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Die Geschichte bist du!

04.06.2009 | PC | Autor: André

Ob ihr es wolltet oder nicht, ihr habt schon von „Die Sims“ gehört, dem laut EA meistverkauften PC-Spiel dieses Planeten. Unserer persönlichen Schätzung nach gibt es außerdem mehr Sims-Add-Ons als Käufer von „Mirror’s Edge“, was wiederum ein Skandal ist. Aber das ist ein anderes Thema! Wenn es ums Thema „Sims 3“ geht, gibt es hingegen viel Gutes zu berichten. EA hat an allen Ecken und Enden seiner Erfolgsserie geschraubt, das Spiel für „echte Zocker“ gehaltvoller gemacht und natürlich einen schicken Onlinestore eingebaut. Dort dürft ihr jetzt ganz bequem Zusatzmaterialien kaufen – ja, wir reden von echtem Geld –, was die Flut der Add-Ons vielleicht diesmal im Zaum hält. Vielleicht.

Woher kommen die kleinen Sims?
Los geht es natürlich wie immer im Editor. Denn wer stellt schon vorgefertigte Sims in sein Häuschen? Die Palette der möglichen Einstellungen wurde für „Sims 3“ noch mal ordentlich aufgebohrt. Jetzt lässt sich unser künstlicher Mensch tatsächlich bis zur Kinnspitze durchgestalten – man kennt das aus Rollenspielen wie „Oblivion“ & Co. Doch „Sims 3“ schlägt in seiner Detailtiefe fast alles, was es in diesem Bereich bislang zu bestaunen gab: Nasenform, Wangenknochen, Tränensäcke … nichts, was es nicht gibt. Noch dazu ist alles sehr schön aufgeräumt in der ohnehin vorbildlichen Menüstruktur untergebracht. Dort muss man zwar als erfahrener Sims-Gestalter vielleicht ein bisschen viele Untermenüs öffnen, aber die Klarheit und Logik des Aufbaus ist in Anbetracht der umfassenden Möglichkeiten sehr, sehr gut gelungen. Neben körperlichen Merkmalen gibt es natürlich auch einiges an Klamotten auszuwählen, und das sogar in verschiedenen Kategorien, so dass unser Sim immer weiß, welchen Dress er zum Schlafen, Schwimmen und Ausgehen anzuziehen hat. Hier ist die mitgelieferte Auswahl jedoch vergleichsweise übersichtlich. Der „Sims“-Kunde soll ja auch noch Geld im Online-Shop lassen, gell?

Sunset Valley ist die vorinstallierte Stadt von Sims 3 und überzeugt nicht nur Grundstücksmakler mit ihren grünen Hügeln am Meer.

Lebe deinen Traum
Kaum sind alle Sims erstellt, dürfen sie auch schon in eine schicke Wohnung im Sunset Valley einziehen. Klingt ein bisschen nach „Buffy“, ist aber in Wahrheit nur eine grüne Idylle direkt am Ozean. Am Anfang reicht unser Budget nur für ein nettes Appartement im Ort. Doch wer seine Sims ordentlich für sich schuften lässt, hat die Aussicht, sich irgendwann eine schicke Strandvilla leisten zu können. Allzu flott geht das aber selbst für erfahrene Spieler nicht. Denn unsere Jungs und Mädels stehen ganz am Anfang ihrer Karrieren und wollen durch uns quasi von Hartz IV bis zu ihrem Lebenstraum geführt werden. Den wiederum haben wir zuvor anhand der Charaktermerkmale unserer Sims ausgewählt. Ein logisch begabter Sim will dann zum Beispiel Kriminalermittler wie bei „CSI“ werden, ein chaotischer, aber musikalischer Sim hingegen wünscht sich eine Karriere als Rockstar.

Diese Langzeit-Ziele im Stile der Berufseinstufungen beim altehrwürdigen „Railroad Tycoon“ sind sowohl Messlatte eures Erfolges als auch eine Art Hauptquest, die sich quer durch das Spiel zieht. Mit kleineren Quests, „Wünsche“ genannt, arbeitet ihr euch konsequent auf diesen Lebenshöhepunkt zu. Dabei ist es jedoch von eurem Geschick abhängig, ob eure Sims jemals in ihrem Leben diesen Wunschtraum erfüllt bekommen. Damit bewegt sich „Sims 3“ mehr denn je in Richtung Rollenspiel. Nur eine erzählte Geschichte gibt es nach wie vor nicht.

Im Online-Shop könnt ihr gegen Echtgeld neue Möbel und Klamotten kaufen. 12€ gibts 'geschenkt' zum Spiel.

Die Geschichte bist du
Denn die ergibt sich nach wie vor aus dem Spielverlauf. Die Interaktion zwischen den halb eigenständigen Sims wurde hierfür insbesondere durch eine enorme Menge unterschiedlicher Animationen erneut aufgestockt. Eure Sims joggen in der Muckibude, sie tanzen, sie quatschen, sie kochen und ärgern sich und jammern und sitzen wie Trauerklöße in der Ecke und, und, und. Dadurch wirken sie lebendiger denn je, auch wenn ihre beknackte Sims-Sprache immer noch klingt wie das Gebrabbel von religiösen Irren in Trance. Der Trick an „Sims“ ist nun, sich auf diese kleine Seifenoper einzulassen. Hiervon hängt zu einem guten Teil ab, wie sehr euch das Hauptspiel von „Sims 3“ gefällt. Denn bevor wir all unsere Sims in das kleine Häuschen gesteckt haben, waren wir es ja, die sie erschaffen haben. Wir wissen also, „wer sie sind“. Nicht nur, weil wir sie geformt und angezogen haben. Sondern auch, weil wir ihnen neuerdings soziale Attribute zuweisen können. So bestimmt ihr den Charakter der Figur, die sich in entsprechenden Situationen dann dementsprechend verhält. Ein Charakter, der die Eigenschaft „lichtscheu“ erhält, fühlt sich im hellen Tageslicht beispielsweise unwohl, wird mürrisch und versucht diese Situation zu vermeiden. Andere Charaktereigenschaften machen eure Sims zu Einzelkämpfern und Partyhengsten, guten Küssern oder Bücherwürmern. Anhand dieser Eigenschaften könnt ihr ihnen schließlich auch ihren Lebenstraum vorgeben. Idealerweise habt ihr euch bei all dem auch noch eine kleine Biographie für sie ausgedacht, die man natürlich auch noch zu jedem Sim niederschreiben und mit ihm abspeichern kann.

Wer sich auf dieses Rollenspiel – im fast klassischeren Sinne als bei den herkömmlichen Rollenspielen – einlässt, gewinnt enorm viel Spielspaß. Wo vorher nur irgendwelche Figuren in der Küche rumstanden, lästert auf einmal das zickige, verwöhne Yuppie-Girl „Paris“ (wie sind wir nur auf den Namen gekommen?!) über Sophie, das schüchterne Mauerblümchen vom Lande. Natürlich ist Sophie derweil hart am Studieren, denn sie will Karriere als Musikerin machen. Paris hingegen hängt die ganze Zeit zuhause rum und legt die Füße hoch. Eigentlich will sie ja auch in der Musikszene vorwärts kommen, aber Arbeiten liegt ihr nicht. Lieber schaut sie Fernsehen und schmeißt sich an Ben ran. Der Athlet unserer WG ist diszipliniert, gut aussehend und scheinbar auf dem Weg zum Sportstar. Was keines der Mädels weiß: Ben ist in Wirklichkeit ein Gigolo, der reich werden will, indem er die reiche Paris heiratet und sich ihre Kohle unter den Nagel reißt. Aber vielleicht verliebt er sich ja in Sophie, lässt von seinem üblen Tun ab, wendet sich einer Sportkarriere zu und lebt mit seiner Traumfrau in dem Häuschen am Strand?

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