EVE Online: The Second Genesis
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- Publisher: THQ
- Entwickler: Crowd Control Productions
- Genre: Massively-Multiplayer
- Release: 23.05.2003
Lichtjahre entfernt von Langeweile
11.07.2003 |
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Autor: Jan-Hendrik
Wir befinden uns in einer fernen Zukunft: Seit mehr als 4000 Jahren durchstreift die Menschheit den Weltraum. Kein Planet scheint nicht besiedelt, kein Stern unentdeckt – alles andere als rosige Zeiten für Pioniere und Entdecker. Jedenfalls bis zu dem Tag, an dem ein Wurmloch den Weg in noch unerforschte Gebiete des Universums freigibt. Viele Abenteurer und Unternehmer folgen dem Ruf von Ruhm und Reichtum in die neue Welt. Doch das Wurmloch schließt sich und auch die von Menschenhand erbauten Portale werden kurz darauf durch ein unerklärliches Phänomen zerstört. Siedler und Abenteurer müssen von nun an ohne die Unterstützung der alten Welt auskommen – nur die stärksten Kolonien überleben den Kampf um die knappen Ressourcen. Mitten in dieses spannende Szenario verfrachtet euch Entwickler CCP aus Island in seinem neuen Massively Multiplayer Online-Game. Wir unterzogen den Titel einem Langzeit-Testlauf.
Docking Station
Die riesigen Stationen gibt es in allen Formen und Farben. Die Vielfalt und rassentypischen Designs wissen zu beeindrucken.
All about EVE
Logbuch-Eintrag Nr.: 001 – Sternzeit: kurz nach Spielbeginn; Captain Krawall. Unser kleines Raumschiff rauscht mit Warp-Geschwindigkeit durch die schier unendlichen Weiten des EVE-Universums. Ziel: Das Hevrice-System. Noch nie zuvor hatten wir uns so weit von unserer Basis entfernt um Erze aus einem Asteroiden herauszulösen. Es ist still. Doch die Weltraumidylle findet ein abruptes Ende, kaum da die begehrten Metallklumpen in Sicht sind. Gleich vier Gegner nehmen uns ins Visier. Das Radar spielt verrückt, wir werden beschossen: Alarmstufe rot. Gegenwehr: Zwecklos. Gelingt es uns nicht umgehend zu fliehen, sind Schiff und Mannschaft verloren. In letzter Sekunde knallen wir den Warp-Drive rein und machen uns aus dem Staub. So oder ähnlich kann es euch zu Beginn eurer Abenteurer-Karriere in „EVE Online: The Second Genesis“ oft ergehen – jedenfalls wenn ihr euch zu weit von den gut gesicherten Gebieten entfernt. Doch fangen wir von vorne an: Genauer gesagt mit eurem Alter Ego. Denn bevor ihr euch auf erste Erkundungstouren begebt, dürft ihr nach Lust und Laune die Charaktereigenschaften eurer Spielfigur bestimmen. Dazu wählt ihr eine der vier Rassen, Charakterklasse, Geschlecht und sogar die Schulbildung eures späteren Charakters. Auch das Aussehen könnt ihr mittels der überaus gelungenen Morphing-Funktion individuell erstellen. In der Tat sieht kaum ein Charakter bei „EVE“ so aus, wie der Andere. Danach heißt es allerdings: Ab ins kalte Wasser. Oder besser gesagt: Ab ins scheinbar unendliche Universum. Denn nach einem kurzen Tutorial, in dem ihr die Grundfunktionen von „EVE Online“ vermittelt bekommt, findet ihr euch in eurer Heimatbasis wieder und könnt nun tun und lassen was ihr wollt. Mit dieser Freiheit ist es allerdings ziemlich schnell wieder vorbei, denn wie im richtigen Leben geht auch im virtuellen Universum nichts ohne das liebe Geld – Faulenzen im Weltall ist also vorerst ausgeschlossen. Geld verdient man sich, besonders zu Beginn, fast ausschließlich mit dem Abbau und Verkauf von Erzen und den daraus gewonnenen Mineralien. Zwar ist es auch möglich ab Start auf Piratenjagd zu gehen, das ist jedoch aufgrund der schwachen Anfangsausstattung noch mühsamer als die interstellare Bergbaukarriere. Also den Mining-Laser geschultert und auf ins Getümmel – und das nicht zu knapp, denn bis ihr einen adäquaten Betrag auf eurem Sparbuch verzeichnen könnt, müsst ihr schon eine ganze Weile den Bergarbeiter spielen. Das man sich umso mehr freut einen neuen Laser ins Schiff zu schrauben und es nun endlich etwas schneller geht, lässt sich schwerlich als positiv verbuchen. Hat man die zähe Anfangsphase jedoch erst überwunden, entfaltet das Spiel sehr schnell seine Stärken. Die Gefechte, die ihr später durchstehen müsst, werden von mal zu mal spektakulärer, besonders im Verband mit anderen Spielern. Da kann es durchaus sein, dass ihr in eine Schlacht mit rund 20 beteiligten Schiffen geratet, einige dicke Pötte inklusive und euch die Geschosse nur so um die Ohren pfeifen. Auch die Möglichkeiten Geld zu verdienen nehmen immer weiter zu. Ob ihr nun Aufträge für Computeragenten erledigt, als Kopfgeldjäger unterwegs seid oder den größtenteils durch Spielernachfragen bestimmten Markt bedient, alles ist möglich. Sogar die Produktion in einer eigenen Firma – falls ihr noch irgendwo einen freien Slot findet. Genug Geld könnt ihr gar nicht verdienen. Ein riesiges Arsenal verschiedener Items steht zum Kauf bereit und eine stattliche Flotte von Raumschiffen, eines dicker und teurer als das Andere. Wie in der realen Welt ist auch in „EVE Online“ euer Fortbewegungsmittel ein waschechtes Statussymbol.
Allein der Gedanke eines der riesigen Battleships zu fliegen wird euch umso härter schuften lassen. Euer Raumschiff steuert ihr indirekt. Ein Doppelklick oder der richtige Eintrag im Auswahlmenü lösen alle Aktionen von „Andocken“ bis „Zerstören“ aus. Das führt dazu, das ihr bei Kämpfen zu Beginn meist reiner Zuschauer seid. Das ändert sich jedoch später, wenn ihr Kanonen nachladet, elektronische Gegenmaßnahmen einleitet, eure angekratzte Hülle repariert und gleichzeitig euren Kollegen beisteht. Plant ihr eine interstellare Weltreise, oder habt euch einfach nur in den unendlichen Weiten des Alls verfranst, dann hilft euch die 3D-Karte mit zahlreichen Suchfunktionen sowie Autopilot weiter. Nach und nach werdet ihr immer tiefer in die komplexe Welt eintauchen, die unzähligen Möglichkeiten erkunden und damit euren Alter-Ego weiterentwickeln. Solltet ihr dabei irgendwann einmal nicht mehr weiterwissen, findet sich in einem der diversen Chats oder Online-Hilfen bestimmt jemand, der euch mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Community erwies während der Wochen unseres Tests als überaus freundlich auch gegenüber dummen Fragen. Wie sehr sich die Community um ihr Spiel bemüht, zeigen die zahlreichen extra für das Spiel, oder darin gegründete Corporations, generierten Webseiten. Diese lassen sich mit einem extra Browser im Spiel öffnen und enthalten sogar eine eigene Tauschbörse – ein kleines eBay für Raumschiffe und andere Güter: alles in der Spielinternen Währung versteht sich. Sehr hilfreich sind Ratschläge besonders im Bezug auf das komplexe Handels- und Charaktersystem – mehr als 100 verschiedene Skills könnt ihr auf den Marktplätzen der Raumstationen erwerben und verbessern. Das geschieht bei „EVE“ im Gegensatz zu anderen Spielen übrigens rein in Abhängigkeit von Zeit und Geld. Einen erworbenen Skill könnt ihr jederzeit auf die nächst höhere von 5 Stufen trainieren. Das Programm sagt euch dann, wie lange das dauern wird. Auf höhere Skillstufen wartet man schon mal eine Woche und länger – Zeit die auch dann weiter runtertickert, wenn ihr gar nicht spielt. Ist ein Skill ausgereizt, ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Nun ist es möglich eine erweiterte Version der gleichen Fertigkeit zu erlernen. Diese muss dann aber, wie alle Skills die eurem Charakter nicht in die Wiege gelegt wurden, bei einer der zahlreichen Schulen gekauft werden. Logisch, dass ihr für die interessanteren Skills ordentlich in die Tasche greifen dürft.
Prachtvolles Pixeluniversum
So gondelt ihr mit der Zeit mit immer dickeren Schiffen umher, kauft bessere Skills und trainiert sie um an noch dickere Schiffe heranzukommen. Die Spielmotivation von „EVE“ funktioniert für den Einzelspieler fast ausschließlich über die Möglichkeit neue Reichtümer zu scheffeln und Dinge zu kaufen. Wer also den Begriff „Multiplayer“ gerne nicht so ernst nimmt, nimmt besser ein wenig Abstand. Für die diejenigen, die gerne im Team agieren, hält das Spiel hingegen eine Fülle interessanter Optionen bereit. Die Möglichkeit eine eigene Corporation, das Äquivalent zu den Gilden anderer Spiele, zu gründen, wurde sehr interessant umgesetzt. So ist es möglich darin eigene Finanzstrukturen und Hierarchien zu entwickeln und anschließend wie eine echte Firma zu agieren. Auch gibt es zahlreiche Gegenstände im Spiel, die einzig darauf ausgelegt sind, das Agieren im Team abwechslungsreicher und interessanter zu machen. Da gibt es die Möglichkeit Energie von einem Schiff auf das Andere zu übertragen oder im Verband die Feuergenauigkeit zu erhöhen und vieles mehr. Doch „EVE Online“ bietet nicht nur ungeahnte Spieltiefe, auch für Augen und Ohren wird einiges geboten. Neben den futuristischen und äußerst ansehnlichen Raumschiffen und Stationen sowie den plastisch wirkenden Planeten und Asteroiden überzeugen besonders die Lichteffekte.
Statussymbol
Nicht nur bietet jedes Raumschiff andere Charakteristika, sondern auch Gelegenheit zum protzen.
So ist der Antriebsstrahl eures Gleiters aus nahezu jedem Blickwinkel ein echter Augenschmaus und auch die Explosionen lassen euer Raumschiff wackeln. Erzittern wird euer Fluggerät besonders zu Beginn auch in der Nähe größerer Schiffe, denn die Größenverhältnisse in „EVE Online“ machen Klassenunterschiede eindrucksvoll deutlich. Auf euren Reisen durch das virtuelle Universum werdet ihr stets von ruhigen Ambientklängen begleitet, was die meist entspannte Atmosphäre unterstreicht und auch bei längerer Spielzeit nicht die Nerven strapaziert. Selbst einige kleine Bugs können die Stimmung nicht zu sehr trüben. So scheinen zum Beispiel einige Stationen und Asteroiden nicht aus fester Materie zu bestehen: Sonnenstrahlen scheinen durch sie hindurch und auch mancher Andock-Versuch gelingt erst, nachdem ihr eigentlich schon an der Außenhülle der Station zerschellt sein müsstet. Doch um eben solche Fehler zu beheben hat CCP eine tägliche Downtime etabliert, in der ganz nebenbei immer wieder diverse Neuerungen eingebaut werden. Für deutsche Spieler liegt diese Spielpause leider recht ungünstig mitten am Tage.



