Borderlands 2
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- Publisher: Take 2 Interactive
- Entwickler: Gearbox Software
- Genre: Ego-Shooter
- Release: 21.09.2012
Vollsanierung
18.09.2012 |
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Autor: André
Wenn man die Fortsetzung zu seinem überraschenden Welthit plant, geht man in der Regel keine großen Risiken ein. Das gilt insbesondere dann, wenn an besagtem Welthit noch so einiges zu verbessern war. Entsprechend einfach könnten wir diesen Test abhandeln. „Borderlands 2“ ist eine rundum verbesserte Version des Rollenspiel-Shooters. Es ist eine sehr konservative Fortsetzung und ein-zwei Teile später wird eine solche „Update-Politik“ sicherlich zu Ausrufen von „Gähn!“ und „Schon wieder!“ führen. Doch in diesem Jahr ist „Borderlands 2“ genau das, was der Doktor verschrieben hat.
Das Spielprinzip an sich hat sich natürlich nicht verändert. Als so genannter „Vault Hunter“ begebt ihr euch auf der Such nach Schätzen und Reichtümern dorthin, wo normale Menschen nicht mal mit Vollgas durchfahren würden. Nein, wir reden nicht von Bochum, sondern von den fiesen Ecken des Fantasy-Planeten Pandora. In den weiten, post-apokalyptisch wirkenden Landschaften kriecht seit jeher an allen Ecken grimmiges, menschenfeindliches Viehzeug durch die Gegend. In „Borderlands 2“ ist das noch schlimmer geworden. Denn nun hat der selbstverliebte ehemalige Vault-Hunter „Handsome Jack“ damit begonnen, den Planeten mit seinen Bohrungen nach dem seltenen Mineral Eridium an den Rand des Kollaps zu führen. Seine Armee von Killer-Robotern sorgt derweil auch bei denjenigen für Ungemach, denen so was profanes wie der Weltuntergang eigentlich egal wäre.
Für uns Spieler macht das die Aufgabenstellung sehr intuitiv: Jack ausschalten um nicht mit ganz Pandora zu krepieren. Zu diesem Zweck fahren und laufen wir allein oder mit bis zu drei Mitspielern die meiste Zeit des Spiels durch die weiten Landschaften und ballern auf alles, was sich bewegt. Diesmal sind das unter anderem wieder die punkigen Endzeit-Banditen aller Geschmacksrichtungen, die direkt aus einem „Mad Max“-Film entkommen sein könnten. Auch die hundeartigen „Skags“ sind wieder mit dabei. Neu hinzugekommen sind insbesondere die mannigfaltige Roboterarmee von Handsome Jack, sowie natürlich eine Reihe anderer, bizarrer Kreaturen.
Die Grafik des Spiels ist erheblich moderner geworden: Detailliertere Texturen, bessere Lichteffekte, bessere Animationen.
Besonders schön zum Beispiel der „Goliath“, ein mutiertes Monster mit einem Kopf am Ende der Zunge. Ballert ihr ihn nicht ganz schnell über den Haufen, mutiert ein verletzter Goliath zu immer stärkeren Versionen. Der Vorteil: Ist ein Goliath erst mal ausgerastet, würde er sogar seine eigene Mutter mit Brille und Kinderwagen nicht verschonen. Im Zweifel ist selber umnieten aber besser, denn jeder Abschuss bringt Erfahrungspunkte sowie einige nützliche Gegenstände. Von Geld über Waffen bis hin zu Lebensenergie. In bester „Diablo“-Manier schießt man sich so über Stunden durch die Gegend.
Beseelt wird das Spiel gerade zwischen den großen Missionen von der Aussicht auf bessere Ausrüstung und erfreut den Spieler mit jedem Mikro-Fortschritt Richtung Stufenanstieg.
Diese erprobte „Suchtmechanik“ hielt Spieler schon im ersten „Borderlands“ hervorragend bei der Stange. Doch ansonsten bot das Spiel noch zu wenig. Der Nachfolger hat sich in dieser Hinsicht zum Glück stark weiterentwickelt. Vier unterschiedliche Charaktere bedienen auch diesmal praktisch jeden denkbaren Spielstil. Egal ob ihr am liebsten aus der Distanz Präzisionstreffer landet oder im Nahkampf draufdreschen wollt, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Im Vergleich zum ersten Teil ist jedoch die Spielweise jeder einzelnen Figur erheblich vielseitiger geworden. Attentäter Zero zum Beispiel kann sich beispielsweise auf den Fernkampf mit Scharfschützengewehren spezialisieren. Genauso lässt er sich aber dank seiner Tarn-Fähigkeit zum gefürchteten Nahkämpfer umschulen. In welche Richtung es geht, bestimmt der Spieler selbst, indem er beim Stufenanstieg Punkte in einem der drei Fähigkeitenbäume versenkt.
Wer auf Masse steht wird sich freuen zu hören, dass die Anzahl dieser Spezialfähigkeiten im Vergleich zum ersten Teil um rund ein Viertel angestiegen ist. Aber die starke Verbesserung, von der oben die Rede war, bezieht sich auf die Zusammenstellung dieser Fähigkeiten. Im ersten „Borderlands“ bedeuteten neue Skills meistens nur, dass irgendwelche Statistiken angehoben wurden. Mehr kritischer Schaden, mehr dies, mehr das. In „Borderlands 2“ gibt es diese Zahlenspiele natürlich auch noch. Doch viele der Superkräfte gehen deutlich über darüber hinaus und eröffnen euch völlig neue Spielweisen. Attentäter „Zero“ zum Beispiel kann eine Fähigkeit namens „Bore“ freischalten, die bei einem Gegner doppelten Schaden verursacht, wenn er durch einen vor ihm stehenden Feind hindurch abgeschossen wird.
“Rührende Geste“
In „Borderlands 2“ hat Gearbox ein ganz besonderes Easteregg versteckt. Monate vor Veröffentlichung des Spiels erreichte das Team die ungewöhnliche Bitte eines Fans namens Carlo. Dessen Freund Michael, ein riesiger „Borderlands“-Fan, war mit nur 22 Jahren an Krebs gestorben. Die sehnlich erwartete Fortsetzung würde er nie spielen können. Stattdessen bat sein Freund darum, dass Michaels geliebter Roboter „Claptrap“ aus dem Spiel einen kleinen Nachruf auf seinen Freund sprechen solle. Diese Email, so will es die Legende, landete bei Gearbox-Chef Randy Pitchford, der regelmäßig besonders bewegende Fan-Emails an sein Team weiterleitet. „Why we fight“, soll im Betreff dieser zur Motivation gedachten Mails stehen. Das Team bei Gearbox, gerührt von der Anfrage, zeichnete mit Claptrap-Sprecher David Edding den gewünschten Nachruf auf.
Michael Mamaril in 'Borderlands 2', entdeckt von den Kollegen bei IGN.com. Laut Randy Pitchford war es nie geplant, dass sein Claptrap-Nachruf im Internet landet.
Doch Gearbox ging über den Wunsch weit hinaus. Um ihren verstorbenen Fan post-mortem zu ehren, bauten sie Michael Mamaril als Bonuscharakter in das Spiel ein. In der Stadt „Sanctuary“ taucht er immer wieder zufällig auf, ein schwarzhaariger junger Typ mit Sonnenbrille, und hilft dem Spieler mit Gegenständen der Seltenheitsstufe blau oder höher auf die Sprünge. Sogar ein Achievement gibt es, wenn man Michael zu ersten Mal findet. „Tribute to a Vault Hunter“ heißt es, in der deutschen Version etwas holprig übersetzt als „Hommage an einen Kammerjäger“. Wie in Claptraps Nachruf versprochen, lebt Michael jetzt ewig, in den Borderlands.



