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Meilenstein aus Deutschland

14.11.2007 | PC | Autor: André

Maximum Games – mit diesem kleinen Zusatz hat „Crytek“ neuerdings das Firmenlogo versehen. Und so abgedroschen das Sprüchlein auch klingen mag, es trifft den Nagel im Falle von „Crysis“ auf den Kopf. Das lange erwartete Grafik-Viagra aus Frankfurt holt das letzte aus modernen PCs heraus, beweist endlich ohne jeden Zweifel, dass in Deutschland Spiele produziert werden können, die jedem internationalen Vergleich gerecht werden, und ist obendrauf noch ein wirklich hervorragendes Spiel.

Nicht bei C&A zu haben: Der Nanosuit
Zunächst mag man von „Crysis“ gar nicht so viel erwarten. Das Spiel bot von Anfang an eine derart sensationelle Grafik, dass bis heute kein anderes Spiel – egal ob schon erhältlich oder in Entwicklung – diese Messlatte erreichen konnte. Da hätte auch Dschungelhalma in der Verpackung liegen können, der durchschnittliche Technikfan hätte für das Spiel trotzdem bereitwillig beide Nieren gespendet. Was sind die paar Stunden Dialyse am Tag schon gegen den Handschlag mit dem Grafikmessias persönlich. Tatsächlich ist aber insbesondere der Einzelspieler-Modus von „Crysis“ einfach hervorragend geraten und nahe am Niveau von „Half-Life 2“ anzusiedeln. Schon der Spieleinstieg, in dem man per Fallschirm auf einer nordvietnamesischen Insel landet, kann sich sehen lassen. In diesen ersten Spielminuten bekommt ihr die extrem detaillierten und ordentlich animierten Gesichter eurer Kameraden vorgeführt, erlebt, wie gut die neue CryEngine zwischen weiten Arealen und engen Räumen hin und her arbeiten kann, und macht erste Erfahrungen mit eurem alles entscheidenden Werkzeug in diesem Spiel, dem so genannten „Nanosuit“. Dieses Wunderwerk der Technik sieht aus, als wäre er aus Menschenfleisch gebaut – ähnlich den Spezialanzügen im Film „The Cell“ – und schenkt euch übermenschliche Kräfte. Vier verschiedene, um genau zu sein. Damit könnt ihr eure Körperkraft um ein Vielfaches erhöhen und so arglose Gegner wie Puppen durch die Gegend schleudern und riesige Sprünge machen. Oder ihr nutzt den Suit als Panzerung, um keinen Schaden zu nehmen. Auch eine Tarnvorrichtung ist eingebaut, mit der ihr unsichtbar werden könnt. Und für alle diejenigen, die immer knapp den Bus verpassen, gibt es die Möglichkeit, eure Laufgeschwindigkeit auf die Sprintstärke eines Luxussportwagens anzuheben.

High-Tech-Anzug
Der Nanosuit ist ein wahres Technikwunder und verleiht euch vier übermenschliche Spezialfähigkeiten.

All das jedoch immer nur so lange euer Suit noch Energiereserven hat, sprich: für kurze Zeit. Dann ist das Schmuckstück ausgepowert und muss sich ein paar Sekunden regenerieren, bevor die Funktionen wieder zur Verfügung stehen.

Predator lässt grüßen
Kaum auf der Insel gelandet, stellt sich auch schon heraus, dass ihr eure Superfähigkeiten mehr als nur gut gebrauchen könnt. Euer Job ist es eigentlich nur, bei einer Ausgrabungsstätte der Nordvietnamesen nach dem Rechten zu sehen. Dort vermutet man die tollsten Dinge – vom Geheimprojekt bis zur unerschöpflichen Energiequelle aus dem All. Doof nur, dass sich schon bald herausstellt, dass die Vietnamesen unseren Nano-Suit kopieren konnten und nun eigene Supersoldaten Jagd auf uns machen. Noch viel unerfreulicher, dass viel mehr als nur eine Energiequelle aus dem All auf der Insel lauert.Wie im Schwarzenegger-Film „Predator“ huschen plötzlich eigenartige Gestalten durch den Dschungel, einige Teamkameraden verschwinden unter furchtbaren Schreien im Dunkel und tauchen wenig später in reichlich totem Zustand wieder auf, um schlussendlich sogar vor unseren Augen von merkwürdigen Wesen entführt zu werden.

Das Design dieser Aliens ist jedoch nicht das von typischen Science-Fiction-Monstern. Statt dessen haben sie oft einen sehr technischen, teilweise fast körperlosen Look, weshalb sie leider trotz der sehr gut aufgebauten Spannung am Ende überhaupt nicht gruselig wirken, wenn sie denn schließlich vor unsere Flinte springen.
Das macht allerdings gar nichts, denn ansonsten ist das Spiel hervorragend inszeniert, sowohl vom Spannungsaufbau her als auch beim Wechsel der Spielumgebungen und all den kleinen Ereignissen, die zu neuen Missionszielen führen.

Alles besser gemacht
Wo Crytek in „Far Cry“ noch eine völlig verblödete Trash-Story servierte und das Leveldesign im Großen und Ganzen mit dem Wort „Insel“ bis kurz vor Ende allumfassend umschrieben werden konnte, hat man bei „Crysis“ einfach alles richtig gemacht. Statt durch einen ewig gleichen Dschungel zu trotten, strotzt allein schon das Inselsetting vor Abwechslung.

High-Tech-Gameplay
„Crysis“ macht spielerisch alles besser als „Far Cry“, bietet eine tolle Story und enorm abwechslungsreiches, actiongeladenes Gameplay.

Mal ballert ihr zwischen Wellblechhütten am Strand, mal in einem malerischen Flussbett vor einem Wasserfall, dann geht es auf einem Plateau weiter, dann auf einer zerstörten Straße, dann geht es durch das Höhlensystem einer Mine, später durch einen surreal gefrorenen Dschungel voller zu Eisstatuen erstarrter Soldaten und noch später ins Mutterschiff der außerirdischen Kreaturen. Die Mühe, die hinter all diesen Designs steckt, ist einfach unglaublich, die Details sind beeindruckend, und trotzdem ist „Crysis“ mit einer Spielzeit von rund 10-12 Stunden deutlich länger geraten als zum Beispiel „Call of Duty 4“, ohne dabei in Leerlauf zu geraten. Allein das Waffenarsenal ist trotz der einen oder anderen Alienwaffe am Schluss doch recht konventionell ausgefallen: Raketenwerfer, Maschinenpistolen, Laser-Waffen – das Übliche. Immerhin: Die Ballermänner eurer Feinde und Freunde könnt ihr nach deren Ableben stets einsammeln und so mal mit der US-Maschinenpistole auf Pirsch gehen, mal mit den koreanischen Waffen loslegen. Mit fortschreitender Spieldauer stehen euch außerdem noch Modifikationen für die Knarren zur Verfügung. Dann dürft ihr zum Beispiel praktische Laserzielhilfen unter den Lauf schrauben, Zielfernrohre montieren oder einen Schalldämpfer aufschrauben.

Interessant werden die Kämpfe aber vor allem durch die Möglichkeiten, die euch der Nano-Suit bietet. Ganz nach Wunsch könnt ihr euch viel tarnen und so selbst größere Gegnermassen einfach umgehen oder aus dem Hinterhalt meucheln. Das Stärke-Feature macht euch dabei sogar ohne Waffen ziemlich gefährlich. Oder aber ihr setzt auf eure Panzerung und versucht den Frontalangriff. Nun ja, vielleicht doch ein klein wenig über die Flanke zumindest, denn „Crysis“ ist bei aller Aktion doch ein Spiel, bei dem ihr taktisch vorgehen müsst. Bei kleinen Gruppen ist die Holzhammer-Methode noch möglich, doch wer nicht gerade im Modus für Wickelkinder angetreten ist, muss schon bald die Umgebung für sich ausnutzen. Das fängt bereits damit an, dass ihr euch die richtige Deckung aussucht. Denn dank der ausgezeichneten Spielphysik ist ein Lattenzaun ruckzuck in Fetzen geschossen, und ihr steht mit heruntergelassenen Hosen da. Nur sinnbildlich, Mädels – macht euch keine Hoffnungen! Erst hinter Metall könnt ihr euch einigermaßen sicher fühlen. Auch herumstehende Fahrzeuge verlangen eure Aufmerksamkeit. Die MG auf der Ladefläche eines Jeeps hat schon so manche Gegnerhorde weggemäht wie Gänseblümchen, und auch die Panzer, die ihr später im Spiel übernehmen könnt, erweisen sich als sehr nützlich.

Das abwechslungsreiche Spieldesign sieht dabei einige Abschnitte vor, in denen gut gemachte Panzerschlachten gemeinsam mit euren Verbündeten auf dem Plan stehen.

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