Emergency 4
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- Publisher: Take 2 Interactive
- Entwickler: Sixteen Tons Entertainment
- Genre: Echtzeitstrategie
- Release: 13.04.2006
Katastrophen und Krawall
24.04.2006 |
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Autor: Redaktion
Nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Emergency 3“ rollt eine neue Katastrophenwelle auf uns zu. Dabei hat man sich bei Sixteen Tons Entertainment einige Kritikpunkte des Vorgängers zu Herzen genommen und ausgebessert. Leider trifft das nicht auf alle Schwächen zu, die wir beim dritten Teil noch bemängelt haben. Dazu kommt, dass die eigentlich spannenden Kampagnenmissionen immer wieder durch Zwangsepisoden des Endlos-Modus unterbrochen werden. Hier gilt es, zufällig generierte Unglücke zu meistern um mit den so verdienten Credits neue Fahrzeuge zu kaufen. Leider begegnen uns dabei selten größere Herausforderungen als Mülleimerbrände im Stadtpark und das Festnehmen von Taschendieben.
Wo brennt’s?
Nachdem unser durch Hans Meisers Notruf angelerntes Wissen wahlweise durch ein Tutorial aufgefrischt wurde, warten schon die ersten Opfer sehnsüchtig auf ihre Rettung. Reißerische Rendersequenzen sorgen zu Beginn der Kampagnenmissionen für adrenalingeladene Stimmung. Anfangs müsst ihr euch hauptsächlich mit kleineren Unglücken wie dem Brand einer Reifenfabrik herumärgern.
Dabei bleibt alles schön übersichtlich. Ein Feuerlöschfahrzeug samt Crew und eine überschaubare Zahl an Rettungswagen sorgen dafür, dass der Ärger sich schnell in Rauch auflöst. Auch die überarbeitete Steuerung lässt schnell erste Erfolge zu. Bei Sixteen Tons wurden die Gebete der zahlreichen Katastrophenmanager nämlich erhört, und so erspart der kontextabhängige Cursor eine Menge Klickarbeit. Die nervige Iconsuche aus den Vorgängerteilen gehört damit größtenteils der Vergangenheit an. Warum hingegen im Pausenmodus noch immer keine Befehle erteilt werden können bleibt ein Rätsel, so werden komplexere Missionen zu hektischen Mikromanagement-Desastern, bei denen ein falscher Klick katastrophale Folgen hat. Denn obwohl die KI inzwischen Karten lesen kann und so Wege zuverlässig zurücklegt, sollte man nicht auf sinnvolle automatisierte Aktionen der eifrigen Retter hoffen. So löschen Brandbekämpfer ohne präzise Befehle lieber einen brennenden Dornenbusch als dafür zu sorgen, dass die Gasflaschen, neben denen sie stehen, nicht explodieren und ihnen eine Audienz beim allmächtigen Feuergott verschaffen. Dieser würde sie dann wahrscheinlich direkt ins Fegefeuer verbannen – schließlich ist es ganz schön verantwortungslos, dass die Lebensretter während der Missionen das Tempo einer Schildkröte auf Valium an den Tag legen. Dabei sind sie selbst bei ihrer schlafwandlerischen Geschwindigkeit nicht in der Lage einen Schlauch über eine Türschwelle zu tragen oder durch Fenster auf Gangster zu schießen. Doch zum Glück sind Hopfen und Malz nicht ganz verloren. In der Kampagne können die Berufshelden neue Fähigkeiten erwerben und in den 20 Missionen beweisen, dass sie doch einiges auf dem Kasten haben.
Dabei sorgen Zugunglücke, Staudammbrüche, Razzien und nukleare Katastrophen in der Antarktis für Schweißperlen unter den Helmen. Um Auslandsmissionen zu absolvieren muss das neue Einsatzflugzeug TransAid bestückt werden. Dieses ist eins von fünf neuen Fahrzeugen, die den Fuhrpark auf 25 vergrößern. Zum Beginn der Kampagne stehen davon nur wenige zur Verfügung. Doch wie schon erwähnt muss man sich nach jeder Kampagnenmission gezwungener Maßen durch ein kurzes Stückchen des Endlosspiel-Modus mit zufällig generierten Ereignissen kämpfen um neue Vehikel und Fähigkeiten freizuschalten. Das nimmt eine Menge der Dynamik aus der ansonsten abwechslungsreichen Kampagne und nervt auf Dauer. Wenn Sanis, Polizisten, Feuerwehrleute und THW-Mitarbeiter schließlich auch das letzte Szenario erfolgreich gelöst haben, stehen noch die freien Spielmodi zur Verfügung. Dabei müssen wir dafür sorgen, dass eine ganze Stadt nicht im kriminellen Sumpf versinkt oder als gewaltiges Barbecue endet. Während im Endlosspiel komplett zufällige Ereignisse für rauchende Köpfe sorgen, reihen sich immer verheerende Katastrophen im Herausforderungsmodus aneinander. Natürlich darf bei beiden Optionen das Budget nicht aus den Augen verloren werden.
Gemeinsam sind wir stark!
Um für etwas Entlastung zu sorgen dürft ihr mit bis zu vier Mitspielern gegen das Schicksal antreten. Dabei werden die Finanzen und Einsatzkräfte von allen gleichzeitig verwaltet, was ohne Absprachen schnell zu Chaos führen kann. Am sinnvollsten ist es, wenn jeder ein eigenes Ressort übernimmt. So kann nach einem Bombenanschlag auf die Frittenbude um die Ecke einer die Verfolgung des Attentäters leiten, während sich die anderen Spieler um das Bergen der Verletzten und die Löscharbeiten kümmern. So behält man auch bei unvorhersehbaren Wendungen einen kühlen Kopf. Zu gerne schlägt die dynamische Brandentwicklung uns nämlich ein Schnippchen. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Hand voll Feuerwehrleute an einer brennenden Parkbank ankommt und die Flammen inzwischen aufs benachbarte Kraftwerk übergesprungen sind. Die dreh-, kipp- und zoombare Kamera hilft euch, selbst in solch kritischen Situationen den Überblick zu behalten. Sollten trotzdem mal Einheiten verdeckt werden, leuchten sie grün durchs Hindernis hindurch. Leider sind Blickwinkel und Zoom unnötig eingeschränkt.
Schade, denn die aufgebohrte Grafik des Vorgängers kann immer noch durch ihren Modelleisenbahn-Charme überzeugen. Wechselnde Witterung und Tageszeiten sowie Hitzeflimmern über den Flammen und Reflektionen auf Wasserflächen lassen die nicht mehr ganz frische Engine ein wenig glänzen – auch wenn „Emergency 4“ sicherlich keinen Preis für brillante Optik gewinnen wird. Auch einen Grammy wird der Titel nicht ergattern können: Die Musik besteht nur aus wenigen, immer wiederkehrenden Samples, die selbst Hartgesottene nach wenigen Minuten resignieren lassen. Doch etwas Gutes hat die Untermalung: Sie lässt sich stumm schalten. Die Soundeffekte und Sprachfetzen klingen durchweg gut, auch wenn etwas mehr Abwechslung sicher nicht geschadet hätte.
Hauke Schweer




