Call of Duty: Black Ops
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- Publisher: Activision
- Entwickler: Treyarch
- Genre: Ego-Shooter
- Release: 09.11.2010
Treyarch kann es auch!
09.11.2010 |
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Autor: André
Überraschung gelungen! Eigentlich erwartete ich von Treyarch wieder ein Spiel wie einen Mittelklasse-Wagen: kein Ferrari, dafür beim gleichen Preis so vollgestopft mit Extras, dass man es trotzdem gerne fährt. Aber nichts da: „Black Ops“ ist tatsächlich eine würdige Fortsetzung von „Modern Warfare 2“ und bietet sogar mehr Abwechslung und bessere Handlung in der Einzelspieler-Kampagne. Dass der Mehrspieler-Modus derweil nur durch vergleichsweise zaghafte Innovationen besticht, verzeiht man da gern, zumal es noch einen schicken Zombie-Survival-Koop-Modus obendrauf gibt. Nur eines schwant uns heute schon: die Horden an Download-Content, die Activision mit Sicherheit bereits breit grinsend auf seinem Schoß streichelt wie Ernst Stavro Blofeld seine Langhaar-Katzen.
Die Geschichte des Kampagnen-Teils von „Black Ops“ beginnt in einem düsteren Raum, vollgestopft mit 60er-Jahre-Technik. Röhrenbildschirme, Schaltpulte voller dicker Knöpfe und surrende Magnetbänder zeigen uns, was man vor 50 Jahren noch für futuristisch hielt. Unser Held, Alex Mason, ist an diesem Ort gefangen, festgeschnallt auf einem Stuhl wie ein Zahnarztpatient, der zu lange seine Praxisgebühr geprellt hat. Über sich erkennt er ein paar schemenhafte Gestalten, die ihm über blechern klingende Lautsprecher immer wieder die gleiche Frage stellen: „Was bedeutet der Zahlencode?“ Genau dieser Frage geht der Spieler in „Black Ops“ nach – ganz ohne Ausflug auf eine Südseeinsel mit Rauchmonster und mit einer leicht befriedigenderen Antwort am Ende. Erzählt wird die Geschichte hinter den mysteriösen Ziffern dabei in Rückblenden, in die der von seinen Entführern mit Drogen vollgepumpte Mason immer wieder wegdämmert. Um sein möglicherweise von den Sowjets gewaschenes Gehirn wieder unter Kontrolle zu bekommen, muss sich Mason nämlich der Reihe nach an die Ereignisse erinnern, die ihn mit den ominösen Nummern in Kontakt brachten.
Die spielbaren Rückblenden führen uns fortan quer über den Globus von einem Undercover-Einsatz Masons zum nächsten. Hier und da springt die Handlung auch mal in die Körper anderer Figuren, wie man das aus „Call of Duty“ kennt. Aber Mason ist die klare Hauptfigur. Während er selbst dabei jedoch nur als leidender Gefangener wirklich in Erscheinung tritt, stehen uns erstmals zwei klar umrissene Charaktere zur Seite, einer davon sogar richtig glaubwürdig umgesetzt. Da ist einmal unser CIA-Kontakt, Hudson, mit dem wir so manchen Einsatz durchstehen. Er ist der typische eiskalte Mann für düstere Spezialeinsätze. Ein Klischee, aber gut gemacht. Die andere Figur ist Victor Reznov, ein russischer Soldat, dem wir früh im Spiel in einem russischen Höllenknast begegnen. Zu Victor knüpft Mason während seiner Zeit im russischen Gulag, der darauf folgenden Flucht und einigen weiteren Einsätzen ein enges, freundschaftliches Verhältnis.
Der vom Leben zerrüttete Veteran ist die vermutlich erste Figur in allen „Call of Duty“-Ausgaben, die tatsächlich so was wie eine echte Persönlichkeit entfaltet. Eine willkommene Neuerung. Davon abgesehen bleibt die Serie aber bei ihren Wurzeln und präsentiert Popcorn-Action am laufenden Band. Indem es den Spieler bis kurz vor Schluss stets nur die Erinnerungen von Mason nachspielen lässt, kann das Spiel sich diesmal jedoch einen Kunstgriff erlauben: den Zeitsprung. Davon macht „Black Ops“ reichlich gebrauch und schneidet der Handlung damit praktisch alles Fett von den Rippen. Sobald man irgendwo mal ein paar Meter nur laufen müsste oder auch nur ein Minütchen Leerlauf droht, wird sofort weggeblendet.
Auch wenn die deutsche Version geschnitten ist: Das Spiel bleibt auch hier ziemlich hart, wie diese Szene belegt.
Beispielsweise habt ihr euch gerade durch eine Raketenanlage geballert und müsstet nun eigentlich einen Teil des Weges zurückgehen, um mit dem Einsatz fortzufahren. Doch stattdessen springt die Handlung kurz zu Mason zurück, der erzählt in wenigen Worten, was passiert, und es geht direkt in der nächsten Actionsequenz weiter. Insbesondere beim Einstieg in neue Szenarien beweist Treyarch dabei ein gutes Händchen für spektakulär komponierte Bilder. Egal ob ihr vor einer Pipeline in der Eiswüste Sibiriens einsteigt oder in den Dschungeln Vietnams: Das erste Panorama, das ihr seht, wenn ihr in ein neues Gebiet einsteigt, löst zuverlässig euer Kiefer-Scharnier.
Zusammen mit der optischen Abwechslung ist auch der spielerische Speiseplan so unvorhersehbar wie in einem französischen Restaurant, sobald man dort bemerkt hat, dass ihr Deutsche seid. Natürlich wird vorwiegend geballert. Mit Schrotflinten und Sturmgewehren, aber ja. Doch es gibt auch Sequenzen, in denen ihr ein Schnellboot über einen Fluss in Vietnam steuert, während „Sympathy for the Devil“ aus den Lautsprechern dröhnt. Es gibt einen Abschnitt, in dem ihr panisch aus einer sinkenden Unterwasser-Station flüchtet, eine brutale Infiltrationsmission in einem vietnamesischen Gefangenenlager, ein Attentat auf Kuba, einen Einsatzflug in einem Kampfhubschrauber und eine coole kleine Mission, in der ihr ein Team erst auf dem Bildschirm eines Spionageflugzeugs befehligt und dann bei Feindkontakt direkt nach unten geschaltet wird, wo ihr am Feuergefecht teilnehmt. Verbunden mit einer immer noch erstaunlich hübschen Grafikengine, deutlich verbesserten Explosionseffekten und zumindest ein bisschen Umgebungsphysik macht das eine richtig gelungene Mischung. Nur eines hat „Black Ops“ praktisch gar nicht: diese Art von realistischer, bedrückend atmosphärischer Mission, für die „Call of Duty: Modern Warfare“ einst berühmt wurde. Das legendäre Sniper-Level in der Geisterstadt Prypiat, der Soldat, der verseucht und sterbend aus seinem Hubschrauber kriecht – „Black Ops“ kriegt nichts dergleichen auf den Schirm. Stattdessen versucht sich Treyarch lieber an kontroversen Schauwerten, die an den „No Russian“-PR-Coup von „Modern Warfare 2“ erinnern. Neben einigen sehr brutalen „Stealth Kills“ stechen vor allem zwei Szenen hervor. In der einen müsst ihr einen Gefangenen foltern, in der anderen könnt ihr schlafenden Vietnamesen in widerlich expliziter Weise die Kehlen durchschneiden. Zumindest in der ungeschnittenen Fassung, denn die deutsche Ausgabe von „Black Ops“ ist stark zensiert.




