- Crysis
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Crytek
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 16.11.2007
In Japan ein Außenseiter
24.09.2007 |
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Autor: Redaktion
Das schöne an der Tokyo Game Show ist, dass sich die Leute hier nicht mit einer Vorführung des Spiels im Hinterzimmer abgeben. Während man als Journalist auf der Games Convention oder E3 von einer Vorführung durch die Entwickler zu nächsten eiert, wird auf der TGS fast immer selbst gespielt. Dafür heißt es dann aber in aller Regel auch, zumindest für ein paar Minütchen Schlange zu stehen. An den Fachbesuchertagen ist das bis auf extreme Ausnahmefälle wie „Metal Gear Solid 4“, wo man schon am Mittwoch nicht unter 45 Minuten Wartezeit wegkam, kein Problem. Ab dem Wochenende jedoch, wenn ganz Tokyo zur Messe aufbricht, sieht die Sachlage anders aus, und aus Minuten werden schon mal Stunden. Der clevere Schreiberling hechtet also an den ersten beiden Tagen vor allem zu denjenigen Spielen, die jeder sehen will. Lieber eine Stunde warten am Donnerstag als vier am Samstag, lautet die Devise. An den anderen Tagen klappert man hingegen diejenigen Titel ab, die kein Schwein interessieren wie „Crysis“ zum Beispiel. Für deutsche Ohren klingt das natürlich nach reiner Blasphemie. Immerhin ist „Crysis“ nicht nur einer der potentiellen Weihnachtshits 2007, es ist auch ein Fanal für Computerspiel-Entwicklung in Deutschland. In Deutschland wäre die Schlange vor Cryteks Einzelspieler-Demo vermutlich lang genug, um eine Wasserkette vom Messe-See der Games Covention bis zur Halle 4 zu bilden. Aber in Japan ticken Uhren und Kunden anders, und mehr als acht Personen haben wir nie vor dem Rechner stehen sehen. An den Fachbesuchertagen stand die Anspielstation in Microsofts „Games for Windows“-Ecke hin und wieder sogar völlig leer.
Der Grund, warum das gute „Crysis“ in Japan so abgestraft wird, ist übrigens nicht etwa, dass es den Geschmack der Japaner so völlig verfehlte. Wenn man mal nachfragte, fanden die meisten das Inselszenario mit Aliens gar nicht schlecht. Auch gegen Shooter hat man hier zumindest prinzipiell nichts einzuwenden, auch wenn eine Mehrheit der japanischen Spieler, mit denen wir gesprochen haben, nicht gerade Shooterfans waren. Nein, der Hemmschuh heißt schlicht und ergreifend: PC – und dann noch mit hohen Hardwareanforderungen.
Japanische Eigenart
In Tokyo interessierten sich eher wenig Besucher für den potenziellen Blockbuster. Am Spiel selber lag das aber nicht...
Fast jeder Befragte ließ verlauten, dass ihn PC-Spiele entweder gar nicht interessieren oder aber zwar Interesse bestünde, aber die Mühle daheim gerade mal das Chatfenster des Yahoo-Messengers ruckelfrei darstellen könne. Und so kam es, dass wir uns gleich mehrfach mit „Crysis“ vergnügen konnten, während die Japaner geduldig für andere Spiele anstanden.
Unter anderem übrigens für „Assassin’s Creed“ von Ubisoft, das wirklich respektable Wartezeiten von 45 Minuten und mehr verbuchen konnte. Damit dürfte es der erfolgreichste westliche Titel auf der Messe gewesen sein. Die Multiplayer-Demo von „Halo 3“ war dagegen vergleichsweise wenig besucht.
Nach diesem langen Exkurs über die Probleme von High-End PC-Spielen in Japan nun aber endlich zum Spiel selbst. Gezockt werden durfte nur in für die TGS typischen Intervallen von fünf Minuten. Durch freundliches Lächeln und dreistes Überziehen unserer Spielzeit sowie mehrfaches Anstellen kamen wir dann aber schließlich doch auf eine respektable Ausprobierzeit von 25 Minuten. Los ging es dabei stets mitten im Dschungel, umgeben von der vielleicht eindrucksvollsten Vegetation, die je in einem Computerspiel zu sehen war. Farne, Büsche (mit Laub und verdorrt), Bäume, Palmen, Efeu, Gräser und Halme aller Größen – schon die Vielfalt der Botanik ist beeindruckend. All das steht zudem nicht einfach still in der Gegend herum, sondern wankt und schwankt stetig in einer leichten Brise dahin. Das gesamte Laubdach der Bäume ist nicht einfach nur eine zweidimensionale Textur, sondern ein echtes 3D-Objekt, das in der diesigen Luft feine Schattenlinien in das Sonnenlicht zeichnet.
Dschungelpracht
Der Urwald mit seiner fantastischen Vegetation ließ mal wieder unsere Kinnladen herunterklappen.
Aus dem Urwald heraus treten wir auf eine kleine Anhöhe, wo weniger dichtes Gras den Blick auf die platte Bodentextur freigibt. Geradezu erleichternd zu sehen, dass in „Crysis“ mal etwas ganz bieder und normal aussieht. Von hier oben blicken wir auf ein kleines Camp aus Wellblechhütten, in dem die ersten Gegner lauern. Einer da unten feuert gerade eine Leuchtrakete ab – wohl um seinen Kollegen etwas zu signalisieren, denn gesehen hat man uns noch nicht. Von hier oben kann sich der geneigte Spieler nun blindlings ins Gefecht stürzen oder in Ruhe durch das Fernglas die Lage peilen. Es zeigt sich, dass hinter den Wellblechhütten ein Pier liegt, davor ein Schlauchboot mit MG und zwei Mann Besatzung. Linker Hand wartet ein anderer Söldner hinter der MG auf einem Jeep. Es ist ein absolut typisches „Far Cry“-Szenario, das wir da vor uns sehen, nur eben mit Grafik einer neuen Generation. Das Wasser sieht nach wie vor verboten gut aus, diesmal sogar mit leichtem Wellengang. Auch der Strand kommt aus der Distanz vorzüglich, aus der Nähe immer noch sehr gut rüber. Aber genug der Grafik-Schmachterei, wir wollen Tote sehen. Also den kleinen Hügel runter und an das Blech der Hütte gepresst, um nicht gleich mit wehenden Fahnen ins Lager zu stürmen. Wer in „Crysis“ gern überlegt und taktisch vorgeht, hat jede Menge Möglichkeiten. Denn unser Held auf der Insel verfügt über einen spektakulären Spezialanzug, der ihn nach Wunsch stark macht wie Herkules, rennen lässt wie einen Redakteur auf der Flucht vor Arbeit, und sogar kurzfristige Unsichtbarkeit ist kein Problem. All das kostet aber spärlich vorhandene, dafür selbstaufladende Energie. Ist der Akku einmal leer, ist Schluss mit Unsichtbar, und die Soldaten in „Crysis“ haben stets den Finger am Abzug.



