht traurig an dieses Jahr erinnern“, so Dyak zum Abschluss.
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GDC Europe 2009
Gebrauchtspiele und Raubkopien bald Geschichte
17.08.2009 | 13:41 | André | Quelle: Krawall Gaming Network
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24.08.2009, 09:11 von Luca_s
Hat alles seine Vor- und Nachteile... Ich würde mich aber so lange wie möglich dagegen sträuben. Ich liebe es Verpackungen zuhause stehen zu haben - was zum anfassen einfach.
23.08.2009, 22:49 von Buntheit
Also ich kann mir nur schwer vorstellen, dass in wenigen Jahren Konsolen wie die Playstation gänzlich verschwinden und durch Cloud Computing ersetzt werden können. Oder ich bin einfach zu eingefleischt in Konsolen, dass ich mir was andres gar nicht mehr vorstellen kann.
23.08.2009, 20:21 von emilyyy
ich find das nicht fair, dass der typ star wars als "schlechtes beispiel" die ganze zeit in den schmutz ziehen muss um seine ansichten deutlich zu machen.
22.08.2009, 10:51 von brucey_ducey
hm, klingt ja alles schön und gut. aber hört sich irgendwie auch ziemlich aufwändig an und aufwand bedeutet fuer den kunden meistens auch höhere kosten und darueber hat der werte herr anscheinend kein einziges wort verloren. ich bin mal gespannt
21.08.2009, 23:42 von shakar
Dann müssen sie mir erstmal zeigen dass sie es wirklcih schaffen HD Auflösungen in Echtzeit zu rendern und zu streamen ohne das ich einen Lag spüre


