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Nordische Knüppelkunde

06.12.2007 | Xbox 360 | Autor: Michael

Hier zeigt sich die unausgegorene Spielbalance von „Die Legende von Beowulf“, die permanent für Frustmomente sorgt. Warum können sich die Recken zumindest im Wutmodus nicht so verteilen, dass man ihnen keinen Schaden zufügen kann? Sich einfach weit genug von seiner Truppe zu entfernen, empfiehlt sich nicht, da man ja ständig einem Mitstreiter in Bedrängnis helfen muss.

Die Story wird im Spiel nur oberflächlich erzählt. Wirkliche Spieltiefe kann das Spiel zum Film somit nicht erzeugen.

Zudem sind Freund und Feind während der Kämpfe so miteinander verwuselt, dass von Übersicht keine Rede sein kann. Richtig übel wird es in Abschnitten, in denen auf mehreren Ebenen gekämpft wird. Anstatt sich auf einer Ebene zu bündeln, klettert man schneller als Dan Osman die Wände hoch und runter, um seine hilflosen Mitstreiter am Sterben zu hindern. Weshalb dem Spieler überhaupt eine Handvoll untalentierter Krieger beiseite steht, entbehrt jeder Logik. Beowulf hat doch eh schon die Kraft von dreißig Männern. Um seinem Blutrausch etwas mehr Gewicht zu verleihen, kann Beowulf neben allerlei Waffen auch diverse Gegenstände der Spielumgebung verwenden oder seinen Gegnern die Waffen entreißen, bevor er sie im hohen Bogen durch die Gegend wirft.

Abhacken sucht Abwechslung
Die Gewaltexzesse werden immer wieder von Minispielen unterbrochen. Das Monster Grendel und andere Endgegner müssen in diversen Quicktime-Events mit reaktionsschnellem Tastendrücken im Akkord zu Fall gebracht, aufgeschlitzt oder auseinandergenommen werden. Und auch ein wenig „Guitar Hero“ im Sinne eines interaktiven Soundtracks hat den Weg ins Spiel gefunden.

Kriegsgesänge stimmt ihr mit perfekt getimten Tastenfolgen an, wodurch ihr die Stärke eurer Recken erhöht oder diese durch die stürmische See navigiert. Zwischen den Missionen in Beowulfs Königreich findet ihr euch im dänischen Schloss von Herot wieder, einer Ansammlung von fünf hübsch animierten Optionsbildschirmen, in denen ihr neue Upgrades kaufen und eure Mitstreiter verbessern könnt. Neue Fähigkeiten lassen sich nicht erwerben, sondern nur bestehende durch das Aufleveln der Wut- oder Heldenkräfte spezialisieren. Spielerisch zwar eher seichte Kost, präsentiert sich Beowulf grafisch sehr hübsch. Höhepunkte sind die tobende See, die riesigen Kreaturen und der Tanz mit halbnackten weiblichen Dämonen, die unserem Hünen in eindeutigen Posen an die Wäsche wollen. Wobei man sich permanent fragt, worum es gerade geht. In Sachen Erzählkunst reißt „Die Legende von Beowulf“ keine Bäume aus. Dafür dröhnt der Name Beowulf in jedem Level circa tausendmal durch die Lautsprecher. Egal - das über die nackte Haut fließende, schimmernde Gold der Dämonen sieht sehr eindrucksvoll aus und kommt durch großzügig eingesetzte Postprocessing-Effekte sehr gut zur Geltung.

Vor allem die Effekte dürfen als überaus gelungen bezeichnet werden. Die spielerischen Schwächen kompensiert die Optik aber nicht.

Alles in allem ist die Qualität der Texturen jedoch äußerst durchwachsen; nicht alle Gegenden, Gegner und Gegenstände sehen gleichermaßen toll aus. Großes Manko der Spieldarstellung ist die zuweilen schwierige Unterscheidbarkeit von Freund und Feind. Gerade die eigenen Recken und die Barbaren sind im Gewimmel kaum voneinander zu unterscheiden.

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