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Haben auch große Studios eine Seele?

16.11.2012 | Autor: André

Wir hatten ja bereits versprochen, dass Randy Pitchford seinen Job als Quasi-Krawall-Kolumnist noch lange nicht an den Nagel gehängt hat! Und weil man halten muss, was man verspricht, bringen wir euch endlich den lang erwarteten dritten Teil von „Frag Randy“. Diesmal haben wir uns mit dem Chef von Gearbox darüber unterhalten, was dran ist an der Indie-Romantik. Sind es wirklich nur noch die kleinen Studios, die Herz und Seele in ihre Projekte kippen? Wie unabhängig ist ein Studio wie Gearbox noch, wenn es millionenschwere Projekte umsetzt? Gibt es ihn überhaupt, den Entwicklungssöldner, der ohne Leidenschaft ein Spiel zusammenzimmert? Randys Antworten auf diese und viele andere bohrende Fragen, sind wie immer überaus erhellend.

Falls ihr die beiden vorigen Ausgaben von „Frag Randy“ verpasst habt: Dann aber ganz schnell! Im vorhergehenden, zweiten Teil unserer Reihe erklärte der Gearbox-Chef bereits, was dran ist am Blizzard-Mythos und seinen „When it’s done“-Entwicklungen. Die Erstausgabe hingegen befasste sich mit dem kontroversen Thema des auf Krampf eingebauten Multiplayer-Modus.

Die Doku 'Indie Game: The Movie' stellt kleine Teams als diejenigen dar, die noch mit Leib und Seele dabei sind.

Andre: In dem Dokumentarfilm „Indie Game: The Movie“ wird das Bild vermittelt, Entwickler in großen Studios seien Arbeitsdrohnen, während kleine Studios ihr ganzes Herzblut in das Produkt schütten.

Gearbox ist zwar ein unabhängiges Studio, aber so groß, dass keiner an euch denkt, wenn er von „Indie Games“ spricht. Wie stehst du zu dieser Aussage? Verliert man in großen Projekten den Bezug zum Produkt oder sind eure Leute genauso mit Leib und Seele dabei?
Randy Pitchford: Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber was du mir davon erzählt hast, wie sehr die Macher mit ihren Spielen hoffen und leiden: genau so fühlen wir uns auch. Nicht nur das, auch wir sehen uns immer wieder als Underdogs, auch wenn wir inzwischen 200 Leute sind. Wir stehen auch da und sagen: „Mann, diese 'Call of Duty'-Typen kriegen Budgets von 200 Millionen US-Dollar! Ich wünschte, wir hätten so viel Geld!“ Dann fühlen wir uns wieder wie Luke Skywalker, der in seinem kleinen X-Wing gegen das Imperium zu Felde zieht.

Bereit weitere Wissensbomben über unseren Häuptern abzuwerfen: Hobby-Krwall-Informant Randy Pitchford

Andre: Aber irgendwann kommt der Punkt, wo es keine anderen Entwickler mehr gibt, auf die ihr zeigen könnt, um zu sagen: „Die kriegen so viel mehr Kohle!“
Randy Pitchford: Das stimmt. Aber ich glaube nicht, dass das dann auf einmal diesen Hunger stillt, immer besser zu sein. Deine Vision umzusetzen.

Andre: Glaubst du, es gibt solche Studios? Sind die Leute, die „Call of Duty“, „FIFA“ oder eine dieser scheinbar endlosen Serien machen, nur Söldner? Kann man überhaupt Spiele ohne Herzblut machen?
Randy Pitchford: Ich kann dir zumindest aus eigener Erfahrung zu 100 Prozent versichern, dass Jason und Vince, die beiden Gründer von Infinity Ward, immer mit einer Unmenge von Leidenschaft an ihren Spielen gearbeitet haben. Und aus meiner Sicht hat man es sehr deutlich gemerkt, als sie aus dem Unternehmen ausgeschieden sind.

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