- Black Mirror
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- Publisher: dtp
- Entwickler: Future Games
- Genre: Adventure
- Release: 05.04.2004
Gediegen geht die Welt zugrunde
19.04.2004 |
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Autor: Heiko
Den Mainstream hat das Adventure-Revival zwar noch nicht wirklich erreicht, doch nichtsdestotrotz erscheinen zur Zeit immer wieder interessante Genrevertreter. Während „The Westerner“ und „Runaway“ eher auf Humor setzen, geht’s bei „Black Mirror“ düster zu. Ein altes, verwunschenes Schloss, ein vergessen geglaubter Familien-Fluch und schlechtes Wetter erzeugen eine Stimmung, die dem Untertitel „Der dunkle Spiegel der Seele“ angemessen ist. Davon abgesehen ist „Black Mirror“ aber ein ziemlich klassisches Point & Click-Adventure, wenn auch ein sehr laberlastiges.
My Castle, my home
Besonders sympathisch ist er nicht wirklich, dieser Samuel Gordon. Als jüngster Spross einer alten, schon lange auf dem absteigenden Ast wandelnden Adelsfamilie kehrt er nach Jahren wieder ins heimische Schloss zurück. Einst war dort seine Frau unter mysteriösen Umständen gestorben – so wollte er nie wieder zurückkehren. Doch wie das so ist: Bei Hochzeiten und Todesfällen kommt die Familie zusammen. Und so führt der Tod seines Großvaters William zur Heimkehr des verloren geglaubten Sohns. Kaum zu Hause angekommen, hat Gordon nichts Besseres zu tun als herumzuschnüffeln, zu verbreiten, dass der Tot Williams alles, nur kein Unfall gewesen sein kann und das Personal auf herablassende Art und Weise durch die Gegend zu scheuchen – das verlernt man schließlich nie.
Schiebt's Euch in den...
Jedes Stück Adventuresoftware muss mindestens ein echtes Nervrätsel haben: Für die Verschieberätsel sollten beim BM-Entwickler Köpfe rollen.
Klar, dass Samuel im Verlaufe des Spiels nicht nur dem Schicksal des ollen William, sondern gleich seiner ganzen Sippe, der Welt und allem anderen auf die Schliche kommt. Denn es sind Mächte an Werk, so böse, dass selbst Dr. Peter Venkman die blöden Sprüche vergehen wurde. Dabei wird viel gerätselt und noch viel mehr gelabert. Glücklicherweise ist die Synchronisation gut und sind die Dialoge von wesentlich mehr Tiefe, als das in Computerspielen gemeinhin üblich ist. Trotzdem ist „Black Mirror“ alles andere als ein Spiel für Hektiker. Teilweise werden seitenweise Ausschnitte aus alten Chroniken vorgelesen.
Wessen Finger dabei zur Maustaste zuckt, der verpasst das Beste, denn nach und nach gewinnen Story und Charaktere durch zahlreiche Facetten jede Menge Tiefgang, neue Verwicklungen werden aufgezeigt, falsche Spuren gelegt und wieder verworfen.
Ruhig Blut
Grafisch erinnert der Titel ein wenig an die alten Baphomet’s Fluch-Spiele. Nur waren dort die Bewegungsanimationen nicht so langatmig.
Alles in Zeitlupe?
Es wäre nicht notwendig gewesen, das gesamte Spiel derart langatmig zu gestalten. Vor allem die Animationen der Figuren scheinen geradezu in Zeitlupe abzulaufen. Da trifft man den Gärtner, der arbeitet im Garten. Man klickt auf ihn für ein Gespräch, brav sagt Samuel „Hallo“ und dann dauert es ca. 20 Sekunden bis sich der gute Mann zweimal durch seine Im-Garten-Arbeiten-Animation quält und antwortet. Und das ist nur eines von vielen Beispielen, leider. Geschmacksache sind die zahlreichen Puzzle-Rätsel, bei denen man Symbole oder Figuren verschieben oder zerrissene Bilder oder Briefe wieder zusammensetzen muss. Der Rest der Rätsel ist typisch für das Genre: Alles ins Inventar einsacken, irgendwo wird man es schon brauchen können. Eins ist hier allerdings nervig: Oft weigert sich Samuel Gegenstände mitzunehmen, bevor er einen Grund hat sie auch einzusetzen. Beispiel Bergwerk: Wir kommen an einem Kasten vorbei, stemmen ihn mit dem Messer auf. Und anstatt einer Belohnung gibt’s die lapidare Auskunft, dass er die Sicherungen in diesem Kasten nicht brauche. Junge, du bist der Held eines Adventurespiels und du hast gerade Sicherungen gefunden – selbstverständlich wirst du die in den nächsten Spielminuten brauchen. Doch standhaft weigert sich der Protagonist, bis ein paar Räume weiter völlig überraschend eine Sicherung gebraucht wird. Dann heißt es zurückmarschieren, einsammeln und einsetzen. Apropos Zurückmarschieren: Die Animationen sind wie besagt nervtötend langsam und Samuel braucht ungefähr zehn Minuten von einer Seite eines Raumes zur anderen. Immerhin geht’s per Doppelklick sofort in den nächsten Raum. Jedenfalls theoretisch, denn in der Praxis braucht es ungefähr sechs schnelle Klicks bis sich Samuel zur nächsten Location bequemt. Und wenn wir schon mal bei Nervfaktoren wären: Wenn man nach zehn Stunden Spielzeit - drei Stunden ohne Speichern sind vergangen - plötzlich feststellt, dass man in dem Spiel auch Sterben kann, dann ist das schlichtweg überflüssig.



