Dawn of War: Soulstorm
-
- Publisher: THQ
- Entwickler: Relic Entertainment
- Genre: Echtzeitstrategie
- Release: 07.03.2008
Da hängt der Hammer!
11.03.2008 |
|
Autor: Sebastian
Ein Bild des Grauens: Kampfwütige Orks stapfen hasserfüllt durch zerklüftete Straßenschluchten, um die letzten verbliebenen Space Marines zu jagen und zu töten. Bitte? Orks und Space Marines in einem Spiel? Und dann auch noch so brutal? Haben wir etwa die finstere Symbiose aus „WarCraft“ und „StarCraft“ verschlafen? Keineswegs! Wir reden hier von „Warhammer 40.000“, der Tabletop-Inspirationsquelle der erfolgreichen Blizzard-Titel. Mit „Dawn of War: Soulstorm“ wagt sich Publisher THQ zum nunmehr vierten Mal in die Gefilde der Echtzeitstrategie auf Basis der zugkräftigen „Warhammer 40K“-Lizenz. Nach „Dawn of War“ und den Addons „Winter Assault“ und „Dark Crusade“ steht mit „Soulstorm“ der nächste ohne Hauptprogramm lauffähige Vertreter der Reihe bereit. Das technische Grundgerüst ist das gleiche wie bei den vorherigen Titeln der Reihe. Und auch die Spielmechanik versucht erst gar nicht, allzu innovativ zu sein.
Das Spielprinzip orientiert sich stark am letzten Expansion Pack, „Dark Crusade“. Statt zusammenhängender Kampagne und komplexer Story setzt euch der Titel eine vier Planeten und Monde umfassende Galaxiekarte vor. Auf dieser gilt es, in bester „Total War“-Manier rundenweise Provinzen zu erobern, bis ihr der alleinige Herrscher über alle Welten seid. Die Schlachten selbst werden in Echtzeit ausgefochten. Anzumerken ist, dass „Soulstorm“ die Gebiete-Hatz deutlich einsteigerfreundlicher als die historisch verbriefte „Total War“-Konkurrenz inszeniert. Mit Diplomatie und Spionage müsst bzw. dürft ihr euch gar nicht erst beschäftigen. Was wir sonst bemängeln würden, passt in diesem Fall wie die Faust aufs Auge zum ultrabrutalen „Warhammer“-Universum. Hier herrscht nun mal permanent Krieg. Aus diesem Szenario heraus generiert die Welt erst ihre gnadenlose, überspitzt dargestellte Atmosphäre der Gewalt und Erbarmungslosigkeit.
Weibliche Emanzipation und Sadismus
Mit „Soulstorm“ kommen zu den bekannten sieben Fraktionen (Marines, Orks, Imperiale Garde, Eldar, Chaos Marines und Necron) zwei neue hinzu: die Dark Eldar und die Adepta Sororitas. Letztere sind nicht nur ein Zungenbrecher, sondern auch eine kleine Innovation für die bisher von männlichen Wesen beherrschte Kriegsspielwiese. Der militant-religiöse Orden besteht nämlich nur aus Frauen. Quasi echte „Mannsweiber“! Die holde Weiblichkeit tritt immer dann in Erscheinung, wenn Welten korrumpiert werden. Im Namen der Scheinheiligkeit haben sie der Ketzerei den Kampf angesagt.
Frischer Wind
„Soulstorm“ führt zwei neue Fraktionen ein. Erfahrene Spieler erfreuen sich wieder am taktischen Tiefgang.
Dazu greifen sie neben den aus dem Hauptspiel bekannten Ressourcen Ruf und Energie auf eine dritte zurück: den Glauben. Der immaterielle Rohstoff wird gewonnen, indem ihr eine Missionarin anweist, an einem Horchposten zu beten. Habt ihr ausreichend Glauben angesammelt, dürft ihr Flächenzauber auf das Schlachtfeld regnen lassen, die beispielsweise die Rüstung eurer Einheiten stärken oder die Moral eurer Feinde schwächen. Die Krux an der Sache: Die Gewinnung von Glauben geht einher mit dem Verlust der klassischen Ressourcen, die für Forschung und Einheitenproduktion wichtig sind. Die Herausforderung ist, ein Gleichgewicht aus dem Rohstoff-Triumvirat herzustellen, um sowohl globale Zaubersprüche abfeuern als auch ausreichend Truppen rekrutieren zu können.
Die Dark Eldar machen sich rein gar nichts aus religiösem Fanatismus. Sie handeln auch nicht aus blinder Demut zur Inquisition. Dennoch heimsen sie auf einer Skala von eins (himmlisch gut) bis zehn (teuflisch Böse) respektable neun Punkte ein, mindestens! Warum? Die niederträchtigen Gesellen reisen quer durch die Galaxis mit nur einem Ziel: Elend und Schmerz über die Welten zu bringen. Als sadistische Begleiterscheinung verspeisen sie die Seelen ihrer Feinde.
Entsprechend handelt es sich bei der völkerspezifischen Ressource der Dark Eldar um Seelen. Diese sphärischen Energien sammeln die Teufelsgeschöpfe von getöteten Widersachern auf oder produzieren sie in der Sklavenkammer, einem speziell dafür vorgesehenen Gebäude. Der Einsatzzweck ist ähnlich dem Glauben der Ordensschwestern. Genug Seelen vorausgesetzt, lasst ihr Spezialfähigkeiten wie mächtige Stürme vom Stapel, die für ordentlich Verwüstung sorgen. Die Truppen der Dark Eldar sind gemeinhin äußerst schnell und schlagkräftig, im Gegenzug aber oft zahlenmäßig unterlegen und teilweise schwach gepanzert.
Story, wo hast du dich versteckt?
Die freie Vorgehensweise im Zuge der Eroberung aller vier Welten mit knapp 40 Territorien hat einen entscheidenden Nachteil: Storyelemente fehlen fast völlig, ebenso überraschende Wendungen und charakterstarke Protagonisten mit nachvollziehbaren Motiven.
Eintönig
Die Missionen spielen sich fast alle gleich und sind nicht wirklich kreativ gestaltet. Eine richtige Story fehlt.
Auch die Missionen selbst spielen sich nahezu identisch. Stets müsst ihr eine Basis aus den Angeln heben, forschen, Einheiten rekrutieren und dem Gegner die Mehrzahl der Kommandopunkte wegschnappen bzw. diese gleich komplett vernichten. Spannende Scriptereignisse? In-game-Zwischensequenzen? Fehlanzeige! Einzig die jeweilige Eroberung der Heimatprovinz von einem der neun Völker weicht ein wenig von der Standardprozedur ab. Dazu müsst ihr nämlich eine heftig bewachte Kommando-Festung in Schutt und Asche legen. Erschwert wird die Prozedur durch kontinuierliche Nachschublieferungen des Feindes. Überhaupt ist „Soulstorm“ alles andere als ein strategisches Fliegengewicht. Genre-Einsteiger dürften ob der Aggressivität der Gegner-KI überrascht sein. Clever nutzt diese Schwachpunkte in der Verteidigung aus und erobert in Windeseile wertvolle Kommandopunkte. Defensive Taktiker haben mit dem Titel deshalb eher wenig Freude. Wer keine Lust hat, zugleich an mehreren Fronten kleinere und größere Scharmützel auszutragen, gerät schneller in Bredouille als stachelige Igel auf Hauptverkehrsstraßen.
Um den strategischen Anspruch und den Wiederspielwert zu erhöhen, haben die Entwickler dem Titel ferner volksspezifische Besonderheiten spendiert. So dürfen die Ordensschwestern bereits vor Beginn einer Schlacht Gebäude errichten. Das beschleunigt die Einheitenproduktion. Wer besonders schnell agiert, kann dem Gegner so zügig einige Kommandopunkte abnehmen. Über ähnliche Fähigkeiten verfügen alle Rassen. Die Dark Eldar beispielsweise teleportieren sich per Schnellreisefunktion von einem Planeten auf den nächsten, um unvorbereitete Feinde so zu überraschen. Überrascht zeigten auch wir uns. Und zwar von der mittlerweile merklich angegrauten Grafik, die im Vergleich mit den Vorgängern keine nennenswerten Verbesserungen aufzeigt. Die Effekte knallen zwar nach wie vor ordentlich rein, doch die Detailarmut und viele schwammige Texturen zeugen dafür umso mehr von veralteter Technologie. Keine Frage: Es wird Zeit für „Dawn of War 2“.



