- Bully: Die Ehrenrunde
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- Publisher: Rockstar Games
- Entwickler: Rockstar Vancouver
- Genre: Action-Adventure
- Release: 07.03.2008
Klassenkeile
12.11.2008 |
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Autor: André
So langsam aber sicher rutscht unser geliebter PC bei immer mehr Spielen ans Ende der Verwertungskette. Das schlägt sich zum einen in deutlich längeren Wartezeiten nieder. Veröffentlichungen wie die von „Halo 2“, Jahre nach der Erstveröffentlichung oder Monate später wie bei „Gears of War“, sind zum Glück noch Ausnahme. Doch die Fälle häufen sich. Aktuell auf der Liste mit der Überschrift „Ach, auch schon fertig?“: Take 2 mit ihrer PC-Umsetzung von „Bully“. Aber besser spät als nie. Und gerade das humorige Action-Adventure über den schnoddrigen Jimmy, der sich mit des Spielers Hilfe durch Pubertätsprobleme und Schulalltag boxen muss, ist durchaus spielenswert. Wären da nicht – trotz der langen Wartezeit – schludrige Mängel in der Umsetzung.
Wir sprechen Faust. Fließend!
Der Spielbeginn von „Bully“, das in der leicht erweiterten Fassung „Die Ehrenrunde“ vorliegt, zeigt euch gleich, wo’s lang geht. Jimmy wird vor den Toren der „Bullworth“-Academy in Empfang genommen und darf sich beim stocksteifen Direktor samt dessen nach oben Speichel leckenden, nach unten tretenden Sekretärin vorstellen. Von hier an steuert ihr Jimmy durch die Schule, den umliegenden Campus und später auch auf Missionen in der nahegelegenen Stadt. Die Steuerung des Spiels ähnelt der in „Grand Theft Auto“: Aus der Verfolgersicht führt ihr Jimmy durch die einigermaßen offene Spielwelt. Wo nötig, lasst ihr die Fäuste sprechen und haut euren Klassenkameraden mit verschiedenen nach und nach freischaltbaren Kombos auf die Gurke. Diese Kämpfe laufen meist sehr simpel ab und verlangen nur wenige Mausklicks und Tastenkommandos. Allein beim Kampf gegen mehrere Gegner kommt ihr ins Schwitzen, wenn ihr den Angreifern nicht geschickt aus dem Weg geht bzw. sie nach und nach umhaut.
Gründe zum Verdreschen gibt es reichlich. Ihr könnt Mitschüler vor anderen Klassenschlägern beschützen oder euch selbst einfach zum Spaß als Schrecken des Pausenhofs betätigen und dabei andere Jugendliche in den Spind sperren oder zum Mülleimer-Tieftauchen zwingen. Aber auch in so mancher Mission müsst ihr andere Figuren zur Kooperation überreden, und die einzige Sprache, die sie verstehen, ist „Faust“.
Flegelfall
Der Unfug, den Jimmy auf und neben dem Schulgelände treibt, ist auch auf dem PC prinzipiell sehr unterhaltsam.
Die große Stärke von „Bully“ sind dabei die verrückten Missionen und die Figuren, denen ihr begegnet. Von arroganten Sportler-Schönlingen über Nerds und Geeks bis hin zu Schulschönheiten und Cheerleadern reicht die Palette der Stereotypen. Doch all diese Gestalten sind so originell und witzig inszeniert, dass sich „Bully“ keinen Moment abgenutzt anfühlt. Dafür sorgen auch die abwechslungsreichen und toll ausgedachten Missionen. Egal ob ihr für einen Klassenkameraden dessen Freundin beschattet (hält sie etwa mit jemand anderem Händchen?) oder einen halbtrunkenen Weihnachtsmann zum Foto mit den Kindern überreden sollt, der Einfallsreichtum der Entwickler ist über weite Strecken ungebrochen und überaus unterhaltsam.
Hefte raus. Klassenarbeit!
Das gilt auch für die in dieser Version ausgebauten Unterrichtsstunden. Die bestehen aus den gleichen Minispielen, die auch schon die vor einigen Wochen nachgereichte Wii-Version bereicherten. Leider funktionieren sie auf dem PC nicht allesamt so gut wie mit dem Bewegungs-Controller der Nintendo-Konsole. In Biologie zum Beispiel müsst ihr möglichst schnell eine Reihe von Organen aus eurem Übungsfrosch heraussezieren. Auf dem PC ist das deutlich schwieriger innerhalb der vorgegebenen Zeitlimits zu schaffen als auf der Wii. In Mathe hingegen gilt es, ähnlich wie in „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“, möglichst flink simple Rechenaufgaben zu lösen. Für erfolgreich absolvierte Prüfungen gibt es Goodies wie schickere Klamotten oder neue Prügelkombos.
Während ihr all diesen Aktivitäten nachgeht, hat natürlich die Obrigkeit ein waches Auge auf euch. Wer den Unterricht schwänzt, sollte besser keinem Lehrer über den Weg laufen.
K.o.-Schlag
Gravierende technische Schwächen vermiesen den Spaß mit der PC-Umsetzung. Wer die Wahl hat, greift zur Konsolenfassung.
Und wer gar nach Einbruch der Dunkelheit noch in der Stadt unterwegs ist, muss sich in einer Stealth-Passage durch die düsteren Straßen schleichen, um nicht den Polizeistreifen in die Arme zu laufen. Die befördern abspenstige Jugendliche nämlich schneller zurück in die Schule, als diese „Alko-Pop“ sagen können. Später seid ihr auch auf Skateboard und Fahrrad unterwegs. Die Steuerung dieser Vehikel entpuppt sich aber als unpräzise und ein wenig übersensibel, was die entsprechenden Passagen schwierig zu meistern macht. Das wird noch verschlimmert durch eine anderweitig träge Maussteuerung der Kamera, die sich auch durch die Einstellungen im Optionsmenü nicht vollends beheben lässt. Wenn es darum geht, schnell zu reagieren, geratet ihr hier schnell ins Hintertreffen. Als Lösung bleibt nur der Umstieg aufs Xbox-Gamepad. Und nur darauf, denn andere Gamepads werden von „Bully“ erst gar nicht unterstützt.
Technik: Versetzung gefährdet
In technischer Hinsicht ist klar, dass man von einer Wii- beziehungsweise PS2-Portierung keine Wunder erwarten darf. Doch die grafischen Macken erschöpfen sich leider nicht in dürftigen Textur- und Polygondetails. Obendrauf gibt es unnötiges Texturflackern, einige merkwürdig überstrahlende Lichteffekte und den einen oder anderen Absturz. Am schwersten wiegen jedoch immer wieder auftretende Probleme mit der Framerate. So gerät „Bully“ – grafisch völlig ungerechtfertigt – immer mal wieder ins Stottern und ist in diesen Momenten nur schwer im Griff zu behalten. Das ist umso bedauerlicher, als „Bully“ mit seinem hervorragenden Grafikdesign eigentlich einen recht zeitlosen Look aufweist. Auch Jahre nach der Erstveröffentlichung ist das Spiel einfach immer noch cool anzusehen, die Animationen der Figuren sind gut gemacht, die Umgebungssounds und die englischen Synchronsprecher vorbildlich. All das hilft aber nichts, wenn es bei den grundlegenden Dingen nicht stimmt.
Wer „Bully“ noch nicht kennt, hat also definitiv etwas verpasst. Auf dem PC sollte man diese Wissenslücke aber nur dann schließen, wenn es gar nicht anders geht. Die neu aufgelegte Wii-Version ist hier deutlich besser gelungen.



