Das Schwarze Auge: Drakensang
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- Publisher: dtp
- Entwickler: Radon Labs
- Genre: Rollenspiel
- Release: 01.08.2008
Innovation oder Klassik?
08.08.2008 |
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Autor: Hauke
Es ist ein schöner Tag in Avestreu. Die Sonne scheint, und eine Gauklertruppe hat es sich auf dem Marktplatz gemütlich gemacht. Doch die hübsche Königin des fahrenden Volkes und ihr bärbeißiger Bruder mit der Narrenkappe sind nicht zu Scherzen aufgelegt. Genau wie wir wollen die beiden in die Stadt Ferdok. Für einen strahlenden Helden wie uns sollte das doch kein Problem sein, oder? Leider liegen wir mit dieser Einschätzung daneben, denn die Stadttore sind verriegelt, und wer nicht mindestens zwei Leumundszeugen findet, wird zum Landleben verdonnert. Ein perfekter Anlass, unsere Heldenkarriere in „Drakensang“ in diesem anscheinend so beschaulichen Örtchen zu beginnen.
Selbstfindung für Helden
Bevor wir uns jedoch in das malerische Szenario stürzen, schicken die Entwickler von Radon Labs uns erst einmal auf den Rollenspiel-typischen Selbstfindungstrip. In einem überschaubaren Menü blättert man durch vorgefertigte Charaktere. Insgesamt können abenteuerlustige Spieler aus fünf Rassen vom Mittelländer bis zum Zwerg, 20 Klassen vom Soldaten bis zum Scharlatan und zahlreichen Kulturkreisen von der Amazone bis zum Zauberweber wählen. Die Entscheidung, ob man die Welt Dere als Abenteurer oder als Heldin bereisen möchte, hat im Gegensatz zu den vorhergegangenen Entscheidungen lediglich optische Auswirkungen. Andere Möglichkeiten, den Charakter dem eigenen Geschmack anzupassen, gibt es allerdings nicht. Frisur, Haarfarbe und Schulterbreite sind wie in „Gothic 3“ und „The Witcher“ im Voraus festgelegt. DSA-Veteranen können vor dem Start des Abenteuers im Expertenmodus noch den letzten Feinschliff im Charakterbogen vornehmen und zahlreiche Werte wie die Kampffertigkeiten oder die Lebensenergie verändern.
Wo bitte geht's zur Stadt?
Kaum steht die frisch gebackene Spielfigur dann in Avestreu, erscheinen die ersten Tutorial-Textboxen, um unerfahrene Spieler an die Hand zu nehmen. Auch DSA-Veteranen bekommen hier direkt zu spüren, wie das Regelwerk in die virtuelle Umsetzung der Welt Dere eingeflochten wurde.
Eine der ersten Lektionen beinhaltet nämlich die Pflanzenernte, deren Erfolg maßgeblich vom Charakterwert in Pflanzenkunde abhängig ist. Die Erfolgsproben im Hintergrund würfelt „Drakensang“ gemäß seinem 4.0-Regelwerk. Wer der Engine nicht über den Weg traut, kann sämtliche Proben in einer Konsole nachvollziehen – vor gezinkten Karten braucht man als Spieler also keine Angst zu haben. Die gesammelten Beeren brauchen wir später noch, um eine Aufgabe zu erfüllen.
Willkommen in Aventurien
Der Einstieg ins Spiel ist etwas schleppend. Nach einiger Zeit fesseln aber insbesondere Story und Atmosphäre an den Bildschirm.
Alternativ können wir die Früchte unserer Arbeit aber auch selbst weiterverarbeiten. Auf dem Dorfplatz hat eine Alchemistin ihr Zelt aufgeschlagen und verkauft nicht nur Tränke und Rezepte, sondern gibt bereitwillig ihr Fachwissen an uns weiter.
Erfahrung ist alles, was zählt
Natürlich geben wir uns als gelehrige Schüler, denn auf Dauer spart es Unmengen an Dukaten, sich seine eigenen Aufputschmittel brauen zu können.
Erwartungsgemäß benötigt man aber erst einmal Erfahrungspunkte, bevor man die Schulbank drücken darf. Im Gegensatz zu den typischen Vertretern der Hack'n'Slay-Spiele kommt man bei „Drakensang“ durch simple Monsterjagden nicht an die wichtigen Punkte. Selbst wirklich starke Endgegner steuern lediglich einen Tropfen im Pool der Erfahrungen bei. Stattdessen gilt es, Aufträge zu lösen, wobei jeder erfolgreiche Schritt von der Entdeckung eines Geheimnisses bis zur Rückkehr zum Auftraggeber das Lernpotential erhöht. Fähigkeiten, über die unser Charakter bereits verfügt, lassen sich jederzeit steigern. Will man sich jedoch neues Wissen aneignen, muss man einen Lehrmeister finden und gegebenenfalls auch bezahlen.
Eine erste Abreibung
Kaum haben wir der Alchemistin den Rücken gekehrt, treffen wir an der nächsten Wegbiegung auf ein kleines Söldnercamp. Die beiden zeltenden Recken hängen ebenfalls in Avestreu fest, und wir bekommen das Angebot, gegen sie zum Kampf anzutreten.
Kraft oder Magie?
Bis zu drei Belgeiter können sich eurer Party anschließen. Die Auswahl der Gefährten sollte je nach Auftrag sorgsam überlegt sein.
Neben Ruhm und Ehre können wir so an ein ordentliches Breitschwert kommen, das als Siegesprämie ausgelobt wird. Unbedarft stellen wir uns den Kämpfern entgegen und bekommen fachgerecht den Hintern versohlt. Die Gegner in „Drakensang“ sind teilweise recht schwer zu besiegen, und manchmal empfiehlt es sich, erst einmal abzuwarten und Werte zu verbessern oder Verstärkung zu holen, bevor man sich der Gefahr stellt. Sämtliche Kämpfe laufen in Kampfrunden ab, die zwar in Echtzeit dargestellt werden, sich aber jederzeit unterbrechen lassen, um seiner Abenteurergruppe Befehle zu erteilen. Gruppe? Richtig gehört! Im Laufe der Zeit schließen sich uns immer mehr Gefährten an, von denen uns bis zu drei auf unseren Reisen begleiten können.
Unsere eigene Party
Als erstes schließt sich uns die Amazone Rhulana an, die uns bei Aufgaben wie der Ausweisung eines Problembären behilflich ist. Zusammen mit einem Schurken brechen wir nach einigen weiteren Botengängen und gewaltsamen Auseinandersetzungen auf in Richtung Ferdok, den ersehnten Passierschein im Gepäck. Die große Stadt glänzt mit zierlicher deutscher Fachwerkoptik, man merkt dem Rollenspielsystem seine heimischen Wurzeln an vielen Stellen an. Eines der hübschen Gebäude nennen wir schon nach wenigen Stunden unser eigen. Auch wenn die Umstände des Einzuges weniger schön sind, können wir das Anwesen gut gebrauchen. Hierhin können wir Gefährten schicken, die wir gerade nicht in unserer Abenteurergruppe haben wollen. Die Wartenden erhalten während ihres Aufenthalts in unseren vier Wänden ebenfalls Erfahrungspunkte und können bei Bedarf abgeholt werden.
Je nach Auftrag sollte man sich also überlegen, ob man Kampfkraft, magische Fähigkeiten, geschickte Diebesfinger oder eine ausgewogene Mischung aus alledem benötigen wird. Die Steuerung und das Steigern der Kameraden obliegt komplett dem Spieler, wobei ein paar zusätzliche Möglichkeiten zur Automatisierung wünschenswert gewesen wären. So folgen die Mitstreiter dem gerade aktivierten Charakter immer in einem gewissen Höchstabstand und lassen sich nicht vollständig abstellen – in Schleichsequenzen kann das den schnellen Tod bedeuten!



