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  • Company of Heroes: Tales of Valor
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Tapferer Veteran?

23.04.2009 | PC | Autor: Hauke

Zweieinhalb Jahre sind in der Spielebranche eine halbe Ewigkeit. Doch gute Spiele sind ja bekanntlich zeitlos, und „Company of Heroes“ gehört nach wie vor zum Besten, was das Genre der Echtzeitstrategie in den letzten Jahren zu bieten hatte. Daher war es nicht verwunderlich, dass mit „Opposing Fronts“ schon bald ein Add-On präsentiert wurde. Doch bei Relic Entertainment und THQ ruhte man sich nicht auf den verdienten Erfolgen aus, sondern kümmerte sich um die Fortsetzung des ebenfalls hervorragenden Science-Fiction-Strategiespiels „Warhammer 40.000 – Dawn of War“. Obwohl dieses in seiner zweiten Version deutlich moderner daherkommt als der Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg, gerieten die historischen Fronten nicht in Vergessenheit, und so wird uns jetzt mit „Tales of Valor“ die zweite Erweiterung geboten.

Deutsche Panzer rollen wieder
Spielte man im Originalspiel ausschließlich die Alliierten, steuerte man in einer der beiden Add-On-Kampagnen aus „Opposing Fronts“ erstmals Wehrmachtsoldaten. Und auch in „Tales of Valor“ ergreift der Spieler Partei für die Nazis, was angesichts des Titels „Geschichten über Tapferkeit“ etwas fragwürdig erscheint. Doch genug mit der Moralkeule gewunken, konzentrieren wir uns wieder auf das Spiel. Die grundsätzliche Spielmechanik bleibt unangetastet: Mit einer kleinen Truppe muss man sich gegen eine feindliche Übermacht durchsetzen. Dazu muss der Spieler in der Kampagne bestimmte Missionsziele erfüllen, wie beispielsweise ein bestimmtes Ziel zerstören oder ein sicheres Gebiet erreichen. Alternativ gilt es, Ressourcenpunkte zu sichern, wobei man Sektoren erobert und die Anzahl der gehaltenen Sektoren über das Bevölkerungslimit bestimmt; bestimmte eroberte Kontrollpunkte stellen Munition für den Einsatz von Sonderfertigkeiten oder die Verbesserung von Waffensystemen zur Verfügung, bieten Treibstoff für den Einsatz schwerer Fahrzeuge oder den Kauf allgemeiner Verbesserungen. Die letzte Ressource ist Arbeitskraft, die sich je nach Anzahl der kontrollierten Sektoren mehr oder weniger schnell füllt und mit der sich Truppen einsetzen lassen.

Volle Deckung unter direktem Beschuss
Auch das Deckungssystem ist nach wie vor wichtig, denn ungeschützte Ziele sterben deutlich schneller als Soldaten oder Fahrzeuge, die aus leichter oder gar schwerer Deckung heraus agieren. Diese lässt sich jedoch, dank des beispielhaften Physiksystems, häufig zerstören. Genau hier kommt eine Neuerung zum Zuge: der direkte Beschuss. Wie bei „Soldiers: Heroes of World War II“ kann man per Knopfdruck selber das Fadenkreuz bewegen und feuern. Im direkten Duell gegen den Feind konnten wir dabei keinen Vorteil feststellen.

Ausgebauter Fuhrpark
„Tales of Valor“ liefert insgesamt acht neue Fahrzeuge. Wir hätten uns größeren Einheiten-Nachschub gewünscht.

Um Gebäude aus dem Weg zu sprengen ist der direkte Beschuss hingegen ein äußerst probates Mittel und kann hin und wieder sehr hilfreich sein. Letztendlich haben aber zumindest wir dieses Mittel im Spiel nahezu niemals eingesetzt, denn obwohl der direkte Beschuss Spaß macht, bringt er kaum Vorteile.

Von Raubtieren in Kesseln
In der Kampagne „Tigerass“ dreht sich alles um die Besatzung eines deutschen Tiger-Kampfpanzers.

Mit jedem abgeschossenen Gegner gewinnt man Erfahrung hinzu, und Stück für Stück lassen sich so die Fähigkeiten der Mannschaft ausbauen. Der Schütze kann beispielsweise neben panzerbrechender auch Explosivmunition laden, die gegen weiche Ziele durchschlagende Wirkung demonstriert. Der Fahrer pimpt das Stahlungetüm auf Geschwindigkeit, und der Kommandant kann Artillerieschläge anfordern. In den anderen Kampagnen sehen die Sonderfertigkeiten erwartungsgemäß anders aus.

Kurzer Solo-Spaß
Die Kampagnen werden zwar gewohnt toll präsentiert, sind aber viel zu schnell durchgespielt.

Jeder Feldzug spielt dabei auf nur einer Karte und besteht aus lediglich drei Missionen. Bei „Damm“ bereitet die 82. Airborne Division der US Army die Invasion der Normandie vor, und im „Kessel von Falais“ geht es darum, mit einer Handvoll deutscher Soldaten tausenden Kameraden die Flucht zu ermöglichen.

Ich hatte einen Kameraden
Die Kampagnen lassen sich bequem in wenigen Stunden durchspielen, sind allerdings gewohnt hochwertig präsentiert, spannend inszeniert und in höheren Schwierigkeitsstufen auch recht fordernd. Insgesamt acht neue Fahrzeuge sind zwar ganz nett, aber auch nicht gerade ein umwerfender Fuhrpark, der für sich stehend den Kauf rechtfertigen würde. Seine wahren Stärken spielt „Tales of Valor“ erst in den unscheinbar wirkenden Mehrspielermodi aus. Hinter den leicht militant klingenden Namen „Operation Panzerkrieg“, Operation Steinwall“ und „Operation Sturm“ verbirgt sich eine Menge Spielspaß. Der Panzerkrieg ist dabei noch die simpelste Version des Mehrspielerspektakels; hier kommandiert jeder für sich einen einzelnen Panzer, den er vor dem Gefecht auswählen kann, und denn heißt es: jeder gegen jeden. Im Sturm hingegen stehen sich gut verschanzte Parteien gegenüber, doch am interessantesten wird es im Steinwall-Modus. Hier müssen die Spieler kooperativ eine KI-Angriffswelle nach der anderen abwehren, und das ist ein Mordsspektakel. Das liegt nicht zuletzt an den alten Werten, die „Company of Heroes: Tales of Valor“ sich bewahrt hat.

In der Kürze liegt die Würze?
An erster Stelle steht die knackige KI, die dem Spieler regelrecht einheizen kann. Der Computer nutzt die Deckungsmöglichkeiten der Umgebung geschickt aus, und auch Rückzug ist für die KI kein Fremdwort, wenn die Luft brennt. Die Physikengine und die Spezialeffekte gehören nach wie vor zum Schönsten, was das Genre zu bieten hat. Die bewährte „Essence“-Engine muss also noch nicht fürchten, ein Opfer der Abwrackprämie zu werden. Auch die integrierte Havoc-Physikengine leistet sehenswerte Arbeit: Zäune bersten, Gebäude stürzen Stück für Stück ein, und getroffene Soldaten wirbeln dank Ragdoll-Physik glaubwürdig durch die Luft. Sogar Gliedmaßen reißen ab und fliegen durch die Gegend, was nichts an der US-16-Einstufung ändert. Ein großer Kritikpunkt an der Vorschauversion wurde außerdem ausgeräumt: die Vertonung. Während Musik und Soundeffekte schon damals ordentlich aus den Boxen krachten, war die englische Sprachausgabe ein krudes Denglisch, das uns die Haare zu Berge stehen lassen hat. In der deutschen Version wurde dieses Manko glücklicherweise beseitigt, so dass man sich nicht mehr für die Synchronsprecher fremdzuschämen braucht. Trotzdem warten die Sprecher eher mit Durchschnittsstimmen auf und reißen nicht gerade mit, ganz zu schweigen von den sich häufig wiederholenden Samples.

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