FIFA 10
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: EA Sports
- Genre: Sportspiel
- Release: 01.10.2009
Ein Kick aus der Regionalliga!
09.10.2009 |
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Autor: Olaf
In der vergangenen Woche noch freute ich mich auf den Test von „FIFA 10“ auf der Xbox 360 und der Playstation 3. Schließlich hatte mich bereits der Vorjahrestitel „FIFA 09“ begeistert und für den aktuellen Part standen alle Zeichen auf Hit. Und mein untrügliches Redakteursgespür hatte sich nicht getäuscht: „FIFA 10“ ist auf Playstation 3 und Xbox 360 ein Brett von einem Fußballspiel – schön anzuschauen und flüssig spielbar.
Als dann allerdings die PC-Version erst zum Release des Spiels bei uns eintraf, schwante mir Böses. Denn bereits im letzten Jahr blieb der Computer-Kicker weit hinter seinem Konsolenkameraden zurück. Aber vielleicht hat EA Sports ja dazugelernt! Vielleicht haben die Entwickler endlich verstanden, wie man meinen Quad-Core-Rechner bis zum Letzten ausreizt! Hoffnungsvoll nagelte ich mir die sieben Gigabyte auf die Festplatte und starrte nach dem Spielstart auf den Bildschirm. „Wo bleibt denn Wayne Rooney, wie er geschmeidig einen Manndecker austanzt und auf den Kasten ballert“, fragte ich mich. Ein Blick auf matschige und obendrein auch noch hässliche Menüs lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. „Same procedure as every year“, sprach ich zu mir selbst. Um es gleich vorweg zu nehmen: EA Sports behandelt auch in diesem Jahr die PC-Spieler stiefmütterlich. Während Konsolenzocker einen deutlich verbesserten Spielablauf und jede Menge Detailverbesserungen geboten bekommen, werden PC-Kicker mit technisch veraltetem Arcade-Fußball abgespeist.
Ein paar gute Nachrichten
Aber wir tun mal so, als wären wir seriöse Journalisten und blicken zunächst auf die Haben-Seite von „FIFA 10“. Freunde von Original-Namen freuen sich über das bekannte dicke Lizenzpaket mit allen nennenswerten Mannschaften – national wie international. Auch die Spielmodi unterscheiden sich kaum von denen der Konsolenversion.
Am Spielumfang gibt es traditionell wenig zu meckern. Spannende Neuerungen sucht man aber vergeblich.
Da hätten wir verschiedene Turnier- und Liga-Varianten und natürlich die Be-A-Pro-Option. Hier steuert ihr lediglich einen Sportsfreund über das Grün und versucht so, euren Kicker aufzuwerten. Das Ganze ist nun auch noch über mehrere Saisons spielbar – schön.
Hinzu kommen die bekannten Online-Modi und natürlich die Live Season. PC-Spieler werden für die fehlenden Neuerungen wenigstens mit einer Gratis-Liga entschädigt. Konsolen-Fußballer müssen schon beim ersten Daten-Update die Kreditkarte auf den Tisch legen. Wollt ihr weitere Verbände aktualisieren, kostet euch das 3,99 Euro.
Fassen wir die Spielmodi-Flut von „FIFA 10“ kurz zusammen: Es ist alles da, was wir auch aus der Konsolenversion kennen. Das Grundgerüst für Langzeitmotivation wäre also da, denn alle Varianten wirken in sich geschlossen. Selbst der Manager-Modus ist dank Detailverbesserungen und komfortabler Steuerung mit Maus und Tastatur gut spielbar. Trotzdem sehen die Menüs aus, als hätte man sie gerade aus der Playstation rüberkopiert.
Sowohl spielerisch als auch technisch hinkt die PC-Version von „FIFA 10“ den Konsolenfassungen meilenweit hinterher.
Und jede Menge schlechte Nachrichten
Doch mit der durchaus ordentlichen Auswahl an Spielmodi sind die positiven Aspekte von „FIFA 10“ schon so gut wie erschöpft. Bereits ein Blick auf die Ränge macht deutlich, dass EA Sports hier lediglich einen lieblosen Nachfolger hingesudelt hat. Da drücken sich platte Schattenmänner auf grobpixeligen Sitzplätzen und zucken ein wenig vor sich hin. Zum Glück schwenkt die Kamera sogleich in den Kabinengang. Die Spieler sehen ordentlich aus. Zwar erreichen die Gesichtstexturen noch lange nicht das Niveau von „Pro Evolution Soccer 2010“, trotzdem kann man die Stars während der Zwischensequenzen gut erkennen. Wie sich im Spielverlauf herausstellt, hat EA Sports zu wenig Zeit in Jubel- und Protestszenen gesteckt: Die Einblendungen wiederholen sich unverschämt oft. Von der witzigen interaktiven Torfeier der Konsolenfassung fehlt leider erneut jede Spur.
Doch seinen eigentlichen Schrecken verbreitet „FIFA 10“ erst, wenn der Ball ins Rollen kommt. Der Bildaufbau wirkt hakelig, trotz flottem Rechner lief das Spiel nicht wirklich flüssig. Und so präsentiert sich „FIFA 10“ als technisch absolut veralteter Arcade-Kick. Der Ball klebt schwer an den Füßen der Spieler, kommt aber beim Passen oder Schießen schneller auf Touren als der Road Runner. Dann rast das Leder förmlich durch die Lüfte. Während der Dribblings vermissen wir die Freiheiten der 360°-Steuerung. Diese sollte zwar auch in die PC-Version integriert sein, allerdings konnten wir bei den eckigen Bewegungen der Spieler keinerlei runde Laufwege erkennen.
Das Zweikampfsystem wurde aus dem Vorgänger weitestgehend übernommen. Die Animationen sind ordentlich, trotzdem fehlen uns hier notwendige Neuerungen. Warum kann ich den Kollegen nicht anständig am Trikot ziehen, ihn über Meter abdrängen und mich an realistischen Bewegungsabläufen erfreuen wie in der Konsolenfassung? Auch der Spielaufbau wirkt allzu unrealistisch. Dribblings sind übermächtig, die Spieler laufen sich nicht anständig frei. Stürmer haben aufgrund der Trägheit der Abwehrspieler ausreichend Spielraum. Nervig: Bei jedem Spielerwechsel bleibt der neu angewählte Kicker kurz stehen. Dies führt immer wieder zu Ballverlusten. Und den Torhütern fehlt ebenfalls das notwendige Durchsetzungsvermögen. Sie wuseln oftmals ahnungslos durch den Strafraum und lassen Bälle allzu oft abprallen. Kurzum: „FIFA 10“ ist sein Geld in keinem Fall wert. Es ist lediglich ein liebloses Update, mit dem EA Sports klarmacht, wo der Fokus derzeit liegt – nämlich beim Konsolensport.



