- Crysis Warhead
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Crytek
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 18.09.2008
Siebenstündiges Actionfeuerwerk
22.09.2008 |
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Autor: Simon
Es ging mir mit „Far Cry“ genau wie Cheffe André: Der Funke wollte einfach nicht überspringen. Muskelbepackte Söldner, die über die halbe Insel ballern, fiese Monster, die alles plattwalzen, und die ewig grüne Insel – das machte auch mir irgendwie keinen Spaß. „Crysis“ habe ich deshalb auch nicht angerührt, zu skeptisch stand ich dem Shooter gegenüber. Schon wieder eine Insel? Nein, danke. Nach dem kollektiven Jubelgeheul der Daddler wusste ich aber, dass ich wohl etwas verpasst hatte. Da kommt es gerade recht, dass Crytek nun das Stand-Alone-Add-On „Crysis Warhead“ veröffentlicht. Nachdem ich bei einem Kumpel „Crysis“ angespielt hatte, wusste ich aber schon vorher: Es wird verdammt schwer, dieses Niveau zu halten. Kann das klappen?
Es kann! Cryteks ungarisches Entwicklerstudio schafft es tatsächlich, in puncto Action noch eine Schippe draufzulegen. Die Story ist dabei wie geschaffen für einen knapp sieben Stunden andauernden Adrenalinrausch: Die USA wollen einen Container mit einem wichtigen Artefakt an Bord aus den Fängen der Koreaner befreien. Ihr schlüpft in die Rolle des wortkargen Briten Psycho, der seinerseits den schon aus „Crysis“ bekannten Nanosuit überstreift. Den Namen solltet ihr dabei nicht zu wörtlich nehmen. Irres Lachen oder krankhafte Zuckungen gehören nicht zum Repertoire des Helden. Trotzdem wirkt er ein Stück menschlicher als noch die Hauptperson aus „Crysis“. Freude über einen erfolgreichen Einsatz oder blinde Wut nach dem Tod eines Kameraden tragen dazu bei, dass man sich schnell mit seinem Alter Ego anfreundet. Große Charakterentwicklungen und dramatische Wendungen, oscarreif in Szene gesetzt, darf man aber selbstverständlich nicht erwarten. Vergleicht es mit einem guten B-Movie: nebensächliche Handlung, coole Hauptperson und Action bis zum Umfallen.
Von einem Hightlight zum nächsten
Besonders den letzten Punkt setzt „Crysis Warhead“ einfach hervorragend um. „Crysis“ bot während der ersten Spielstunden noch eine langsam aufbauende Spannung, das eigenständige Add-On wirft euch dagegen sofort ins Kreuzfeuer. Die erste Mission ist stilgebend: Nachdem die Koreaner den Senkrechtstarter abgeschossen haben, müsst ihr euch den Weg zum nächsten Landepunkt freikämpfen. Währenddessen ist ringsum die Hölle los. Flugzeuge der USA werfen Bombenteppiche, um die feindlichen Stellungen auszuräuchern, die sich mit Hilfe einiger Fahrzeuge kräftig wehren. Aus dem tropischen Klima geht es alsbald in eisige Regionen – die Aliens mögen es eben kühl.
Nur für NASA-Rechner?
Die geniale Optik zaubert eine packende Atmosphäre auf den Monitor. Das Spiel ist aber so hardwarehungrig wie eh und je.
Mit einem Hovercraft heftet ihr euch dem Container-Transport an die Fersen und rast ihm hinterher, kämpft euch durch ein aufgelaufenes Schlachtschiff, springt auf einen Zug auf, um am Ende auf einem Flugplatz ein furioses Finale zu erleben: Der Himmel verdunkelt sich, Schwärme von Aliens ziehen durch die Luft, ein riesiger Koloss zwischen euch und dem Container, und ihr mittendrin, mit dem Finger auf die Maustaste hämmernd - unglaublich packend!
Das Spiel lässt euch kaum Verschnaufpausen. Und wenn, dann nur, um die wirklich tollen Landschaften zu bestaunen. Die Entwickler haben sich redlich Mühe gegeben, den Inselaufenthalt so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Die grüne Fauna des Dschungels ist dank „Far Cry“ langsam etwas ausgelutscht, erblüht aber dennoch in den unterschiedlichsten Farben.
Schön eingebettet in den Urwald sind dabei die verschiedenen Anlagen, die ihr im Laufe des Spiels dem Erdboden gleichmacht. Wachtürme auf Holzstelzen, kaputte Dächer und notdürftig hochgezogene Wellblechzäune – fast wie die Unterkünfte der Krawallredaktion. Das Highlight sind aber wie schon in „Crysis“ die vereisten Dschungellandschaften. Die Kälte ist dank des hervorragenden Leveldesigns und der fast fotorealistischen Texturen und Effekte förmlich spürbar. Meterdicke Eisdecken, gefrostete Bäume, spiegelnde Oberflächen und immer wieder vereiste Soldaten, für die der Winter wohl etwas zu schnell gekommen ist – da passt einfach alles!
Das Gameplay passt sich dem adrenalingeladenen Trip an: „Crysis“ bot an einigen Stellen kleinere Leerläufe, in „Warhead“ wird dagegen konstant der Gegner ins Visier genommen. Es vergeht keine Minute, in der euch nicht die Kugeln um die Ohren fliegen. Auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad müsst ihr dabei natürlich nicht sehr taktisch vorgehen. Die Herausforderung ist viel eher, die Gegner möglichst variantenreich um die Ecke zu bringen.
Keine Verschnaufpause
Das Level-Design in „Warhead“ ist noch eine Spur besser als in „Crysis“. Abwechslungsreiche Action ist garantiert!
Dank des Nanosuits könnt ihr zum Beispiel im Speedmodus auf die Feinde zurasen und mit Hilfe des Stärkemodus eure Bud-Spencer-Faust auspacken. Auf den hohen Schwierigkeitsgraden wird es dann natürlich deutlich taktischer. Das Leveldesign bietet euch genügend Möglichkeiten, die Widersacher von höher gelegenen oder schwer einsehbaren Positionen aus aufs Korn zu nehmen. Und auch die Nahkämpfe gestalten sich taktisch anspruchsvoll. Mit dem Unsichtbarkeitsmodus vom Autowrack zur Hauswand hechten und dann mit eingeschaltetem Verteidigungsmodus die Gegner von der Seite überraschen - es funktioniert mit etwas Übung!
Wenig Neues
Eure Sparringspartner sind alte Bekannte: Koreaner und Aliens in verschiedenen Größen, das war’s. Neu sind einige Waffen und Fahrzeuge. Neben dem oben angesprochenen Hovercraft gibt es zum Beispiel noch ein deutlich schwerer bewaffnetes Fahrzeug als den bekannten Geländewagen. Wirklich zum Tragen kommen die Neuerungen aber erst im Multiplayer „Crysis Wars“, der auf einer separaten DVD mitgeliefert wird. Vor allem der Hovercraft samt Bordgeschütz sorgt auf Karten mit Wasserwegen für so manch tödliche Überraschung. Ansonsten steht vor allem der neue Team-Action-Modus für unkomplizierte Ballerei, die vorzugsweise bei einem Bierchen am Abend genossen werden kann. Server beitreten, loslegen und fortan Schabernack mit dem Nanosuit treiben. Mit zwei Maschinenpistolen im Anschlag empfiehlt sich der Speed-Modus (Augen zu und drauf!), ansonsten verursacht vor allem der Unsichtbarkeitsmodus viel Schadenfreude. Solange man nicht so blöd ist seine Waffe mit einer Laserzielfunktion auszustatten, ist man ab einer gewissen Entfernung absolut nicht mehr sichtbar und kann so auch den hinterhältigen Campern in den Büschen entfliehen und ihnen eine böse Überraschung von hinten bereiten.
Der schon aus dem „Crysis“-Multiplayer bekannte Power Struggle wurde derweil etwas actionreicher gestaltet. Ein lahmes Unentschieden nach Ablauf der Zeit, weil keiner den Reaktor der anderen zerballert hat, gibt es nicht mehr. Man kann jetzt auch über eine höhere Anzahl an gesammelten Energiepunkten gewinnen. An den sofort begeisternden Onslaught der „UT“-Teile (Energieknoten besetzen und darüber den Energiekern der anderen zerstören) kommt der Modus aber immer noch nicht ran. Wer bei Power Struggle Spaß haben will, sollte etwas Geduld mitbringen, die Karten kennen und ein schnelles Händchen beim Zielen haben.



