- Europa Universalis: Rome
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- Publisher: Paradox Interactive
- Entwickler: Paradox Interactive
- Genre: Strategie
- Release: 18.04.2008
Rom sehen und kämpfen
27.05.2008 |
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Autor: Hauke
Von dem kürzlich ausgestrahlten TV-Blockbuster „Rom“ bis „Asterix“, von Ridley Scotts „Gladiator“ bis „Spartacus“ haben popkulturelle Episoden über das antike Großreich eines gemeinsam: Intrigen spielen eine wichtige Rolle. Diese Tatsache darf man bei dem Nachfolger des wohl tiefgängigsten rundenbasierten Strategiespiels des letzten Jahres nicht außer Acht lassen. Denn mit „Europa Universalis: Rome“ liefert Paradox Interactive nicht einfach einen bloßen Aufguss derselben Brauzutaten ab, sondern verfeinert seinen Zaubertrank mit einigen frischen Zutaten.
Dabei bleiben die Tugenden, die „Europa Universalis III“ eine respektable Wertung von 79% einbrachten, natürlich erhalten. Kaum ein anderes Spiel bietet eine so glaubwürdige künstliche Intelligenz mit so nachvollziehbaren Aktionen. Ein gigantisches Werk an Regeln und Tabellen sorgt dafür, dass Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes gegenwärtig wird und ein Eigenleben entwickelt. Zum Spielstart kann man sich eine Provinz zum Verwalten und ein Startjahr aussuchen, wobei die Bedingungen auf der geographischen und politischen Landkarte größtenteils den bekannten Tatsachen entsprechen.
Aller Anfang ist schwer
So beginnt Rom als kleiner Punkt auf der Landkarte, der sich im Laufe der Zeit ausdehnt und eine gewaltige Größe erreicht. Nationen wachsen, schrumpfen oder verschwinden gar komplett. Neben der namensgebenden Großmacht lässt sich das Schicksal zahlreicher weiterer Regionen wie Karthago, Makedonien oder auch Gallien in die Hand nehmen. Wer sich mit den komplexen Möglichkeiten und dem etwas sperrigen Interface der „Europa Universalis“-Reihe nicht auskennt, tut gut daran, nach der Installation erst einmal das Tutorial in Textboxform aufzurufen. Das bietet gegenüber dem gedruckten, 100 Seiten starken Handbuch optische Vorteile. Leider sind die Textpassagen im Spiel genauso wenig interaktiv wie in dem Druckwerk und zudem oberflächlicher und von Rechtschreibfehlern durchsetzt. Nichtsdestotrotz bekommt man schnell einen groben Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten, die „Rome“ seinen Imperatoren vor dem Monitor bietet. Bis man sämtliche Feinheiten des Regelwerkes für sich auszunutzen weiß, dürften aber in jedem Fall mehrere Stunden Spielzeit verstreichen. Wie gehabt läuft „Europa Universalis“ in Echtzeit ab, wobei sich Befehle auch im Pausenmodus erteilen lassen und langwierige Bau- oder Transportphasen vorgespult werden können.
Die Provinz als Motor
Die mit Abstand wichtigste Verwaltungsebene stellen die Provinzen dar. Sie bilden euer wirtschaftliches und militärisches Rückgrat. Natürlich zahlen eure Untertanen Abgaben an euch, damit ihr den Staatsapparat am Laufen haltet. In den verschiedenen Regionen könnt ihr im Laufe des Spieles je nach Forschungsstand unterschiedliche Gebäude errichten. Dadurch werden neue Produktionsstätten und Einheitenklassen verfügbar.
Komplexitätsmonster
Für viele abschreckend, für Hardcore-Strategen ein Paradies: „Rome“ bietet unglaublich viel spielerischen Tiefgang.
Über die Provinzen lassen sich außerdem profitable Handelsnetze errichten. Allerdings können unzufriedene Bürger aufständisch werden und somit die Effizienz versiegen lassen; man sollte die Zufriedenheit seiner Untertanen also immer im Auge behalten. Provinzen, die nicht in unserem Besitz sind, bieten naturgemäß weniger Möglichkeiten zur Interaktion.
So lassen sich beispielsweise Botschafter entsenden, um diplomatische Verhandlungen aufzunehmen.
Von Feldherren und Steuereintreibern
Es gibt mehrere Wege, sich in „Europa Universalis: Rome“ Boni zu verschaffen. Es lassen sich Statthalter einsetzen, die je nach Fachgebiet unterschiedliche Vorteile mit sich bringen, bei Armeebelangen nimmt der Feldherr ihre Rolle ein. Die jeweiligen Fachleute sind natürlich keine Unbekannten, sondern kommen aus den besten Häusern des Reiches. Um diese stets im Blick zu haben, wird in „Europa Universalis: Rome“ ein Element aus „Crusader Kings“ wiederbelebt.
Mit Hand und Hirn
Wer eine strategische Herausforderung sucht, liegt hier goldrichtig. Die Optik könnte trotzdem zeitgemäßer sein.
Im Dynastiebildschirm reicht ein kurzer Blick aus, um Familienverhältnisse und die Beziehungen der Clans untereinander abzuschätzen. Zwar müssen wir uns nicht mit unserer eigenen Familienplanung herumärgern, für unsere Politik spielen Blutsbande trotzdem eine wichtige Rolle. Einerseits hängen Zufallsereignisse von der jeweils herrschenden Familie ab, andererseits bestimmt diese auch einige Facetten des öffentlichen Lebens. Werden zu viele Ränke geschmiedet, können Streitigkeiten schnell zu einem verheerenden Bürgerkrieg heranwachsen. Neben der Besetzung wichtiger Positionen im Staatsapparat können wir uns durch die Verwendung nationaler Ideen Vorteile verschaffen. Haben wir eine derartige erforscht, kann sie das Volk zu Höchstleistungen anspornen. Möchte man seinen Kopf nicht selber anstrengen, darf man auch auf göttlichen Beistand hoffen. Opfer und Gebete können die Schöpfer milde stimmen, allerdings kann der Schuss auch nach hinten losgehen und den Zorn der Allmächtigen erwecken. Schmerzhafte Fähigkeiten-Verschlechterungen sind das Resultat, wenn unsere Priester versagen.
Der Fluch des Realismus
Besonders im Kriegszustand machen sich derartige Patzer schnell störend bemerkbar. Das Kampfsystem funktioniert nach ausgeklügelten Tabellen und legt nachvollziehbare Ergebnisse vor. Dank der zahlreichen umher wandernden Barbarenstämme, die mit großen Horden angreifen, muss man jederzeit für ein stehendes Heer sorgen. Besonders die kleinen Länder – über 53 Nationen aus zehn Kulturkreisen lassen sich befehligen – haben es schwer. Spielt man als keltischer Stammesfürst, mag eine Niederlage gegen das römische Reich realistisch und unausweichlich sein, frustrierend ist sie trotzdem. Andererseits gibt es, wie von der Serie gewohnt, keine vorgegebenen Ziele oder gar eine Hintergrundgeschichte. Man kann sich also ein kleines Volk nehmen, statt der Weltherrschaft nur das stille Überleben anstreben und somit immerhin einen Erfolg erzielen. Wer es sich leicht machen möchte, kann als Römer oder Karthager an den Start gehen, die meisten anderen Völker haben ein deutlich schwereres Los.
Kippschalter entdeckt
Unglaublich, ja geradezu revolutionär ist die Grafik in „Europa Universalis: Rome“. Prinzipiell wird dieselbe unscheinbare Engine wie im Vorgänger verwendet, die Karte ist inzwischen jedoch komplett dreidimensional und die Kameraperspektive lässt sich kippen, was in einigen Situationen für mehr Überblick sorgt. Auf der akustischen Seite hat sich hingegen wenig getan; neben der angenehmen Hintergrundmusik herrscht gähnende Langeweile. Komplexer ist da schon das Herzstück des Spieles, die künstliche Intelligenz. Diese gehört zum Besten, was das Genre je gesehen hat, und leistet sich keine erkennbaren Schwächen. Wer trotzdem lieber gegen menschliche Gegner antritt, kann sich im Netzwerk oder im Internet in Politiksimulationen mit bis zu 32 Teilnehmern messen.



