Black Mirror 2
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- Publisher: dtp
- Entwickler: Cranberry Production
- Genre: Adventure
- Release: 25.09.2009
Die Vergangenheit sollte man ruhen lassen!
21.09.2009 |
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Autor: André
Als Redakteure haben wir bekanntlich die Weisheit mit Löffeln gefressen. Kein Scherz. Jeden Morgen zum Frühstückskaffee verdrücken wir mindestens fünf Portionen. Derart gefüllt mit (Vor-)Ahnung, glaubt man ja, dass einen nicht mehr viel überraschen kann. Stimmt, aber hin und wieder passiert es dann doch. Sei es, dass selbst abgetrennte Köpfe wirklich schön singen können, oder eben, dass man im Preview den Award für den miesesten Hauptcharakter schon in der Hand hält und jetzt beim Test nicht mehr weiß, wohin mit dem Ding. Denn zu unserer Freude beseitigt die fertige, vollständige Version von „Black Mirror 2“ viele der Zweifel, die uns noch vor wenigen Tagen plagten. Ein ganz großer Triumph ist es aber trotzdem nicht geworden.
Rückblick
Aber der Reihe nach. Für diejenigen unter euch, deren Kurzzeitgedächtnis unsere Vorschau schon wieder zugunsten wichtigerer Informationen gelöscht hat (Einatmen, Ausatmen), hier kurz die Ausgangslage: Im Jahre 2004 sind die Adventures zwar wieder im Kommen, aber das breite Angebot an Adventure-Großartigkeit, wie wir es 2009 erleben, ist noch ein keuscher Traum.
Inmitten der langsam endenden Dürre erscheint mit „Black Mirror“ ein Spiel, das nicht nur schick aussieht, sondern ausnahmsweise statt bunter Kaspereien eine ernste Geschichte erzählt: Der junge Samuel Gordon kehrt in sein heimisches Schloss Black Mirror Castle zurück, nachdem sich sein Großvater vom Schlossturm aus in den Tod gestürzt hat. Überzeugt, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging, macht sich Samuel daran, die Geschehnisse zu untersuchen. Dabei stößt er auf einen uralten Familienfluch, der die männlichen Mitglieder der Familie Gordon scheinbar nach und nach in den Wahnsinn treibt. Die Urväter der Familie – Mordred und Markus, eine Art englische Version von Kain und Abel – scheinen die Urheber dieser „Erbkrankheit“ zu sein.
Hauptfiur Darren ist nicht wirklich ein Sympathieträger, letztlich aber doch ganz okay. Ein bisschen wie EA heutzutage.
Düstere Rituale, zwielichtige Wissenschaftler und die unweigerlich näher rückenden Schatten der eigenen Vergangenheit bestimmen den weiteren Weg von Samuel Gordon. Dtp, der deutsche Publisher des Spiels, griff für den Titel ungewohnt tief in die Taschen und leistete sich eine hervorragende Synchronisation. Die ausgemergelten Adventure-Liebhaber, denen in den Jahren zuvor in etwa so viel Liebe und Aufmerksam zuteil geworden war wie den Bewohnern einer Leprakolonie, dankten es ihnen und griffen zu.
Langwierige Fortsetzung
Dass zu diesem Spiel eine Fortsetzung erscheinen musste, war also klar.
Doch die eigentlichen Entwickler bei Future Games taten sich schwer damit. Der erste Teil war in sich abgeschlossen und nicht auf eine Fortsetzung ausgelegt. Zudem wollte Future Games neue Wege im Adventure-Genre beschreiten und experimentierte in seinen Konzepten für ein mögliches „Black Mirror 2“ mit neuen Spielmechaniken. Das gefiel Dtp nicht besonders, die solche Experimente zu Recht lieber in einer neuen Marke wie „Reprobates“ sehen wollten, aber nicht im von den Fans sehnlichst erwarteten „Black Mirror 2“. Schlussendlich entschied man sich daher, die Sache selbst anzugehen. Unter der Leitung von Dtp-Produzent Achim Heidelauf begann die Entwicklung von „Black Mirror 2“ zunächst beim Bremer Studio KingArt . Obwohl ein erster Prototyp des Spiels komplett in 3D gar nicht mal so schlecht aussah, erreichte man auf diesem Wege natürlich nicht den Detailgrad und Realismus, den „Black Mirror 2“ heute zur Schau trägt. Die 3D-Entwicklung wurde nicht weiterverfolgt, und stattdessen entstand ein klassisches 2D-Point&Click-Spiel mit 3D-Charakteren beim Dtp-Studio Cranberry Productions mit KingArt als Beratern.
Gute Gossensprache
Das beginnt in völlig anderem Ambiente als der Erstling. Statt durch die gediegen-plüschigen Hallen altenglischer Schlösser zu wandeln, steht man im verdreckten Keller eines Fotostudios in den USA. Von hier aus erlebt ihr eine Geschichte rund um übertriebene Liebe auf den ersten Blick, merkwürdige Verfolger, familiäre Geheimnisse noch und nöcher, maskierte Geheimbünde und natürlich den schauerlichen Gordon-Fluch. Die neue Hauptfigur Darren Michaels ahnt von seinen bevorstehenden Abenteuern vorerst nichts. Er ist Physikstudent, Anfang 20, frustriert vom Leben und vor allem von seinem Chef der Kategorie „cholerisches Arschloch“. Oh, Verzeihung, das ist euch jetzt sprachlich zu grob? Dann sollte euch Knigge-Aposteln beim Spielen von „Black Mirror 2“ auch der ein oder andere Schrei der Entrüstung entfahren. Denn die Autoren des Spiels haben sich bemüht, allen Dialogen einen realistischen Anstrich zu verleihen. Das schließt durchaus das ein oder andere „Arsch“, „Fuck“, „beschissen“ und dergleichen mehr ein. Aber keine Angst: Während frühere Versuche, lebendige Sprache zu reproduzieren, mitunter in mehr als nur einer Hinsicht in die Hose gingen (Hallo, liebe Autoren von „Arcatera“!), schlägt sich „Black Mirror 2“ sehr gut. Gerade Mr. Fuller wird durch seine Gossensprache noch widerlicher, als er es ohnehin schon ist. Auch Darrens Gebrauch manch flegeliger Vokabel macht ihn meist eher menschlicher.
Darren kann alleine trinken!
Das kann er auch gut gebrauchen, denn Darren ist, wie schon in unserer Vorschau bequengelt, nicht immer ein Typ, mit dem wir einen trinken gehen wollen. Genau genommen ist es vielleicht auch besser, wenn Darren gar nichts trinkt, denn schon im nüchternen Zustand ist er zu Spielbeginn ein selbstgerechter Besserwisser, dessen Tonfall schneller von „leicht angenervt“ zu „feindselig überheblich“ wechselt als der von Dieter Bohlen, wenn Superstar-Kandidaten Widerworte geben.




