Dead Space 2
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Visceral Games
- Genre: Actionspiel
- Release: 24.02.2011
Unerwarteter Retter
25.01.2011 |
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Autor: André
Wenn es los geht mit „Dead Space 2“, dann geht es los. Nur ein paar kurze Minuten hält sich der Third-Person-Shooter mit einer Spieleinführung auf. Dann bricht ein blutiges, durchinszeniertes Chaos über den Spieler herein, als hätte man eine mit Hornissen gefüllte Pinata zerschlagen. Dinge wie „gemächlicher Spannungsaufbau“ sind was für deine Oma und deine Mutter, findet „Dead Space 2“ – und die mögen das Spiel bekanntlich sowieso nicht. Also wird so subtil beschleunigt wie bei einem Raketenstart. Um das hinzukriegen, setzt das Spiel ein gewisses Grundwissen voraus, welches sich Neueinsteiger durch ein mitgeliefertes „Was vorher geschah“-Video im Schnelldurchlauf vermitteln lassen können. Danach erwarten euch um die zehn bis zwölf Stunden brutales Geschlachte, wie man es seit dem ersten Teil nicht gesehen hat. Düstere Gänge, groteske Monstrositäten und ständige Nervenbelastung zeichnen den Titel aus. Allerdings setzt „Dead Space 2“ zu wenig neue Impulse und verliert daher ein wenig von dem Schrecken, der den ersten Teil zu einem der intensivsten Spiele 2009 werden ließen. Auch die Handlung ist diesmal weniger aufregend und bringt die Mythologie um die widerlichen Nekromorphe nicht viel weiter. All das kompensiert aber der überraschend gut gelungene Multiplayer.
Ach, Story. Pfff!
Die Handlung setzt nur kurze Zeit nach den Ereignissen von „Dead Space“ wieder ein. Isaac Clarke, Held des Vorgängers, wurde bewusstlos in seinem führerlos durchs All treibenden Schiff aufgesammelt. Auf der gigantischen Raumstation „The Sprawl“ scheint der Ingenieur endlich in Sicherheit zu sein, nachdem er fast im Alleingang ganze Horden eines besonders widerlichen, außerirdischen Organismus vernichtet hat. Die sich seuchenartig verbreitenden Nekromorphe bemächtigen sich toter Körper und schaffen aus ihnen grotesk verunstaltete, blutrünstige Mutationen. Ihr Ursprung scheint ein merkwürdiges Artefakt, der so genannte „Marker“, zu sein. In seine steinerne Oberfläche ist der genetische Code der Nekromorph-Plage eingeritzt, und ein eigenartiges Energiefeld rund um das Artefakt treibt die Menschen in der Umgebung in den Wahnsinn. Und ratet mal, was sich die übereifrigen Wissenschaftler auf „The Sprawl“ kurz vor unserer Ankunft zugelegt haben? Genau, ihren eigenen Marker! Weil Isaac die Zeit vor dem Spieleinstieg offenbar bewusstlos zugebracht hat, werden wir erneut in ein vergleichbares Szenario wie im ersten Teil geworfen.
Hinsichtlich der Atmosphäre ist „Dead Space 2“ wie schon sein Vorgänger absolut top. Von der Story sind wir hingegen etwas enttäuscht.
Die Raumstation ist bereits von den grauenvollen Aliens überlaufen, und von wenigen Überlebenden abgesehen zeugen nur noch Sprachaufzeichnungen und furchtbar verstümmelte Leichen vom Schicksal der übrigen Bewohner. Schnell wird deutlich, dass die Entwickler von Visceral Games den Spieler diesmal entgegen früherer Ankündigungen kein Stück entlasten wollen.
Stattdessen versucht euch das Spiel genau wie sein Vorgänger unter Dauerstress zu setzen, wie Rockstar-Mitarbeiter kurz vor Projektende. Genau wie der erste Teil setzt euch „Dead Space“ von der ersten Spielminute an unter Überlebensdruck und nimmt danach nur sehr ungern kurzzeitig den Fuß vom Gas. Hinter jeder Ecke muss Isaac damit rechnen, von irgendeiner Horrorvision zerfleischt zu werden. Jede Leiche auf dem Boden ist verdächtig, im nächsten Moment schreiend und kreischend aufzuspringen und als schiere Karikatur des menschlichen Körpers unserem Helden an die Kehle zu gehen. Ja, sogar der Geisteszustand unseres Helden ist mittlerweile besorgniserregend. Visionen seiner verstorbenen Frau terrorisieren den Ingenieur mindestens so sehr wie die Monster um ihn herum.
Die Inszenierung der Kämpfe stimmt. Aber Vorsicht: „Dead Space 2“ ist alles andere als einfach!
Flüchtet sich Isaacs überlastetes Gehirn in den Wahnsinn? Oder ist es der neue Marker, dessen Einfluss ihn an den Rand des geistigen Kollapses befördert? Dieser zentralen Frage geht die Story eine Weile lang geschickt auf den Grund, kann sie dann aber leider nur recht klischeehaft auflösen. Auch wenn Isaac Clarke in diesem Teil eine Stimme hat und bedeutend mehr im Zentrum der Handlung steht, wirkt er als Charakter noch zu leer. Für den Spieler bleibt er der coole Niemand in der Rüstung, der Mutanten den Kopf zerstampft.
Das jedoch tut er nach wie vor sehr gut. Die einzige Methode, der Flut an Schauergestalten Herr zu werden, ist geschickter und gnadenloser Einsatz des bekannten Waffenarsenals. Mit Plasma-Cutter, Line-Gun und Co. trennt ihr den vorwärts preschenden Monstrositäten die Gliedmaßen ab, und wenn sie anschließend trotz amputierter Beine auf euch zu kriechen, tretet ihr ihre Köpfe mit euren Magnetstiefeln quer durch die Bodengitter. Neue Waffen gibt es derweil nur wenige. Die eindrucksvollste ist eine futuristische Harpune, die es euch erlaubt, eure Gegner mit armlangen Metallstangen an die Wände und Decken zu nageln. Wie zuvor lassen sich alle Waffen und auch euer Schutzanzug in verschiedenen Bereichen aufrüsten. Doch knappe Munition und die unaufhaltsamen Nekromorphe, die selbst dann noch unerbittlich auf euch zu kriechen, wenn ihr sie schon in Stücke geschossen habt, lassen dennoch Panik aufkommen.
Im Vergleich zum ersten Teil jedoch ist dieser Terror lange nicht mehr so stark ausgeprägt. Zumindest, wenn man den Erstling gespielt hat. Denn „Dead Space 2“ bringt zu viel Vertrautes mit sich. Die Monster, so widerlich sie auch sein mögen, hat man zu zwei Dritteln alle schon zur Genüge gesehen. Deswegen würde man so ein Ding nicht bitten, ob es einem die Sonnencreme auftragen kann. Aber Gewöhnung ist der Feind des Schreckens. Zum Zweiten ist die Platzierung der Gegner in ihrem Versuch zu erschrecken berechenbar geworden. Noch während man den angreifenden Albtraum vor sich zerschießt, denkt man: „Und sobald die Sau am Boden ist, dreh ich mich um und baller auf den, der sich gerade hinter mir anschleicht.“ Diese Voraussicht würden wir normalerweise unserer Ninja-Sinneswahrnehmung zuschreiben. Doch hier ist es doch eher ein gar zu durchschaubares Spiel, das die Entwickler da treiben. Ähnlich verhält es sich mit der Handlung.



