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Hässlicher Partnertausch

21.02.2008 | PC | Autor: Frank

Was steht auf dem Wunschzettel von fiesen Warlords, fanatischen Terroristen und korrupten Militärs ganz oben? Natürlich Atomwaffen. Spaltbares Material ist nämlich das perfekte Mittel um das eigene Bedrohungspotential zu steigern. Da die freie Welt und im Besonderem die USA davon aber nicht begeistert sind, muss irgendjemand den Fieslingen den Gewehrkolben in die strahlenden Fressen rammen, und wer könnte das besser machen als wir? Also schlüpfen wir im neuesten Ableger der „Conflict“-Reihe in die Haut von Lincoln Graves und Reggie Lang, und sorgen für Ordnung im globalen Saustall. Statt massiven Militäraufmärschen erwarten uns in „Denied Ops“ jedoch Undercover-Missionen, um die Schurken Morchenko, Atongwe und Ramirez mit ihrem Gefolge kaltzustellen. Vermutlich würden die Bösewichter schon das Konfetti für ihre Siegesparade bestellen, ehe man in Washington überhaupt den Marschbefehl für die Truppen abgestempelt hat, und so ist es nicht nur kostengünstiger lediglich zwei Mann loszuschicken. Lang, ein Experte für schwere Waffen, und dem Scharfschützen Graves werden also schnell Ausweis und Hundemarken abgenommen, und dann per Helikopter zur ersten Aufklärungsmission nach Venezuela rausgeflogen. Bevor der Kampfeinsatz beginnt, müssen wir die Kenner der bisherigen „Conflict“-Titel aber warnen, statt taktischen Squad-Missionen erwartet uns eine flache Ballerorgie, und selten zuvor haben wir dabei in Räumen mehr explosive Gasflaschen und Fässer gesehen, hinter denen sich die Gegner verstecken wollen. Im ersten Einsatz in den venezolanischen Anden wird das schon klar.

Das dynamische Duo
Kaum sind wir an den Klosterruinen von Santa Cecilia angekommen, dürfen wir uns schon die ersten trägen Dialoge zwischen den beiden Kämpfern anhören. In jedem mittelmäßigen Actionfilm bekommt man jedoch weitaus bessere Sprüche zu hören, und auch die Story nimmt nur langsam fahrt auf. In den Ruinen läuft das Kommunikationsnetzwerk von General Ramirez zusammen, und so müssen wir hier erstmal ein paar Daten stehlen, dann die Anlage zerstören und anschließend das Weite suchen. Auf unserem Weg dürfen wir jederzeit zwischen Graves und Lang hin und her wechseln, was mit einer schönen Kamerafahrt verbunden ist. Die Rolle des inaktiven Kämpfers übernimmt im Singleplayer die KI, während im Koop-Spiel uns auch ein Freund über Internet oder LAN den Rücken freihalten kann. Nicht das dies notwendig wäre, denn der Intelligenzquotient der Feinde bewegt sich irgendwo zwischen Klodeckel und Abwasserleitung. Unser KI-Partner macht im Vergleich dazu aber eine recht gute Figur.

Frontalangriff!
Wozu überhaupt den Schleichgang einlegen? Die Hohlkämpfe voraus sind schon froh, wenn sie nicht ins Lagerfeuer stolpern.

Auf Tastendruck können wir situationsabhängige Befehle geben, und ihn so Stellung beziehen oder uns folgen lassen. Werden wir niedergeschossen, haben wir etliche Sekunden Zeit um unserem Partner den Befehl zu geben, um uns eine rettende Spritze in den Körper zu jagen. Taktische Tiefe kommt beim Team-Spiel jedoch kaum auf, denn stures stürmen und schießen reicht eigentlich an allen Stellen aus. Gelegentlich müssen wir zwar auch mal Personen schützen, aber dank unbegrenzter Munition ist das kein Problem. Magazine müssen zwar gewechselt werden und an Munitionskisten gibt es frische Granaten und Raketen, doch dem Dauerfeuer steht das nicht im Wege.

Die Waffen der getöteten Soldaten und Terroristen lassen wir dabei notgedrungen am Boden liegen. Unser Waffenarsenal bleibt nämlich während des ganzen Spiels relativ überschaubar, denn Graves schleppt stets sein Scharfschützengewehr mit sich herum, während Lang ein schweres Maschinengewehr im Anschlag hält.

Rambazamba!
In „Denied Ops“ werden derlei Feuerwerke am laufenden Band gezündet – der sonst mauen Grafik tut’s gut!

Beide haben zwar noch je eine Pistole im Gepäck und Lang hält gerne mal einen Raketenwerfer griffbereit, doch die kommen nur selten zum Einsatz. Den Großteil des Spiels verbrachten wir als Lang, denn dessen vernichtende Streusalven fanden wir effektiver als das aufwändige Zielen und träge Einzelfeuer, zu dem Graves in der Lage ist.

Weltretter unterwegs
Kaum haben wir die Daten geborgen, geht das Abenteuer erst richtig los. Die Informationen führen uns zu Einsätzen nach Sibirien, Ruanda und in die Arktis, wobei wir die Reihenfolge frei wählen können. Der möchtegern Diktator Ramirez ist nämlich Teil eines globalen Schurkennetzwerkes, aus russischen Waffenhändlern und sonstigen Spitzbuben, und so führen uns weitere Folgemissionen immer wieder auf die andere Seite des Globus. Aber egal ob wir im engen Straßenkampf, auf Verladestationen, alten Burgen oder Militärlagern kämpfen, man fühlt sich kaum von der Story und den beiden Protagonisten gepackt. Spätere Einsätze sind zwar weniger linear und bieten auch mal unterschiedliche Lösungswege an, doch auch wenn wir auf einem Schiff voller Geiseln, Bomben und Terroristen kämpfen müssen, brauchen wir uns um die Alarmsirenen kaum sorgen zu machen. Die einzelnen Missionsgebiete sind zwar recht groß angelegt und mit der passenden Rechnerpower sind auch die Ladezeiten hervorragend, doch lange Korridore und nerviges Backtracking findet man in jedem Einsatz, aber dank Skript-Events kommt wenigstens ordentlich Schwung in den tristen Level-Alltag. Aus Nebenräumen stürzen sich Feinde auf uns, Sendemasten explodieren, Helikopter stürzen ab und dabei kracht es ordentlich, doch gute Skripts täuschen nicht über die absolut veraltete Grafik hinweg. Grobe Animationen, miese Texturen und lächerlich übertriebene Effekte findet man bei diesem Spiel haufenweise. Die Entwickler von Pivotal Games liefern mit „Denied Ops“ ein völlig veraltetes Spiel ab, was von einigen Clippingfehlern gekrönt wird. Erfreulich sind aber die Multiplayer-Inhalte, denn neben einzelnen Koop-Missionen und der gemeinsam spielbaren Kampagne, darf man sich auf die Klassiker Deathmatch, Team-Deathmatch und Eroberung freuen.

Bis zu 16 Spieler dürfen dabei aufeinander losgehen, und sich gegenseitig zu Boden schießen. Abseits der Mehrspieler-Schlachten wird uns aber auch in der Kampagne etwas Abwechslung geboten. Gelegentlich bekommen wir auch mal Luftunterstützung oder dürfen uns in einen Panzerwagen oder ein Boot setzen, um an eine bestimmte Stelle zu fahren und dabei die Bordgeschütze auslasten. Die eigene Zerstörungswut kennt dabei zwar keine Grenzen, doch nur bestimmte Gebäude lassen sich in die Luft sprengen. Meist bleiben die Strukturen unbeschadet stehen und unzählige Gasflaschen und explodierende Fässer sorgen zwischendurch immer mal wieder für einen Knall. Überzeugende Physikeffekte sollte man dabei nicht erwarten und auch der Blutgehalt hält sich stark in Grenzen. Zwischen den einzelnen Missionen bekommen wir zwar Waffen-Upgrades spendiert, doch außer einem Granatwerfer sind diese nicht wirklich bahnbrechend. Was bringt es uns mit Kameravisier am Scharfschützengewehr um die Ecke schießen zu können, wenn der Schuss den Gegner dann meist noch nicht mal tötet?

Zum Fazit