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Strategische Witzfiguren

06.11.2008 | PC | Autor: Hauke

Wir schreiben das Jahr 1946, die siegreichen Alliierten sind mit dem Ausgang des Zweiten Weltkrieges zwar zufrieden, wollen die zahllosen Opfer aber nicht einfach so hinnehmen. Zum Glück schafft Physikgenie und Strubbelkopf Albert Einstein es, eine Zeitmaschine zu entwickeln. Sofort begibt sich ein Zeitreisender auf die Mission, Hitler vor seinem Machtantritt zu eliminieren. Dieses Manöver ist so clever wie kurzsichtig, denn jetzt ist Stalin das große Problem, und der Krieg fegt trotzdem über Europa hinweg. So klang die alternative Realität im Jahre 1996, als Westwood und Electronic Arts „Command & Conquer: Alarmstufe Rot“ veröffentlichten. Im zweiten Teil, der 2000 auf die Hobby-Generäle losgelassen wurde, griff die UDSSR dann Amerika direkt an. So wundert es kaum, dass der Ost-West-Konflikt auch im dritten Ableger der Serie wieder aufgegriffen wird, wobei das Reich der aufgehenden Sonne, Japan, hier als dritte Partei in den Krieg eingreift. Was die Alliierten können, vollbringen die Russen schon lange: Ein weiterer Zeitreisender, dieses Mal mit Hammer und Sichel dekoriert, begibt sich auf seine tödliche Mission, um Einstein aus dem Weg zu räumen und so den Bau der US-Atombombe zu verhindern.

Lieber rot als tot?
Schon das Menü macht klar, woher in „Alarmstufe Rot 3“ der Wind weht. Die rote Hintergrundfarbe und die zackige Marschmusik kündigen eine steife Brise aus dem Osten an. Bevor wir uns auf die Kampagne stürzen, werfen wir einen Blick auf die ausführlichen Tutorialmissionen. Sofort sticht die ungewohnte Grafik ins Auge. Statt einer realistischen oder düsteren Spielwelt geht es hier quietschbunt und comichaft zu, und neben dem gewohnten Trashfaktor kommt auch der Humor nicht zu kurz. Schon in der ersten Übungsmission sitzen drei Ausbilder in ihren Panzern und tragen Meinungsverschiedenheiten mit spitzfindigen Dialogen und schwergewichtigen Kalibern aus, die sie sich um die Ohren ballern. Sind die Albernheiten beendet, stellt sich heraus, dass die dezenten Änderungen im Gameplay zwar intuitiv bedienbar, aber dennoch spielentscheidend sind. So hat jede Einheit eine Spezialfähigkeit, ohne die sich viele Spielabschnitte nicht bezwingen lassen.

Trashperle
Der Trashfaktor im Spiel ist angenehm hoch. Dafür sorgen die abgedrehte Story und die kultigen Videosequenzen.

Abgesehen davon funktioniert der neueste „Command & Conquer“-Spross größtenteils wie seine Vorgänger. Per Linksklick oder gezogener Box lassen sich Einheiten anwählen, mit Rechts werden Befehle erteilt, und beide Maustasten gleichzeitig gehalten ermöglichen die Fortbewegung in Formation.

Verrückte Vergangenheit
Kaum haben wir die Kadettenakademie hinter uns gebracht, lacht uns schon der russische Premierminister Cherdenko an.

Tim Curry, auch bekannt als Frank'n'Furter aus der „Rocky Horror Picture Show“, liefert in dieser Rolle eine Glanzleistung ab. Ihm zur Seite steht General Nikolai Krukov, gespielt von Andrew Divoff, den die Meisten von seinen Auftritten als Mikhail Bakunin in „Lost“ kennen dürften. Zu dem hochkarätigen Casting gesellen sich bei allen Parteien diverse Schönheiten, die knapp bekleidet Aufklärungsarbeit leisten. Dabei geht es weniger um Bienchen und Blümchen als vielmehr um die Missionsbesprechungen, von denen die Damen mit ihren knappen Röckchen und tiefen Ausschnitten erfolgreich ablenken, während sie uns mit aufreizender Stimme unsere Auftragsdetails mitteilen.

Die russischen Einsatzkräfte konzentrieren ihre Stärken vor allem auf die Kriegsführung zu Lande, wobei die meisten Einheiten amphibisch einsetzbar sind. Geradezu beispielhaft ist der Truppentransporter Bullfrog, der sowohl am Ufer als auch in Gewässern heimisch ist.

Tempo statt Taktik
„Alarmstufe Rot 3“ spielt sich rasant, ist aber strategisch weniger anspruchsvoll.

Im Gegensatz zu seinem natürlichen Pendant hüpft das Fahrzeug nicht durch die Gegend, sondern rollt konventionell auf Rädern umher. Als Besonderheit kann er seine Passagiere im hohen Bogen in die Luft schießen. Infanteristen erreichen so am Fallschirm baumelnd schwer erreichbare Ziele. Außerdem holt der kleine Fliegenfresser feindliche Lufteinheiten vom Himmel; Bodentruppen steht er jedoch völlig hilflos gegenüber. Anhand dieser Tatsache lässt sich schon erahnen, dass das Stein-Schere-Papier-Prinzip einmal mehr im „Command & Conquer“-Universum angewandt wird. Die wenigen universell einsetzbaren Einheiten sind eher schwächlich und nur in großen Mengen gegen stärkere Ziele einsetzbar.

Spezialisierte Einheiten hingegen richten auch alleine großen Schaden gegen bestimmte Truppentypen an, sind allerdings immer auch aus irgendeiner Richtung leicht verwundbar. Der Weg zum Sieg führt also eher über den richtigen Truppenmix als über stumpfe Massenproduktion. Auffällig ist, dass der Seekrieg einen wesentlich größeren Stellenwert einnimmt als in allen anderen bisherigen „C&C“-Spielen. Jede Nation verfügt über U-Boote und schwere Kriegsschiffe, sogar ganze Basen können im Wasser errichtet werden.

Der Kapitalismus schlägt zurück
Den Russen stellen sich traditionell die Amerikaner entgegen. In „Alarmstufe Rot 3“ ist Präsident Howard T. Ackerman der oberste Befehlshaber der USA und steht, was komische Auftritte angeht, weder seinen russischen Amtskollegen noch George W. Bush im Geringsten nach. Kein Wunder, schließlich kann man sich derzeit in den Kinos von den humoristischen Qualitäten des Schauspielers J.K. Simmons überzeugen, der als CIA-Chef in „Burn After Reading“ auftritt. Befehle des Präsidenten gibt Field Marshall Robert Bingham an uns weiter. Schauspieler Jonathan Pryce kennt man als Gouverneur Swann aus den „Fluch der Karibik“-Filmen.

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