- Cryostasis: Sleep of Reason
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- Publisher: 1C Company
- Entwickler: Action Forms
- Genre: 3D-Shooter
- Release: 20.02.2008
Horror auf Eis
22.05.2009 |
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Autor: Nils Ehring
Es gibt eigentlich kaum Orte, die ein Großteil von uns nicht schon besucht hat. Zumindest was virtuelle Schauplätze anbelangt. Wir waren schon in Afrika, haben zahlreiche Metropolen Europas unsicher gemacht und waren in Amerika sowie Russland unterwegs. Umso mehr sehnt man sich als gelangweilter Spieletourist insgeheim nach einem noch nicht ganz so ausgelutschten Szenario. 1Cs „Cryostasis“ bietet diese Abwechslung, denn es entführt euch an einen sehr entlegenen und lebensfeindlichen Ort: den Nordpol. Aber macht diese Tatsache schon einen guten Titel aus? Nicht ganz. Denn obwohl der Survival-Horror-Titel aus dem Hause Action Forms durchaus interessante Ansätze zu bieten hat, mangelt es ihm an spielerischer Tiefe. Aber eins nach dem anderen.
„Cryostasis“ beginnt recht vielversprechend. Als der Meteorologe Alexander Nesterov erwacht ihr auf dem havarierten Atom-Eisbrecher „Nordwind“. Eure Aufgabe ist herauszufinden, wie das Schiff in diese missliche Lage geriet und was mit seiner Besatzung geschah. Dabei wird schnell klar, dass an diesem Ort nicht alles mit rechten Dingen zugeht, denn die Crewmitglieder haben sich in angriffsbereite Zombies verwandelt und trachten euch nach dem Leben. Die Geschehnisse erzählt „Cryostasis“ mit kleinen In-Game-Sequenzen. Einblicke in die Ursachen des Schiffsunglücks bieten hingegen interaktive Flashbacks. Und da sind noch sonderbare, mit Zeichnungen versehene Papierschnipsel, die eine Art Meta-Handlung entfalten und scheinbar keinen direkten Zusammenhang zur eigentlichen Geschichte haben. Storytechnisch macht der Titel vieles richtig. Den größten Teil der Zeit lässt er den Spieler im Dunkeln tappen und bietet nur häppchenweise Antworten. Erst gegen Ende fügen sich fast alle Puzzleteile logisch zusammen. Doch bis es so weit ist, müsst ihr zahlreiche brenzlige Situationen überstehen.
Lauwarmer Geselle
Also schlendert ihr durch den mit Eisblumen übersäten Bauch des Schiffes und stellt euch den Gefahren. Die Betonung liegt hier eindeutig auf dem Schlendern, denn wirklich schnell laufen kann Alexander nicht gerade. Das liegt vor allem an der enormen Kälte an Bord und der damit verbundenen ständigen Unterkühlung des Helden. Um nicht zum Eiszapfen zu erstarren, müsst ihr euch an Wärmequellen wie Decken- und Tischlampen, Fackeln oder Generatoren aufwärmen.
Erfrischend anders
„Cryostasis“ bietet ein frisches Szenario. An Bord eines Eisbrechers dürften die wenigsten von euch schon gewesen sein.
Tut ihr dies nicht, werden eure Bewegungen immer träger und das Überleben schwieriger. Dabei dienen die Wärme spendenden Gegenstände auch als Lebensenergie-Lieferant. Die Idee hinter diesem Konzept erscheint auf den ersten Blick innovativ, nervt auf Dauer allerdings ziemlich. Denn wenn man zum hundertsten Mal seine Griffel an eine Lampe hält, um die langsam ablaufende Wärme-Betankung zu vollziehen, möchte man am liebsten gleich den ganzen atombetriebenen Eisbrecher in die Luft jagen. Dazu fehlt allerdings das nötige Equipment, denn außer einigen Nahkampf- und Schusswaffen gelangt eigentlich nichts in eure kalten Pranken. Für Mann-gegen-Zombie- Auseinandersetzungen greift ihr beispielsweise zu Eisenketten, Äxten oder Ventilen.
Die Kämpfe erinnern stark an „Riddick“. Schläge und Hiebe verteilt man mit den Richtungstasten. Wer den Kontrahenten mit Kombos bearbeiten will, drückt einfach zwei Tasten gleichzeitig. Im Gegensatz zum knallharten Knastspiel mit Vin Diesel laufen die Schlagabtausche bei „Cryostasis“ allerdings nicht so dynamisch und rasant ab. Das liegt vor allem an der eher lahmen KI. Die Feinde blocken nur höchst selten, und zumeist reicht es aus, sie mit einer Flut von Schlägen einzudecken. Die kleineren Shooterpassagen konnten uns ebenfalls nicht ganz überzeugen. Selbst auf der höchsten Empfindlichkeitsstufe lässt sich das Fadenkreuz nur recht träge bewegen.
Into the mind of a dead man
Ordentlich Fahrt nimmt der Titel hingegen bei den interaktiven Flashbacks auf. Alexander verfügt nämlich über die so genannte Mental-Echo-Fähigkeit, mit der er in den Körper von Toten eindringen kann. Dies erlaubt ihm, die letzten Minuten des Opfers zu durchleben. Die schicksalhaften Ereignisse können dadurch beeinflusst werden, und die Seele des Toten lässt sich sogar retten. Dabei sind die Aufgaben in diesen Momenten recht schweißtreibend.
Anspruchsloses Gekloppe
Die Nahkämpfe spielen sich zwar wie bei „Riddick“, sind allerdings bei Weitem nicht so fordernd und dynamisch.
Wir mussten beispielsweise Seemänner vor dem Ertrinken bewahren, indem wir so schnell wie möglich vor den steigenden Wassermassen flohen. Ein anderes Mal saßen wir auf einem Schlauchboot und mussten angreifende Zombies mit den Fäusten von uns fernhalten. Besonders atmosphärisch war ein Flashback, bei dem wir in den Körper eines Schweißers schlüpfen durften. In einem altmodischen Taucheranzug schritten wir langsam im Big-Daddy-Stil durch eine trübe Suppe, schweißten Rohre zusammen und setzten uns gegen schwimmende Untote mit unseren Arbeitsutensilien durch.
Trotz dieser spannenden Momente hat man häufig das Gefühl, dass die Entwickler das Potenzial der Flashbacks nicht ganz ausgeschöpft haben. Wir hätten uns zum Beispiel deutlich mehr Rätseleinlagen gewünscht, die das reale Spielgeschehen mit den Visionen des Helden verbinden. Das läuft bei „Cryostasis“ häufig nur darauf hinaus, dass man Gegenstände aus den Flashbacks in die Realität herüberrettet. Und dennoch sind diese Momente das Highlight innerhalb des sonst eher eintönigen Spielverlaufs, bei dem ihr hauptsächlich durch dunkle Gänge schleicht, Schalterrätsel löst und euch recht langweilige Scharmützel mit den Feinden liefert.
Dabei gibt es an der Inszenierung des Spiels eigentlich kaum etwas zu meckern. Zwar reißt der Titel grafisch nicht unbedingt Bäume aus und den Schauplätzen mangelt es ein wenig an Abwechslung, aber dafür stimmen die eingesetzten Stilmittel. Die Flashbacks sind mit einem Griesel-Filter versehen und in Schwarz-Weiß gehalten. Immer wieder wird Alexander von verstörenden Visionen geplagt, die bruchstückhaft vor euren Augen aufblitzen. Dazu gibt es noch die obligatorischen flackernden Lichtquellen und aus dem Nichts auftauchende Gegner. „Cryostasis“ erfindet das Gruselrad also nicht gerade neu, weiß aber die altbekannten Stilmittel gut einzusetzen. Das gilt insbesondere für die Soundkulisse: Das Schiff knarzt und quietscht an allen Ecken, Alexander keucht und fleucht, was das Zeug hält, und Musik wird eher dezent eingesetzt. Die deutschen Synchronsprecher haben gute Arbeit abgeliefert und unterstreichen die stimmungsvolle Inszenierung.



