Fallout 3
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- Publisher: Ubisoft
- Entwickler: Bethesda Softworks
- Genre: Rollenspiel
- Release: 31.10.2008
Strahlendes Rollenspiel
31.10.2008 |
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Autor: Hauke
Ein Lächeln schleicht sich unwillkürlich in unser Gesicht, als die ersten Szenen von „Fallout 3“ über den Monitor flackern. Wie konnten wir nur daran zweifeln, dass die Saga rund zehn Jahre nach ihrer letzten Episode wieder mit den gänsehauterregenden Worten „Krieg, Krieg bleibt immer gleich“ beginnen würde? Auch dieses Mal verfehlt diese Einleitung nicht ihre Wirkung, während Bilder der nuklearen Apokalypse abgespult werden. Es war das Jahr 2077, als ein nervöser Finger den roten Knopf drückte und so Verderben über die uns bekannte Welt brachte. Doch die Handlung von „Fallout 3“ setzt erst 200 Jahre später ein, 30 Jahre nach der Handlung von „Fallout 2“. Doch nicht nur virtuell hat sich einiges getan, auch in unserer Welt ist die Zeit nicht stehen geblieben.
Oblivion mit Laserwaffen?
Statt Interplay ist Bethesda dieses Mal für das Rollenspiel verantwortlich und statt der antiken 2D-Grafik mit ihrem rauen Endzeit-Charme kommt die Gamebryo-Engine zum Einsatz, die schon „The Elder Scrolls: Oblivion“ Leben einhauchte. Doch trotz der hohen Wertungen für das Fantasy-Rollenspiel gab es immer wieder Befürchtungen, dass die Engine nicht für einen Endzeit-Titel taugen könnte und bekannte Probleme von Cyrodiil in die Welt der strahlenden Zukunft verschleppt würden. In der Tat warf gerade das Kampfsystem, bei den diversen Vorschau-Präsentationen immer wieder Fragen auf. Statt der taktisch komplexen Rundenstrategie des Vorgängers gibt es im neuen Teil nämlich eine ungewohnte Mischung aus einer Art Pausefunktion wie in „Knights of the Old Republic“ und Echtzeit-Endzeit. Dazu später noch deutlich mehr. Waffen und Gewalt sind jedoch etwas für erwachsene Helden, und diese Beschreibung trifft zu Spielbeginn nicht gerade auf unseren Charakter zu. Anders gesagt: Noch nie ein Rollenspiel mit einer so frischen Spielfigur begonnen wie „Fallout 3“.
Flutsch, hallo Welt!
Ein gleißendes Licht ist der erste Eindruck, den der Spieler vom postnuklearen Leben bekommt. Die ersten Konturen offenbaren OP-Lampen, Klinikpersonal und Blutspritzer.
Die Entwicklung des Charakters geriet äußerst umfangreich und lässt echten Rollenspiel-Anhängern das Herz aufgehen.
Wurden wir angeschossen? Eher das Gegenteil ist der Fall, der Spieler ist gerade frisch auf die Welt gepurzelt und ein stolzer Papa fragt aufgeregt, ob wir ein Mädchen oder Junge seien. So sieht also die erste Entscheidung aus, die wir zu treffen haben – soll da was zwischen den neugeborenen Beinchen baumeln oder lieber nicht? Direkt danach wird die gefürchtete Frage nach dem Namen gestellt und wir dürfen wählen, ob wir afroamerikanischer, asiatischer, südamerikanischer oder kaukasischer Abstammung sein wollen.
Wo wir schon beim Aussehen angelangt sind ist es jetzt Zeit, über zahlreiche Schieberegler die Formen und Farben unseres Gesichtes – vom Nasenerker bis zur Haarfarbe und Frisur des Gesichtspullovers – anzupassen. Erneut überstrahlt ein gleißendes Weiß das Szenario und unheilvolle Stimmen begleiten den ausgedehnten Schnitt zur nächsten Szene. Im Kleinkindalter ruft Papa uns zu sich und wir taumeln per WASD-Steuerung oder Gamepad in seine ausgebreiteten Arme, bevor der alte Herr mal kurz verschwindet.
Wir sind etwas besonderes
Alleine ist es im Kinderzimmer auch viel spannender. Schließlich kann man aus seinem Laufstall ausbrechen und Spielzeug quer im Raum verteilen. Da fällt unser Blick auf ein Bilderbuch im Vertrauten Design. Der altbekannte Fallout-Junge spielt die Hauptrolle in „You're so S.P.E.C.I.A.L“. Jeder der Buchstaben steht für ein englisches Attribut wie „Strength“ oder „Perception“. Neben witzigen und aufschlussreichen Erklärungen können wir hier die Anfangswerte für Stärke, Wahrnehmung, Ausdauer, Charisma, Intelligenz, Beweglichkeit und Glück festlegen. In diesen Anfangsminuten trifft „Fallout 3“ den Ton und das Design der alten Spiele so dermaßen genau und wirkt so frisch und aufregend, dass man als alter Fan der Spielreihe ein warmes Gefühl in der Magengrube nicht unterdrücken kann.
Danach eine weitere weiße Überblendung zu unserem zehnten Geburtstag. Wir bekommen unseren Pip Boy 3000, den Armbandcomputer zur Aufgaben- und Inventarverwaltung geschenkt und soziale Interaktion steht auf dem Lehrplan des Lebens. Wir erfahren, dass Talente wie „Sprache“ Auswirkungen auf unsere Gesprächsoptionen und deren Erfolgschancen haben, ob zum Beispiel eine Lüge unentdeckt bleibt oder sich ein potentieller Gegner einschüchtern lässt. Außerdem schenkt uns Amata, die Tochter des Bunkeraufsehers von „Vault 101“, einen Barbarencomic, dessen Konsum unser Nahkampftalent dauerhaft erhöht. Nach einigen Zielübungen mit einem Luftgewehr von Papa blitzt ein Fotoapparat den nächsten Schnitt herbei.
Ziegenhirte oder Programmierer?
Mit 16 Jahren ist im Leben jedes Vaultbewohners der Zeitpunkt gekommen, sich dem Generalisierten Orientierungs- und Assessment Test, kurz GOAT, zu stellen und zu sehen, was im Leben aus ihm werden soll. In mehreren lustigen Multiple-Choice-Fragen wie „Oh nein! Sie waren Strahlung ausgesetzt und aus ihrem Bauch ist eine mutierte Hand herausgewachsen. Wie wird das am besten behandelt?“ wird ermittelt, welcher Spielstil zu uns passen könnte und flugs werden die Werte der Starttalente dementsprechend angepasst. Antworten auf diese Frage wie „Mit einer Kugel in den Kopf“ fügen dem Spiel den typischen Zynismus bei. Leider gelingt es der Übersetzung im späteren Spielverlauf nicht immer so gut, die witzig-bitteren Ideen der Storyschreiber ins Deutsche zu übertragen.



