Civilization IV
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- Publisher: Take 2 Interactive
- Entwickler: Firaxis
- Genre: Rundenbasierte Strategie
- Release: 27.10.2005
Die Welt ist mein
15.11.2005 |
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Autor: Michael
Eine alte Faustregel besagt: Nachfolger sind immer schlechter als das Original. Die Gegenthese hierzu beweist Hersteller Firaxis mit seinem rundenbasierten Dauerbrenner Civilization seit über zehn Jahren. Wie ein guter Wein reift dieses Spiel von Sequel zu Sequel vor sich hin. Jetzt wurde „Civilization 4“ durch Ziehvater Sid Meier zum ersten Mal einer Radikalkur unterzogen. Eine neue dreidimensionale Darstellung und ein optimierter Spielfluss sind das Resultat.
Mein Reich komme
4000 Jahre, bevor Gottes Sohnemann das Licht der Welt erblickt, gründen wir mit ein paar wilden Mannen unseres kleinen Volkes die allererste Siedlung. 6000 Jahre später erlangt diese durch Diplomatie, Kultur und Kriegskunst die Weltherrschaft. Fine. Doch dass der Weg das Ziel ist, wissen Konfuzius und Civilization-Fans seit jeher gleichermaßen. Und nie war es komfortabler, diesen Weg auf sich zu nehmen. Das Spielprinzip von „Civilization 4“ wurde entschlackt wie eine Hausfrau auf der Wellnessfarm und von Grund auf neu geschrieben. Zunächst einmal fällt die zeitgemäße 3D-Engine auf, welche euch bereits im Hauptmenü in Form eines rotierenden Globus begrüßt. Alles schön und gut, aber wir wollen endlich Tyrannei, Sklaverei, Krieg und die totale Macht. Also hinein in die Kampagne. Nachdem wir uns für Aussehen, Klima und Größe unseres Machtreservats entschieden haben, stehen uns insgesamt 18 Völker von A wie Amerikaner bis S wie Spanier zur Auswahl. Diese verfügen jeweils über eine besondere Technologie und stellen ein bis zwei potenzielle Herrscher zur Auswahl. Beispielsweise dürfen wir als Deutscher mit Bismarck oder Frederick vorlieb nehmen, während uns bei den Azteken lediglich Montezuma seine Dienste anbietet. Schade, dass hier manche Nationen eingeschränkt wurden. Die Staatsoberhäupter unterscheiden sich nämlich in persönlichen Merkmalen wie beispielsweise Aggressivität, Kreativität oder Spiritualität. Je nachdem könnt ihr eure Spielweise gestalten und so die Stärken eures Alter Ego nutzen. Haben wir unsere Vorauswahl abgeschlossen, finden wir uns nach ein wenig Erdkunde zum Thema Weltentstehung bei unserem Startplatz wieder. Sofort fällt wie zuvor im Hauptmenü die schicke 3D-Grafik auf, welche Flora, Fauna und unsere Einheiten lebendiger als je zuvor gestaltet.
Weißwurst und Spiele
Wer hat behauptet, das Collosseum läge nicht in München? Erdkunde Sechs. Setzen!
Gewaltherrschaft oder Kuscheldemokratie
Firaxis vierter Streich gestaltet sich zugänglicher als alle Vorgängertitel zusammen. Anfangs stehen uns wie gewohnt ein Siedler und ein Späher zur Verfügung. Es lohnt sich, nach einem nahe liegenden, optimalen Ort für eine Siedlung Ausschau zu halten. Je mehr Schilde, Nahrung, Einkommen und Boni, desto besser ist dieser selbstverständlich geeignet. Sobald wir unsere Zelte aufgeschlagen und den Späher auf Erkundungstour geschickt haben, bauen wir in unserer Siedlung die erste Einheit oder ein Gebäude. Des Weiteren empfiehlt uns das Forschungsfenster zwei Technologien. Dabei werden, und das ist neu, bei allen Forschungsobjekten Tendenzen wie Wirtschaft, Wachstum und Militär angegeben. Das erleichtert nicht nur dem Einsteiger die Entscheidung über die insgesamt 85 Erfindungen. Eine weitere Innovation ist der Wegfall von zeitaltergebundener Forschung. Ihr dürft jede Forschung jederzeit anstreben, falls ihr deren Voraussetzungen im Forschungsbaum bereits habt.
Jetzt ist die erste Runde abgeschlossen. In den nachfolgenden solltet ihr zudem Bautrupps rekrutieren, welche euch Zugang zu 36 Rohstoffen verschaffen und bis zu 20 Modernisierungen errichten. Im Groben wird der Aufbau zunächst ruhig und gemütlich verlaufen. Dafür habt ihr im fortgeschrittenen Spielverlauf mehr zu tun als eure Sklaven im Steinbruch. Mit der Entdeckung fremder Zivilisationen spinnt ihr diplomatische Intrigen, betreibt Handel, führt Kriege und haltet nebenbei euer Volk bei Laune. Neu hinzugekommen ist zudem das Religionsfeature.
Wozu Google Earth?
In der höchsten Zoomstufe können wir gottgleich über unser Empire blicken. Ein erhebendes Gefühl - und praktisch noch dazu!
Ihr dürft mit Missionaren eure Städte vom Judentum, Christentum, Buddhismus und vier weiteren Glaubensrichtungen überzeugen. Außerdem könnt ihr euch durch andere Kulturen bekehren lassen, um mit deren Herrschern im Namen des Glaubens gemeinsame Sache zu machen. Neben der Religion gibt es auch im Bereich Staatsform Neuerungen. In fünf Kategorien, bestehend aus Regierung, Recht, Arbeit, Ökonomie und Religion lassen sich beispielsweise Polizeistaat, Bürokratie, Leibeigenschaft, Staatseigentum und organisierte Religion miteinander kombinieren. Was hier klingt wie der schlimmste Albtraum, führt in konkretem Fall zu einer produktiven Gesellschaft in den Bereichen Gebäude, Modernisierung und Militär.
Massenvernichtungswaffen
Das Militär ist wichtig, solltet ihr mit einer gegnerischen Nation auf Kriegsfuß stehen oder euch die kulturelle Eroberung zu langweilig sein. Verteidigen zu Beginn noch Krieger und Bogenschützen eure Ländereien, dürft ihr mit den passenden Rohstoffen, Gebäuden und Technologien schlagkräftige Ritter, Panzer oder Bomber ausbilden. Modern bedeutet natürlich auch besser, allerdings habt ihr auch mit älteren Einheiten noch eine Chance, euer Hab und Gut zu schützen. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Solltet ihr den Gegner besiegen, wartet auf eure Einheiten eine Beförderung. Diese lässt sich im Gegensatz zu „Civilization 3“ selbst aussuchen. Für gewöhnlich könnt ihr hierbei zwischen Boni wie Stärke oder Verteidigungsfähigkeiten wählen. Die Reichweite aller Militäreinheiten ist pro Runde limitiert. Bis auf eine Ausnahme, die Atombombe. Einmal gebaut, lässt sie sich überall einsetzen. Gleichzeitig mit fatalen Folgen. Das attackierte Territorium wird verstrahlt und muss mühsam wiederhergestellt werden. Im Falle eines UN-Hauptgebäudes können euch andere Nationen mit einem generellen Atomwaffensperrvertrag überstimmen.
Mechanismen der Macht
Zwar spielt die künstliche Intelligenz deutlich fairer als im Vorgänger, jedoch macht ein Sieg gegen machthungrige Mitmenschen nach wie vor am meisten Spaß. Egal ob via LAN, Internet, gemeinsam an einem Rechner oder per E-Mail, gespielt werden kann immer und überall. Die Rundenbasiertheit erleichtert längere Partien, im Falle eines E-Mail-Spiels eignet sich „Civilization 4“ sogar für längere Kaffeepausen. Die Präsentation ist gut gelungen. Zwar setzt die Grafik keine neuen Maßstäbe, sie ist aber dennoch schön und zweckmäßig. Lediglich die Animationen wirken hölzern. Ansonsten kündigen kleine Einspieler fertig gestellte Wunderwerke wie zum Beispiel Hollywood oder die eben erwähnten Vereinten Nationen an, gesprochene Zitate und Originalsprachen aller Völker lockern die Sprachausgabe auf. Auch die Hardwareanforderungen sind absolut in Ordnung. Selbst mein zwei Jahre alter Laptop geriet bei diesem Strategieschwergewicht nicht ins Schwitzen.




