- Die Kunst des Mordens: Karten des Sch..
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- Publisher: City Interactive
- Entwickler: City Interactive
- Genre: Adventure
- Release: 28.01.2010
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Fadenscheinige Krimiware
25.01.2010 |
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Autor: Nils Ehring
Manchmal sollten unwürdige Redakteure wie wir auf den Chef hören. Zum Beispiel wenn er uns auf einer Branchenparty vor einem One-Night-Stand mit Olga, der drei Zentner schweren PR-Tussi aus der Ukraine, warnt. Oder wenn er rät, die Finger von einem „Kunst des Mordens“-Titels zu lassen. Der naive Krawall-Redakteur überhört solche Hinweise in der Regel und muss die Konsequenzen tragen. Entweder wacht er also verkatert neben einem schnarchenden Buckelwal auf, oder er muss durch ein lahmes Point-and-Click-Adventure streunern. Beides ist ungefähr gleich schlimm. Dabei macht das neueste Abenteuer der FBI-Agentin Nicole Bonnet sogar eine Sache etwas besser als der Vorgänger.
Die Rede ist von dem nicht gerade innovativen, aber dennoch interessanten Psychothriller-Sujet. Die Handlung von „Karten des Schicksals“ präsentiert sich als eine Art umgedrehtes Katz-und-Maus-Spiel. Der Killer selbst stupst die Agentin auf seine Fährte, indem er ihr ein Paket mit Hinweisen schickt. Fortan verfolgt die Heldin den Mörder durch halb New York. Der Schwerverbrecher ist ihr stets einen Schritt voraus und hinterlässt an jedem Tatort sonderbare Spielkarten als Beweisstücke. Die Indizienjagd führt Nicole an verlassene Orte, wie düstere Hinterhöfe, ein stillgelegtes Kino oder einen geschlossenen Vergnügungspark. Und auch wenn diese Schauplätze durchaus gut in die Geschichte passen und passabel gerendert sind, so wirken sie doch extrem statisch und leblos. Wie beim Vorgänger gibt es in „Karten des Schicksals“ nur wenige Elemente, die die Szenerien beleben. Hier und da flackert vielleicht mal eine Lichtquelle oder fliegt ein Vogel durchs Bild, das war es schon. Aber das reicht beileibe nicht aus, um eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen.
„Karten des Schicksals“ mangelt es an interessanten Dialogen. Die Gespräche sind oftmals recht belanglos und zäh.
City Interactive vertut also mal wieder die Chance, mit kleinen Details Leben in die sterile Krimi-Bude zu bringen. Die Tatsache, dass die Figuren sich stocksteif wie in „The Lost Crown“ durchs leblose Bild bewegen, macht das Ganze natürlich auch nicht gerade besser.
Humor, der keiner ist
Genauso wenig Esprit versprühen die emotionslosen Synchronsprecher, die sich hauptsächlich sinnfreie Worthülsen an die Köpfe schmeißen. Als ein Beispiel unter vielen ziehen wir doch einfach mal ein Gespräch zwischen einem Herren und der von ihm angebaggerten Dame heran.
Er: „Was machen sie denn so?“ – Sie: „Ich studiere Medizin.“ – Er: „Daher diese schneidenden Bemerkungen.“ – Ha, ha … ha. Das ist Wortwitz auf dem sprachlichen Niveau von Mario Barth, nur eben ohne das berlinerische „Hömma!“ zwischendurch. Sogar Nicole Bennet bekommt es bei einigen Selbstgesprächen hin, belangloses Zeug vor sich hinzuplappern. Kommentare wie „Ich mag die Dekoration meines Flurs“ mögen zwar ins „Schöner Wohnen“-Forum passen, aber nicht in einen Point-and-Click-Krimi.
Immerhin entspricht das Gameplay größtenteils den Genre-Standards. Per linkem Mausklick dirigiert ihr die FBI-Agentin von einem Indiz zum anderen und interagiert mit Gegenständen. Mit der rechten Maustaste untersucht ihr die Objekte. Wenn nebenher noch die Hotspot-Anzeige einwandfrei funktionieren würde, wäre so weit alles geritzt. Doch leider haben sich die Entwickler diesbezüglich für eine extrem umständliche Variante entschieden. So könnt ihr euch Hotspots nur per Klick auf das Fragezeichen-Symbol im Inventarmenü zeigen lassen. Über eine Taste auf dem Keyboard ist dies nicht möglich.
Die einzelnen Schauplätze passen zwar zur düsteren Geschichte, wirken allerdings auch ziemlich trist und leblos.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass die hervorgehobenen Hotspots bereits nach wenigen Sekunden wieder verschwinden. Und da das in der Regel nicht reicht, um alle Objekte in den düsteren Schauplätzen ausfindig zu machen, dürft ihr den Mauszeiger immer wieder zu besagtem Symbol ziehen. Habt ihr nach diesem nervigen Getue kombinierbare Objekte gefunden, stellt euch „Karten des Schicksals“ vor logisch lösbare und nicht allzu schwierige Probleme. Mal müsst ihr Schraubenzieher und Eisenstange als Einbruchswerkzeuge missbrauchen, ein anderes Mal dürft ihr gierige Alligatoren mit Hähnchen aus dem Weg räumen. Zuweilen sind diese Problemlösungen mit langen Wanderungen verbunden, die die Spielzeit künstlich in die Länge ziehen. Gleiches gilt für die diktatorische Linearität des Titels. Es ist nicht möglich, Aufgaben nach eigenem Gutdünken zu meistern oder Abkürzungen zu nehmen. Das Spiel gibt vor, welche Rätsel wann gelöst werden und wann man den nächsten Schauplatz besuchen darf. Ein Paradebeispiel dafür findet sich bereits in der ersten halben Stunde von „Karten des Schicksals“: Als wir das erste Mal versuchen, eine Schatulle mit einer Nagelpfeile zu öffnen, teilt uns die monotone Stimme der Heldin mit, dass das nicht geht. Erst nachdem wir einige andere Rätsel gelöst haben, funktioniert dieser Vorgang plötzlich.
„Karten des Schicksals“ wirft einem immer wieder derartige Steine in den Weg und zwingt einen so, Dinge mehrfach auszuprobieren. Daran sind auch Nicoles eintönige Statements Schuld, die keine Informationen darüber liefern, was man eigentlich falsch macht. Mehr als ein „Das geht nicht“ oder ein schnippisches „Ja, klar“ hat sie zu diesen frustrierenden Spielmomenten nicht zu sagen.



