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  • Final Fantasy XIII

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Das Schlauch-Abenteuer

15.03.2010 | Xbox 360 Playstation 3 | Autor: Nils Ehring

Im Grunde ist jeder Teil der „Final Fantasy“-Reihe etwas Einzigartiges. Kein Ableger ist identisch mit dem anderen. Square Enix hat bei jedem Abenteuer irgendetwas anders gemacht. Dass diese Geilheit nach Veränderung auch mal nach hinten losgehen kann, bewies erst vor Kurzem der letzte „Crystal Chronicles“-Teil namens „The Chrystal Bearer“, der mit seinem abwechslungsarmen Kampfsystem und seiner ungenauen Kamera nicht gerade glänzte. Unsere Erwartungen an „Final Fantasy XIII“ schraubte die Wii-Enttäuschung sogar noch in die Höhe. Dabei ist längst nicht jeder Krawaller ein riesengroßer „Final Fantasy“-Fan. Als der neueste Teil bei uns eintrudelte, reichten die Reaktionen vom direkten „Bleib mir bloß fern mit der Fönfrisur-Scheiße!“ bis hin zum kurzen „Ich muss weg!“. Doch nach tagelangem Aufenthalt in der phantasievollen Welt von „FF XIII“ wissen wir es besser: Derartige Ängste sind unangebracht – zumindest was bestimmte Veränderungen innerhalb des Spiels anbelangt.

Kompliziert wie Heidegger
An die Tradition, eine komplexe und zuweilen verwirrende Geschichte zu erzählen, hat man sich im Hause Square wieder gehalten. Versuchen wir mal, das erzählerische Wollknäuel zu entwirren: Alles beginnt in Cocoon, einer Stadt, in der gigantische Blechgötter namens Fal’Cie das Leben der Bewohner kontrollieren. In regelmäßigen Abständen greifen sich die Machthaber ein Menschlein und verwandeln es in ihren Diener, einen so genannten L’Cie. Jedes dieser Geschöpfe bekommt eine individuelle Bestimmung, die es erfüllen muss.

„FF XIII“ lässt freiheitsliebende Spieler erst gegen Ende von der Leine. Bis dahin ist es ein schlauchiger Weg.

Gelingt dies, verwandelt sich der L’Cie in einen Kristall, der seinem Schöpfer Energie liefert. Scheitern die Diener, mutieren sie zu gehirnlosen Zombies, die planlos umherziehen. Die fünf Protagonisten Snow, Lightning, Hope, Sezh und Vanille kommen zwar aus unterschiedlichen Motiven nach Cocoon, aber sie alle fallen zu Beginn der Geschichte dieser Knechtschaft zum Opfer und werden mit dem Zeichen der L’Cie gebrandmarkt.

Fortan müssen die Helden ihre Bestimmung finden und erfüllen. Doch Streitigkeiten und Schicksalsschläge teilen das Team immer wieder in kleine Splittergruppen. Das alles stürzt am Anfang auf euch ein wie ein Wasserfall aus Nonsens. Wie ein Viertklässler, dem man Heideggers „Sein und Zeit“ in die Hand drückt, sitzt man in den ersten Stunden da und kratzt sich am Kopf. Doch das Grübeln über verwirrende Termini wie Sanktum und Purgation weicht im Laufe der vierzigstündigen Spielzeit immer mehr der Erkenntnis. Man sollte sich vom konfusen Prolog also nicht ins Boxhorn jagen lassen, denn die Geschichte nimmt erst richtig Fahrt auf, wenn die Heldentruppe erstmalig vollständig ist und man über Rückblenden mehr über die Hintergründe der Charaktere erfährt.

Die zahlreichen Schauplätze sind die eigentlichen Stars des Spiels. Sie strahlen nur so vor hübschen Details.

Der Großteil der Truppe erweist sich sogar als recht sympathisch. Da wäre beispielsweise Hope, der sich stetig vom Angsthasen zur Kampfsau entwickelt. Dann ist da noch Snow, der optisch an einen geleckten Surfertypen erinnert, dessen coole Fassade aber fortwährend bröckelt. Und auch der Witzbold Sezh sowie die ernste Lightning bereichern die Gruppe. Doch leider ist da noch die extrem nervige Vanille, die sich bereits bei ihrem ersten Auftritt als eine Art Pippi Langstrumpf für Arme entpuppt. Zu jedem Ereignis lässt die naive Göre ihren persönlichen Gehirnfurz fahren und hüpft stöhnend durch die Walachei. Wer einen Grund für Sterilisation sucht, dürfte ihn in der vorlauten Vanille endgültig gefunden haben. Trotzdem vergisst man diesen Charakter-Fehlgriff, sobald eine der zahlreichen Rendersequenzen über den Bildschirm geistert. Square übertrifft sich in diesem Bereich mal wieder selbst und liefert Cut-Scenes auf höchsten technischem Niveau ab. Hier stimmt einfach alles – von der Kamera über die Montage bis hin zum Soundtrack.

Auch im Bezug auf die Spielwelten hält „FF XIII“ dieses Niveau durchweg. Die Schauplätze strotzen nur so vor detailverliebten Designeinfällen. In Cocoon zieht euch immer wieder die fluoreszierende Architektur der Stadt in den Bann. Der später auftauchende Bresha-See präsentiert sich als ein Labyrinth aus kristallenen Wellen. Und vergessen wir nicht den knallgrünen Auenwald von Sunleth, in dem schleimiges Gemüse haust. So schön all diese Orte erscheinen, so wenig laden sie leider zur Erkundung ein. Bis zum letzten Drittel des Spiels latscht ihr durch einen monsterbespickten Schlauch nach dem anderen.

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