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Ein infernalisches Vergnügen

04.02.2010 | Xbox 360 Playstation 3 | Autor: Nils Ehring

Für die Chinesen ist 2010 das Jahr des Tigers. Für die Spielergemeinde ist 2010 das Jahr der Action-Adventures. Im Januar kehrte der apokalyptische Reiter War in „Darksiders“ zurück auf die Erde und bescherte Genrefans ein extrem unterhaltsames „Zelda“ für Erwachsene. Drei Tage später erblickte die langhaarige Hexe „Bayonetta“ das Licht der Welt und überzeugte mit abgedrehter Ästhetik. Im kommenden März metzelt sich endlich wieder der hasserfüllte Skinhead Kratos in „God of War 3“ durch die griechische Mythologie. Für Quick-Time-Events zwischendurch steht ab heute „Dante’s Inferno“ beim Händler eures Vertrauens. Doch die Hack-and-Slay-Action aus dem Hause Visceral Games („Dead Space“) ist viel mehr als ein virtuelles Knoppers für langweilige Pausen. So lautet zumindest unser Fazit, nachdem wir für euch im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle gegangen sind.

Denn nichts anderes tut der Held Dante, der das in neun Zirkel unterteilte Jenseits durchstöbert, um seine geliebte Beatrice aus Luzifers Klauen zu befreien. Wie zu erwarten war, hat „Dante’s Inferno“ mit Alighieris Vorlage „Die göttliche Komödie“ ungefähr so viel zu tun wie McDonalds mit Gourmetessen. Beide stillen zwar gewisse Bedürfnisse, aber bei den Zutaten gibt es arge Unterschiede. Der Dante aus der „Divina Commedia“ ist beispielsweise ein eher schüchterner und furchtsamer Poet, der sich beim Anblick der Dämonenbrut ins Spitzenhöschen macht. Viscerals Held dagegen ist ein knallharter Kreuzritter, der sich die Gräuel der Vergangenheit auf seine Brust stickt und Feinde in ihre Einzelteile zerlegt – also eindeutig der bessere Charakter für ein ordentliches Gemetzel.

Es geht nicht gerade zimperlich zu in „Dante’s Inferno“. Nicht nur der Tod bekommt die Sense des Kreuzritters zu spüren.

Literaturprofessoren werden im Verlauf des Spiels mit den Auftritten des Dichters Vergil befriedigt, der so etwas wie das poetische Gewissen von „Dante’s Inferno“ darstellt. Immer wieder kreuzt er Dantes Weg und gibt ein paar Gedichte zum Besten. Aber literarischer Gehalt hin oder her, die gerenderten Zwischensequenzen sowie die Cartoon-Flashbacks während des Abenteuers sind erste Sahne.

Einziger Kritikpunkt bei diesen Szenen ist die zu leise Tonabmischung; immer wieder mussten wir die Lautstärke erhöhen, um dann bei der Rückkehr ins Spiel vom zu hohen Lärmpegel aus den Birkenstocks gehauen zu werden.

Das kenne ich irgendwoher
Wenn es nicht das ist, dann haut euch die schweißtreibende Action von „Dante’s Inferno“ aus den Gesundheitsschuhen. Die Steuerung des Helden könnte dabei nicht eingängiger sein. Der wüste Kreuzritter führt leichte und schwere Attacken mit seiner Todessense aus. Beide Angriffsvarianten lassen sich natürlich noch zu diversen Kombo-Ketten verknüpfen. Für den Distanzkampf steht Dante das heilige Kreuz von Beatrice zur Verfügung, das leuchtende Kruzifixe abfeuert, die die Höllenschar pulverisieren. Ein Ausweich- und Blockmanöver hat Dante natürlich auch noch in petto. Und wie es sich für ein waschechtes Action-Adventure gehört, lassen sich all diese Fähigkeiten noch über ein Upgrade-System verbessern und ausbauen.

Entwickler Visceral legt nach „Dead Space“ mal wieder eine Glanzleistung in Sachen Level- und Charakterdesign hin.

Dazu müsst ihr allerdings Seelen, scheinbar die einzige gültige Währung im Jenseits, sammeln wie Gevatter Tod. Entweder verarbeitet ihr die Höllenbewohner also schlicht und einfach zu Brei, oder ihr erlöst beziehungsweise bestraft die armen Sünder. Beim Fußvolk des Hades ist dafür bloß ein kurzes Quick-Time-Spielchen vonnöten. Wollt ihr die in den Leveln verstreuten Höllenpromis, wie Pontius Pilatus oder Orpheus, erlösen, steht die öde Variante eines „Rock Band“-Mini-Games auf dem Programm. Auch wenn diese Aktionen keine direkten Auswirkungen auf den Storyverlauf haben, so beeinflussen sie dennoch Dantes Können. Erlösungen bringen Punkte aufs heilige Konto, mit denen man neue Moves für das Kruzifix freischaltet. Bestrafungen sorgen dafür, dass die so genannte Unheiligkeitsanzeige nach oben schnellt. Je mehr Sünder ihr bestraft, desto mehr Angriffe dürft ihr gegen Seelen für die knochige Sense ersteigern. Zum Glück ist man nicht auf einen Gesinnungsweg festgelegt. Ihr könnt nach Lust und Laune über die Sünder richten, um die gewünschten Upgrades einzuheimsen.

Doch damit immer noch nicht genug. Dante verwandelt sich im Laufe des Spiels auch in einen kleinen Magier. Keine Angst, er läuft weder mit knallbunter Robe noch mit spitzem Hütchen durchs Jenseits. Aber er erhält für einige eliminierte Endbosse spezielle Magieangriffe, die sich im Kampf als nützlich erweisen.

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