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Captain Scarlett und ihr Piratenschatz

15.10.2012 | Playstation 3 Xbox 360 PC | Autor: André

Ersteindruck:
82 - 82%
Selbst gespielt:
Ja selbst gespielt

Na, „Borderlands 2“ schon durch? Handsome Jack die Leviten gelesen, alle Bossmonster mehrfach zersiebt und gefühlte zwei Milliarden Roboter dem Altmetall zugeführt? Beschleicht euch langsam der bestürzende Gedanke, dass euch am Ende nur noch die Suche nach Vault-Symbolen und Fernrohren bleibt, um das Wochenende nicht mit echten Menschen verbringen zu müssen? Ganz ruhig. So weit muss es nicht kommen, denn eure fürsorglichen Dealer von Gearbox und 2K Games haben bereits die ersten Zusatzinhalte in der Hinterhand. „Captain Scarlett und ihr Piratenschatz“ ist das erste von vier bestätigten Add-ons und erscheint bereits morgen, am 16. Oktober.

Schon das erste „Borderlands“ gilt größtenteils als Musterschüler, was seine Download-Pakete angeht. Umfangreich, spaßig und fair im Preis sollen sie gewesen sein. Ein Modell, dem auch „Captain Scarlett“ gerecht werden will. Entsprechend serviert euch der DLC ein umfangreiches neues Areal, in dem ihr der typisch überdrehten Freibeuterin Scarlett auf der Suche nach einem sagenhaften Schatz zur Seite stehen könnt.

Die neue Spielumgebung ist super gelungen und geizt nicht mit kleinen Gags wie der Aufschrift 'Nice Parking' auf dem Rumpf des Schiffes.

Eine Aufgabe, die alle zu erwartenden Folgen nach sich zieht: Absurde Dialoge, wirre Charaktere, und Aufgaben, die häufig an der Grenze zur Monotonie enden und trotzdem Spaß machen.

Die Gegend, in die es unser Quintett von „Kammerjägern“ (danke, deutsche Version) verschlägt, nennt sich „Oasis“. Natürlich ist sie aber das Gegenteil von dem, was der Name suggeriert. Statt satter Palmen um ein kristallklares Wasserloch herum, erwartet euch eine ausgetrocknete Felslandschaft, die das Death Valley wie eine Werbesendung für Erfrischungsgetränke wirken lässt. Malerisch ist es dort aber dennoch, denn die zerklüfteten Felsformationen sind übersät mit verblichenen Schiffwracks, gestrandet, bevor das Wasser in „Oasis“ recht plötzlich verdampft sein muss. Ein großer Pluspunkt, da auch diese neue Umgebung im Grunde nur das typische „Borderlands“-Gemisch aus breiten, befahrbaren Wegen und felsigen Umgebungsgrenzen anbietet.

Die neuen 'Orchid'-Gleiter erinnern an den dritten 'Star Wars"-Film. Den 'richtigen' Dritten, versteht sich.

Doch die vielen verrotteten, zerbrochenen, verblichenen Überreste verleihen der Region einen mystischen Charme. Mehr als praktisch alle vorigen „Borderlands“-Areale erzählt „Oasis“ eine Geschichte und wirkt nicht wie Stangenware aus dem Kartengenerator fürs schnelle Geld. Als netten Bonus gibt es außerdem in dieser Gegend spezielle Fahrzeuge, die an die Sandgleiter aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erinnern.

Spielerisch tut sich hingegen eher wenig. Ein paar neue Gegner warten natürlich auf euch.

Viele von ihnen auf den ersten Blick aus der Kategorie „Banditen im Piratenkostüm“. Doch bei näherer Betrachtung gibt es ein paar sehr schöne neue Figuren in der Widersacherriege. Insbesondere der „Harpooner“ und sein Kollege „Anchorman“ sind originelle Dreingaben. Nicht nur, weil sie euch entsprechend ihrer Benennung mit Harpune beziehungsweise Anker nach dem Leben trachten.

Captain Scarlett ist eine Mischung aus Tiny Tina und einem echten Freibeuter, hat aber trotzdem vor allem viele Sammelquests im Angebot.

Insbesondere ihr Design ist hervorragend gelungen. Der wirkt mit seinen mit Metallspitzen besetzten Ankern als Waffe und dem breiten Helm wie eine „Borderlands“-Version des „Big Daddy“ aus „Bioshock“. Der andere erscheint mit seinem gewaltigen, von einer Harpune durchdrungenen Körper eher wie ein Mitglied der verfluchten Besatzung des Davy Jones aus „Fluch der Karibik 2“. Wenn man später in der Kampagne des Add-ons dann doch wieder auf einige Scharen der Hyperion-Roboter stößt, wünscht man sich, alle Gegner seien so fantasievoll und interessant gestaltet worden.

Das gilt in gewisser Weise auch für die Missionsaufgaben. Hier bleibt alles beim Alten, wenn euch Captain Scarlett losschickt, um mehrere verlorene Objekte für den Typen zu suchen, der uns eines von drei Teilen für den Kompass geben kann, der uns dann wiederum zum Schatz führen könnte. Man gurkt hierhin, rennt dorthin, und zwischendrin erschießt man alles, was zufällig oder absichtlich unseren Weg kreuzt. Zumindest was wir vom DLC bereits vorab spielen durften, machte nicht den Eindruck, als würde sich Gearbox wahnsinnig viel Mühe geben, den Spielablauf nicht mit solch endlosen Ketten von Billigmissionen zu strecken.

Zugleich bietet der Download aber auch einige echte Highlights.

Der 'Anchorman' ist im Englischen ein nettes Wortspiel. Eigentlich bezeichnet das Wort den Hauptmoderator einer Sendung,

Eine ganze Reihe von Missionen erzählen wunderbar abgedrehte und ironische Geschichten. Etwa, wenn ihr für einen Zensurroboter schlüpfriges Material sicherstellen sollt oder auf die Jagd nach Raubkopierern geht. Oder wenn ihr die auf Kassette gesprochenen Liebesgedichte eines verwirrten Verehrers von Captain Scarlett wieder einsammeln müsst. Oder wenn euch ein etwas größer geratenes Monster in bester „Gears of War 2“-Manier einfach verschluckt. Auch viele der weiteren Spielorte sind toll gemacht. Ein irrsinnig hoher Leuchtturm etwa, bei dem ihr hoch über Pandora gegen einfallende Piratentruppen kämpfen müsst. Oder das Städtchen unter einem gestrandeten Tanker, dem jemand „Nett eingeparkt!“ auf den Rumpf geschrieben hat.

Im Vergleich zum Hauptspiel hat der 9,99 Euro teure Download-Inhalt also eine deutlich höhere Dichte an erinnerungswürdigen, überraschenden und spaßigen Erlebnissen zu bieten. Da er außerdem neue Waffen und Badass-Errungenschaften mitbringt, mit ungefähr zehn Stunden Spielzeit sehr ordentlich bemessen ist und am ungeheuer spaßbringenden Grundprinzip natürlich nichts ändert, gibt es für zufriedene „Borderlands 2“-Besitzer keinen Grund, nicht zuzugreifen. Hätte 2K allerdings seine fünfte Charakterklasse in diesen DLC integriert, statt sie als Vorbestellerfutter zu verschleudern, wären wir vermutlich richtig begeistert gewesen.