- Battlefield Vietnam
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- Publisher: Electronic Arts
- Entwickler: Digital Illusions Canada
- Genre: Taktik-Shooter
- Release: 19.03.2004
In the army now
03.03.2004 |
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Autor: Gleb
Der Vietnamkrieg ist derzeit so trendy wie „Auf Streife mit dem Ordnungsamt“. Doch während Bahnhofspenner und Schulschwänzer bei Pro7 & Co. groß in Mode sind, eignen sich Kriege besser für Computerspiele. „Battlefield 1942“ traf den Nerv der Mehrspielergemeinde so flink wie EA den schwedischen Entwickler vorrausschauend geschluckt hat. „Battlefield“ ist ein Franchise mit Zukunft. Viel hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg nicht getan: Noch immer bekriegen sich anonyme Soldaten auf ausladenden Schlachtfeldern mit Fahr- und Flugzeugen. Und noch immer ist das Teamkonzept so simpel, das man sich fragt, wieso Taktik-Shooter erst mit „Battlefield“ richtig salonfähig wurden.
Volles Rohr
Die Vielzahl an Fahrzeugen ist einfach beeindruckend. Vom Panzer über den Hubi bis zum klapprigen Motorroller ist alles dabei.
„Vietnam“ gibt der Serie vor allem mit besserer Grafik und größerer Vehikelvielfalt neue Impulse. Bedrückende Kriegsatmosphäre macht die Runde, wenn im Staubgewühl Helikopter abheben, Jeeps und Panzer zur Front rollen und Infantriesoldaten lautstark zum Angriff blasen. Ob als US-GI, Nord- oder Südvietnamese, stets müssen Kontrollpunkte eingenommen und verteidigt werden. Vier Charakterklassen (MG-Schütze, Ingenieur, Raketenwerfer und Scharfschütze) mit zwei verschiedenen Ausrüstungssets sorgen für ein endloses Stein-/Schere-/Papier-Wechselbad. Der unbeliebte Mediziner fiel dem Rotstift zum Opfer. Ungeachtet historischer Gegebenheiten stellt DICE alles an Fortbewegungsmitteln auf, was die Rüstungsindustrie der 70er im Portfolio hatte: Vom M551 Sheridan-Panzer über den Phantom F4-Düsenjäger bis hin zum CH-47 Transporthelikopter erwartet den Spieler eine Auslese internationaler Kriegsmaschinerie. Alle Fahrzeuge, selbst die putzige Vespa der Vietnamesen, sind mit mehreren Spielern besetz- und steuerbar. Besonders die Hubschrauber sind eine Innovation für sich: Jetzt können nicht nur Truppenverbände sondern auch Fahrzeuge auf dem Luftweg transportiert werden. So wird der sicher geglaubte Zugang zur Basis zum Trugschluss, wenn sich hinterrücks schweres Gerät aus dem Himmel abseilt. Sogar ein mobiler Respawnpunkt kann platziert werden, an dem gefallene Spieler des eigenen Teams neu erscheinen. Die Physik der Fahrzeuge ist annehmbar, bei Hindernissen jedoch lückenhaft - eine Bodenwelle, und der Transporter kann heim zum Recycling. Noch aufreibender ist das fummelige Handling der Fluggerätschaften.
Das muss wie im Vorgänger auf separate Tasten gelegt werden. Wieso man die MIG 21 nicht einfach mit den Pfeiltasten der Fußsoldaten-Belegung steuern kann, bleibt ein Rätsel. Ebenfalls rätselhaft ist der gekippte Singleplayermodus. Story- und Herausforderungsmissionen will DICE nun per Patch nachliefern. Die Karten können zwar zu Trainingszwecken mit Bots gespielt werden, Spass macht das aber aufgrund der mäßigen KI-Kameradschaft kaum.
Somebody to love
Die 14 Karten sind kleiner als im Vorgänger, durch Anhöhen und Brücken taktisch ausgefeilter und teils mit mehrstöckigen Gebäuden gespickt. Das eröffnet die völlig neue Möglichkeit des Häuserkampfes. Oft gilt es auch matschige Flüsse mit Amphibientransportern oder Booten zu überqueren. Nicht nur dafür hat DICE seine Hausengine nochmal zur Grundausbildung geschickt: Die Figuren haben den Stock aus dem Hintern bekommen, Fahrzeuge zucken ruckartig zusammen wenn eine glühend schimmernde Rakete einschlägt. Sehr gelungen ist das dichte Dschungelgestrüpp und die Reisfelder der Vietnamesen, durch die man sich unbemerkt ins Feindesland robben kann. Erstaunlich auch die hohe Sichtweite: Selbst auf mittleren Details sieht man Panzer und Helikopter am Horizont hantieren, derweil explodiert irgendwo ein Jeep – grafisch erreicht „Battlefield Vietnam“ ungeahnte Qualität. Und Qualität fordert ihren Tribut: Immer noch sind die Ladezeiten grausamer als ein Vietcongverhör und auch an den gelegentlichen Ruckelattacken hat sich seit der Beta kaum was gerührt.
Herr im Hause
In jeder zerschossenen Ruine die ihr am Straßenrand findet, können Heckenschützen lauern. Ohne Unterstützung vorzurücken ist gefährlich.
Wer Charaktere und Fahrzeuge von ihrer besten Seite auf’s Korn nehmen will, braucht somit ein 3 GHz-Geschoss mit einem 3D-Beschleuniger zum Kleinwagenpreis. Der Rest macht entsprechend Abstriche. Nicht aber beim Sound, der mit stimmigen 70er-Evergreens von Jefferson Airplane und Deep Purple ein unheimliches Verlangen nach albernen Schlaghosen und Räucherstäbchen entfesselt. Kurz vor dem Einsatz schallt aus den Lagerlautsprechern der US-Armysender. Die Stimmungskanone am Mikrofon trimmt die kriegsmüden GIs in bester Staubsaugervertretter-Manier mit einem herzlichen „Goooood morning“ auf Hochtouren. Schnell wird er vom eindringlichen Summen der Rotorblätter und ersten Schüssen übertönt – das Spiel ist auch in akustischer Hinsicht hervorragend. Modding-Tools und die Anti-Cheat-Software Punkbuster tun da ihr übriges. Keine Frage also, das die Server am 19. März aus allen Nähten platzen werden. DICE hat es geschafft. Wieder einmal.



