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All that scratching is making me itch

05.11.2009 | Xbox 360 | Autor: Nils Ehring

Der Plattenspieler ist nicht nur ein simples Wiedergabegerät, sondern ein Instrument. Wenn man so eine gewagte These vor fünfzehn Jahren im Musikunterricht geäußert hätte, wäre man bloß ausgelacht worden. Aber zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Turntablists auf der ganzen Welt holen aus den Rädern aus Stahl heraus was möglich ist. Künstler wie Kid Koala reißen mit jedem neuen Track Grenzen ein. Der wehrte Mann kreuzt gerne mal Ska mit Jazz, wie bei seiner "Skanky Panky"-Routine, oder interpretiert Klassiker wie "Moon River" neu. Leuten wie ihnen ist es zu verdanken, dass man den Plattendreher eben nicht mehr nur mit DJ Egon aus der Budenheimer Großraumdisko assoziiert. Längst ist der DJ ein fester Bestandteil der Popkultur, der nicht bloß Trends verfolgt wie ein Lemming, sondern sie eigenständig generiert. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Gamesbranche auf den Trichter kommt und nach all den Rockspielchen mal einen DJ-Titel auf den Markt schmeißt. Dieser Aufgabe hat sich in den letzten Jahren Freestyle Games gewidmet und herausgekommen ist – welch innovativer Name - „DJ Hero“. Setzt der Titel sich von den anderen Musikspielen ab, oder stellt er das gleiche nur in grün dar?

The Wheels of Plastic
Bevor wir diese Frage detaillierter beantworten, wollen wir aber zunächst mal den Plastikplattenspieler genauer unter die Lupe nehmen. Das Ding sieht aus der Ferne zwar wie ein Fisher Price-Spielzeug aus, entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings als recht wertig.

“DJ Hero” erfordert mehr Multitasking-Fähigkeiten als andere Musikspiele. Da kommen selbst Experten ins Schwitzen.

Der Plattenteller und die Tasten haben dank vinylähnlicher Beschichtung einen ordentlichen Grip und der Crossfader ist relativ leichtgängig. Links befindet sich ein Regler, mit dem man während des Mixes Equalizer-Effekte erzeugt. Direkt daneben ist noch ein großer Knopf, mit dem ihr erspielte Euphorie aktivieren könnt, aber dazu später mehr. Über diesen Instrumenten liegen unter einer Klappe versteckt noch ein Digikreuz und vier Xbox-Standardtasten, mit denen man durchs Menü navigiert.

Praktischerweise können Linkshänder die Mixereinheit einfach vom Plattenspieler abkoppeln und auf der anderen Seite anschließen. Am besten mixt und scratcht es sich, wenn man das Gerät auf einem kleinen Tischchen platziert. Aber auch auf dem Schoß macht das DJ-Equipment eine gute Figur und lässt sich locker handhaben.

Eh, voll fett Homie!
Egal wie ihr spielt, es bedarf ein wenig an Einarbeitungszeit, bis man Scratches, Blendings, Rewinds und Beatjuggles einigermaßen beherrscht. Zum Glück gibt es da das umfangreiche Tutorial mit Grandmaster Flash, der Schritt für Schritt erklärt, wie man an den Decks arbeitet. Auf Deutsch ist das allerdings eine Katastrophe, denn der DJ-Legende hat man einen furchtbaren Synchronsprecher verpasst, der mit pseudocoolen Anglizismen daherkommt. Sprüche wie „Das war echt fett Mann. Du machst dein Ding.“ oder „Hau rein, Homie!“ sorgen eher für Brechreiz statt für Coolness. Dem kann man glücklicherweise Abhilfe verschaffen, indem man die Konsole einfach auf Englisch umstellt.

DJ-Kollegen können entweder offline oder online in zünftigen Battles um die Wette scratchen und mixen.

Dann könnt ihr in Seelenruhe eintauchen in dieses Spiel, das auf den ersten Blick aussieht wie „Guitar Hero“ oder „Rock Band“. Es gibt drei in unterschiedlichen Farben gekennzeichnete Spuren. Die beiden äußeren repräsentieren quasi die zwei Plattenspieler. Die rote Spur in der Mitte ist für Effekte zuständig. Wie bei den einschlägig bekannten anderen Musiktiteln müsst ihr die zur Spur gehörige Taste drücken, sobald ein Tap-Symbol die Trefferzone am unteren Bildschirmrand durchläuft. Bis hierhin ist also alles beim Alten geblieben. Doch „DJ Hero“ verlangt wesentlich mehr als stures Knöpfchendrücken. Um wirklich Punkte zu sammeln muss man nämlich noch den Crossfader einsetzen und somit zwischen den beiden Plattenspuren hin- und herwechseln. Auf der höchsten Schwierigkeitsstufe sind sogar blitzschnelle Faderbewegungen gefragt. Nicht gerade leicht, wenn man gleichzeitig noch am Equalizer-Knopf drehen oder lange Scratches hinlegen muss. Wer also nicht Multitasking-fähig ist, dürfte seine Probleme mit „DJ Hero“ haben. Musikspiel-Veteranen werden zwar leichter einen Zugang zum Spiel finden, aber spätestens auf den letzten zwei Schwierigkeitsstufen an ihre Grenzen stoßen. Wenn stakkatoartige Beats aus den Boxen pumpen, der Crossfader glüht, spezielle Scratchbewegungen gefragt sind und man zwischendurch noch selbst ausgewählte Effektsounds über den Mix legt.

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