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Dschungel ohne Kübelböck

16.01.2004 | PC | Autor: André

Ersteindruck:
85 - 95%
Selbst gespielt:
Nein

Oh Gott, alles nur nicht ins Dschungelcamp? Keine Bange, bei „Battlefield Vietnam“ bleibt ihr von Kübelböck verschont. Memmen die wegen ein paar Hundert Kakerlaken das Heulen kriegen, haben im schwülen Unterholz nichts verloren. Stattdessen kriechen harte Typen im Tarnanzug durch das dichte Gestrüpp und bekämpfen wahlweise die einrückenden US-Truppen oder den Vietcong. Für uns lasche Zivitruppe natürlich genau das Richtige: Viel Action, wenig Hemdenfalten und all das ohne Gefahr für Leib und Leben. So lassen wir uns den Fronteinsatz gefallen.

Von Anfang bis Ende
Am Spielkonzept von „Battlefield 1942“ hat sich auch im zweiten Teil nichts geändert: Zwei Teams gehen in riesigen Einsatzgebieten mit einer Unmenge an militärischen Spielsachen aufeinander los. Beide Mannschaften starten mit einer gewissen Menge an Punkten, die es dem Gegner abzuluchsen gilt. Im Zuge dessen stürmen unsere Truppen zahlreiche Kontrollpunkte und hissen dort die eigene Fahne. Als kleine Neuerung am Rande wird unter der Fahne angezeigt, wie lange es noch dauert bis der Stützpunkt konfisziert wird. In unserer voll spielbaren Preview-Version stecken 15 Karten aus drei verschiedenen Zeitabschnitten. Angefangen vom Kriegseintritt der USA über den Höhepunkt mit der Tet Offensive bis hin zum Ausklang des Konflikts kann sich der Spieler in alle geschichtsträchtigen Ereignisse einschalten. Das Besondere an der Sache sind natürlich nach wie vor die vielen Fahr- und Flugzeuge, dank derer „Battlefield“ andere Multiplayer-Shooter wie ein Lego Basis-Set aussehen läßt. Entsprechend des Zeitsprungs von fast 30 Jahren hat sich da einiges getan. Zwar parkt vor jeder Strohhütte ein Jeep und andere gepanzerte Kampfvehikel, doch die wirklich interessanten Neuzugänge sind die Jets und Hubschrauber.

Jetzt auch mit Farbe
Waren die Kämpfe in Battlefield früher so aseptisch wie die Berichterstattung aus dem Irak-Krieg, spritzt jetzt rote Farbe.

Letztere geben dem Spiel eine faszinierende Atmosphäre. Massen von Staub wirbeln hoch, wenn sich einer der schweren Transporthelikopter in die Lüfte quält, während die flinken Kampfhubschrauber weithin sichtbar über grünen Hügeln schweben und mit ihren Raketenwerfern die Umgebung erhellen. Kurz: Ihr könnt euch darauf einstellen, dass euch in den ersten Wochen wieder so mancher Teamkamerad in den Rücken schießen wird, damit ihr ihm die Mühle nicht wegschnappt.

Trotzdem wurde der Vorrat an Hubis in unseren Probespielen nur selten knapp. Die Biester sind nicht gerade einfach zu fliegen. Die meisten Verluste fügten wir der Gegenseite zu, indem wir mit unseren orientierungslos herabtaumelnden Hubschrauber auf einen Fußsoldaten fallen ließen. Leichter zu handhaben sind da schon die Jets, deren Steuerung grundsätzlich die Gleiche ist wie die der Propellerflugzeuge aus „Battlefield 1942“. Die Bewaffnung ist mit Raketen und dicken Bomben nochmal ein Kaliber gröber ausgefallen.

Somebody to love
Auch wenn das grundlegende Spielprinzip fast gleich geblieben ist, spielt sich das neue „Battlefield“ aufgrund der zahlreichen unbekannten Einheiten erfrischend anders. Die Karten sind eine Idee liebevoller und detailreicher gestaltet. Im Singleplayer-Modus, der nach wie vor nur Alibifunktion hat, gibt es sogar hier und da ein paar vorberechnete Zwischensequenzen. Ein gar wunderbares Schmankerl ist der Soundtrack, der locker eine separate Veröffentlichung wert wäre. Während das Spiel lädt, dudeln im Hintergrund Klassiker wie „War“ von Edwin Starr oder „Somebody to love“ von Jefferson Airplane.

Schluckbeschwerden
Optisch beeindruckend sind sie ja, die Napalmbomben. Einen komischen Beigeschmack hat der Einsatz aber schon.

Allerdings erweckt das Ganze eine böse Spekulation bei uns: Die Ladezeiten sind derzeit nämlich so lang wie die letzten drei Tage vor dem Heimflug aus Vietnam. Und nur während der Ladezeiten gibt’s die tolle Musik. Sprich: Hören wir hinterher von jedem Song nur ein paar Sekunden oder ahnt man schon, dass der Spieler beim Kaffeekochen zwischen den Spiele gern ein wenig Musik hört? Ebenfalls noch nicht ganz rund ist die Performance. Auf unseren Testrechnern erwies sich der Kampfeinsatz oft als so flüssig wie Stahlbeton kurz vor dem Aushärten. Angesichts der unfertigen Version aber kein Grund zur Panik - nach dem technisch soliden Vorgänger machen wir uns da wenig Sorgen. Nicht ganz unausgesprochen bleiben sollte, dass die Thematik manches Mal für einen trockenen Mund sorgt. Wenn ein Jet das vietnamesische Camp direkt vor uns mit Napalm eindeckt, kratzt es erheblich in der Kehle. Mit dem neuen Schlachtfeld halten übrigens auch Blutspritzer Einzug in die Serie. Dadurch sieht man zwar endlich ob man trifft, verdaulicher wird das Ganze dadurch jedoch nicht. Für Besitzer der deutschen Version fällt dies vermutlich sowieso nicht ins Gewicht. Aller Vorraussicht nach werden die bunten Spritzer aus der hiesigen Version entfernt. Alles in allem können Fans der Serie also schonmal unbesorgt die Feldkiste packen und voraussichtlich am 26. März ausrücken.