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  • Black Mirror
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Memmen raus!

17.03.2004 | PC | Autor: Toby

Ersteindruck:
75 - 84%
Selbst gespielt:
Nein

Wer von Zuhause auszieht, hat meist einen guten Grund dafür. So auch Samuel Gordon: Einst ging nämlich ein Flügel im Herrenhaus Black Mirror in Flammen auf, seine Frau leider gleich mit. Folglich verbindet Samuel mit dem Gemäuer mehr Schuldgefühle als Chefredakteur Andre Peschke mit unserer dritten Gehaltskürzung. Doch da „Black Mirror“ – so heißt auch das Spiel – ein Horror-Adventure ist, muss der Witwer zurück zum Ort des Grauens. Anlass zu seiner Rückkehr bietet ein Trauerfall. Großvater William wollte beim Rentenproblem aktiv mithelfen und entschied sich zum sozialverträglichen Frühableben via Fenstersturz. Einzig und allein Samuel traut dem Braten nicht. Also schlüpft ihr in seine Haut und stellt Nachforschungen an. Damit diese auch spannend werden, lassen die tschechischen Entwickler von Unknown Identity undurchsichtige Charaktere antanzen. Warum hat Witwe Victoria die Tür von Williams Turmzimmer abgeschlossen und den Schlüssel vernichtet? Weiß Butler Bates nicht vielleicht doch mehr, als er verrät? Und welche Rolle spielt Williams mysteriöser Onkel Robert? Es bleibt aber nicht nur bei bloßer Schnüffelei. Schon bald ist der nächste Tote zu beklagen.

Ich muss mit dir reden...
Schwafeln leichtgemacht: Einfach das Icon angeklickt und schon fängt Samuel an über den toten William zu plaudern.

Und ehe Samuel sich versieht, steckt er tief drin in einem Strudel aus Mord und Wahnsinn. Das verspricht zumindest der deutsche Publisher dtp. Nach erstem Anspielen sind wir zuversichtlich, dass die Hamburger nicht flunkern.

Benutze Ratte mit Brechstange?
Neben einer düsteren Story setzt „Black Mirror“ auch auf alte Adventure-Wurzeln. Das Abenteuer wird mit der altbewährten Point & Click-Steuerung bedient. Das Inventar ist nicht nur geräumig, sondern auch schlau. Überflüssige Gegenstände – schließlich gibt es im Spiel ganze 100 - werden aus unserer Hosentasche nach einer Zeit einfach rausgeworfen. Wie gewohnt dürfen die Mitbringsel auch miteinander kombiniert werden. Unknown Identity bleibt dabei so realistisch wie möglich.

Haarsträubende Rätsellösungen sollen bei „Black Mirror“ draußen bleiben. Und während Guybrush Threepwood in „Monkey Island 4“ sich weigert eine Klippe herunter zu springen, stirbt Samuel, sollte er beispielsweise zwei Schraubenzieher in eine Steckdose stecken. Bei den Knobeleien stehen dagegen zum Beispiel das Zusammenfügen zerschnittener Fotos an, oder die Planeten des Sonnensystems müssen richtig angeordnet werden. Selbst Profis sollten damit eine Weile verbringen. Die sechs Kapitel versprechen 25 Stunden Spielzeit für Könner. Natürlich streunt ihr dabei nicht nur in Black Mirror umher. Gemütlicher sind die anderen Schauplätze aber auch nicht: Unter anderem sind Abstecher zu einer Gruft, einem Sanatorium für Geisteskranke und der Kirche Warmhill drin. Übersicht wird stets groß geschrieben. Mit einem Druck auf Tab werden euch alle möglichen Ausgänge eines Raumes angezeigt, damit Samuel auch ja nichts vergisst. Per Doppelklick geht es ohne Laufanimationen im Expresstempo in den nächsten Raum.

Noch Lust auf 'n Kaffee?
Bei den Hintergründen ist eine düstere Atmo wie vorprogrammiert. Schade nur, dass die Spielfiguren mit Details geizen.

Talk and klick
Vergessen dürfen Adventure-Fans auch die verschmähten Actioneinlagen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen rennt Unknown Identity dem oft kritisierten Trend nicht hinterher. Gewöhnungsbedürftig sind dagegen die Unterhaltungen. Zwar sind Multiple-Choice-Dialoge alter Schule drin, viele Konversationen laufen aber auch automatisch ab, indem ihr einfach auf das Gesprächsthema klickt. Bei der Optik wurden dafür keine Experimente gemacht. Die sorgfältig modellierten Hintergründe würzen nochmals die dunkle Atmosphäre. Bei den Animationen sind wir gespalten: Wenn Regen in einen Brunnen plattert, gibt’s schöne Wassereffekte zu sehen. Viel wichtiger sind jedoch die Bewegungen der Charaktere, die leider etwas behäbig wirken. Ohnehin sind die Spielfiguren nicht übermäßig detailliert. Solange ihr keine Grafikpuristen seid, ist das aber halb so schlimm. Der Sound glänzt dafür nämlich mit beklemmender Orchestermusik. Samuel Gordon wurde obendrein von David Nathan, der deutschen Stimme von Johnny Depp, vertont. Die Stimmung von „Black Mirror“ wusste bereits zu gefallen. Wenn die Story da nicht nachsteht und wir in der Vollversion nicht über allzu viele Makel stolpern, steht einer gelungenen Gruselei nichts im Wege.