Borderlands 2
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- Publisher: Take 2 Interactive
- Entwickler: Gearbox Software
- Genre: Ego-Shooter
- Release: 21.09.2012
Ich will was anderes mit dem Leben anfangen
10.01.2013 | Autor: André
Andre: Was ist denn dein persönlicher Standpunkt? Wirst du von neuen „Call of Duty“-Ausgaben noch gut unterhalten?
Randy Pitchford: Teilweise, ja. Klar, da gibt es nicht mehr viele Überraschungen. Aber ich habe nach wie vor großen Respekt vor der Reihe. Okay, ich muss ehrlich zugeben: „Modern Warfare 3“ hab ich mir erst Anfang dieses Jahres gekauft und hab dann die Kampagne an einem Wochenende durchgespielt, mehr nicht. Aber das hat Spaß gemacht, ja. „Black Ops“ habe ich sogar erst im Juni angefangen und dann nach der Hälfte aufgehört. Was die Story angeht, könnte das sogar der beste Teil bisher sein. (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde vor der Veröffentlichung von „Black Ops II“ durchgeführt.)
Andre: Warum hast du dann ausgerechnet das nicht beendet?
Randy Pitchford: Ich weiß auch nicht. Das war einer dieser Fälle: Du spielst, es macht Spaß, du gehst was essen, dann machst du was anderes, und irgendwie bleibt es liegen.
Andre: Aber mal ehrlich: Du würdest auch „Call of Duty“ spielen, wenn dich die Spiele langweilen würden …
Randy Pitchford: Ja, das stimmt. Die Reihe ist einfach so unglaublich erfolgreich. Ich hätte schon das Gefühl, einen wichtigen Referenzpunkt zu verpassen, wenn ich die Spiele nicht kennen würde.
Andre: Kannst du uns eigentlich erklären, warum „Call of Duty“ ein solch unglaublicher Erfolg geworden ist? Klar, die Spiele sind gut. Insbesondere was Konsolen-Shooter angeht. Aber warum ist ausgerechnet „Call of Duty“ diese Godzilla-Marke geworden?
Randy Pitchford: Na ja, ich habe ja oben schon angefangen, das zu erklären. Vorneweg: Die Spiele sind echt gut. Insbesondere für Gelegenheitsspieler. Wenn jemand nur einen Shooter pro Jahr oder sogar alle zwei bis drei Jahre spielt, dann ist das eine echt gute Wahl. Gilt übrigens auch für „Borderlands“, wie wir festgestellt haben, weil es sehr einsteigerfreundlich ist. Oder auch für „Gears of War“ oder „Halo“. Die sind alle sehr einfach zugänglich. Das gleiche gilt für das Thema von „Call of Duty“. Auch das ist sehr einfach verdaulich. Die Idee von Soldaten im Krieg ist vielleicht die simpelste und langlebigste unter all den typischen Fantasien, die Spiele abbilden. Dazu kommt, dass hinter „Call of Duty“ ein ungeheuer erfahrener und effizienter Apparat im Bereich des Publishings und der Produktion steckt. Wir können zum Beispiel inzwischen unsere Uhren danach stellen, dass im November ein neues „Call of Duty“ erscheint. Das mag dem einzelnen Spieler völlig egal sein, aber die ganze Verkaufsmaschinerie liebt diese Zuverlässigkeit, diese Berechenbarkeit.
Andre: Das wirst du näher erläutern müssen, damit unsere Leser es verstehen …
Und dann klopfte jemand an Randys Tür und fragte: 'Wollen Sie diesen Koffer voll Gold?' und er so: 'Ich seh da nichts zu erreichen'
Randy Pitchford: Na ja, als Händler hängt deine Existenz davon ab, dass du Spiele einkaufst, die sich dann weiterverkaufen lassen. Doch viele neue Spiele sind einfach nur große Fragezeichen in dieser Hinsicht. Du gehst ein Risiko ein, wenn du sie kaufst. Eine Reihe wie „Call of Duty“ hingegen, die dermaßen zuverlässig einschlägt wie eine Bombe, das ist eine deiner seltenen Gewissheiten. Hier kannst du drauf wetten, dass sich die Spiele verkaufen und lange ihren vollen Preis beibehalten. Das bedeutet, die Händler machen viel mehr Werbung, viel mehr Verkaufsaktionen, kaufen viel mehr Ware ein, und, und, und. So wird das mit der Zeit fast zur selbsterfüllenden Prophezeiung, weil für „Call of Duty“ macht jeder die dicke Vorverkaufsaktion, hängt jeder die Poster ins Fenster. Weil es keine andere Marke gibt, die so erfolgreich ist, wird auch für kein anderes Spiel dieser Aufwand getrieben, und mittlerweile läuft diese Maschinerie fast von allein. Womit ich nicht die Leistungen auf der Publishing-Seite schmälern will.
Diese Spiele in derart zuverlässiger Taktung in dieser gleichbleibend hohen Qualität zu veröffentlichen, ist eine enorme Leistung!
Andre: Würdest du ein „Call of Duty“ machen wollen? Wenn Activision zu dir käme und sagte: „Hey, wir machen das jetzt mit drei Entwicklungsstudios, statt zwei!“, was würdest du sagen?
Randy Pitchford: Tatsächlich waren sie schon da.
Andre: Wirklich? Und du hast tatsächlich abgelehnt?
Randy Pitchford: Ja, das ist nichts für mich.
Stattdessen haben sie einfach mit 'Borderlands' ihre eigene Gelddruckmaschine erfunden. Auch nicht verkehrt.
Andre: Warum?
Randy Pitchford: Ich sah einfach nicht, was es da noch zu erreichen gab. Für mich gibt es zwei Szenarien, in denen ein Projekt für Gearbox Sinn macht: Erstens, wenn es das Spiel ohne uns einfach nie gegeben hätte. Oder zweitens, wenn wir zu einer existierenden Marke etwas Neues beitragen können, eine Art einzigartige Perspektive oder einen neuen Ansatz. Aber das war hier nicht der Fall. Ich denke, um den Leuten das „Call of Duty“ zu liefern, das sie wollen, muss man nach den Regeln der Serie spielen. Man muss tun, was von einem „Call of Duty“ erwartet wird. Darin sehe ich aber keine echte Herausforderung für uns. Es würde unseren Ruf als Studio nicht weiter ausbauen, es wäre nicht wirklich motivierend für unser Team.
Andre: Was wäre, wenn sie dir einen Ableger angeboten hätten? Angeblich sollen die Jungs von Sledgehammer Games ja an einem Third-Person-Actionspiel im „Call of Duty“-Universum gearbeitet haben, bevor sie nach dem Weggang eines Teils von Infinity Ward den Feuerlöscher für „Modern Warfare 3“ spielen mussten. Wäre das was für Gearbox?
Randy Pitchford: Na ja, weißt du, mir gehört die „Brothers in Arms“-Marke. Die haben wir erschaffen. Wenn wir so ein Spiel machen wollten, dann doch eher unter dieser Flagge.
Andre: Das klingt insgesamt nicht so begeistert.
Randy Pitchford: Es wäre einfach nichts für uns. Das ist aber eine sehr individuelle Sache und soll nicht herablassend klingen.
Wir danken Randy Pitchford für die viele Zeit, die er in das zugrundeliegende Interview gesteckt hat. Außerdem Daumen hoch für 2K Games, die uns erlaubt haben auf dem von ihnen vermittelten Interview-Termin stundenlang über die Produkte anderer Hersteller zu reden. Ohne diese freundliche Unterstützung wäre diese Reihe unmöglich gewesen. Bitte beachtet, dass das Originalgespräch inzwischen mehrere Monate zurück liegt und deswegen vielleicht einige Aussagen von Randy nicht mehr ganz dem aktuellen Stand entsprechen. Bungies neues Projekt, beispielsweise, war zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht angekündigt
Bisher bei "Frag Randy"
Na, eine der vorigen vier großartigen Folgen unserer Interview-Serie verpasst? Kein Problem! Zum Glück bauen wir bei Krawall auf hochmoderne Internettechnologie und haben daher auch alle vorigen Beiträge weiter abrufbar. Mit nur einem Mausklick! Hier könnt ihr nachholen, was ihr verpasst habt:
Folge 1: Warum muss heutzutage unbedingt jedes Spiel einen Mehrspieler-Modus besitzen?
Folge 2:Was ist dran am Mythos Blizzard und wie unabhängig ist das Studio wirklich?
Folge 3: Produzieren große Studios wirklich nur seelenlose Massenware?
Folge 4: Gibt es sie wirklich, die bösen Publisher, die kreative Studios kaputt machen?



