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Einzigartige Feindbegegnungen

02.03.2010 | PC Xbox 360 Playstation 3 | Autor: Nils Ehring

In der Regel hat man Egoshooter-Charaktere schneller wieder vergessen und verdrängt als einen One-Night-Stand nach durchzechter Nacht. In beiden Fällen bleiben ein paar mickrige Erinnerungsfetzen an etwas übrig, dass zwar Spaß gemacht hat, aber nicht zwingend denkwürdig war. Nicht so bei „Bad Company“, jenem vor anderthalb Jahren erschienenen Ballerfeuerwerk, das dem „Battlefield“-Kosmos erstmalig eine interessante Kampagne samt sympathischen Spielfiguren bescherte. PC-Spieler waren nicht besonders erfreut über das Franchise-Neugeborene, schließlich ließ EA das Ding nur für Konsole entwickeln. Das Mail-Postfach des Publishers dürfte damals übergequollen sein vor liebevollen Nachrichten. In diesem Jahr werden deutlich weniger Mails im hauseigenen virtuellen Mülleimer landen, denn erstmalig besuchen die vier Helden Marlow, Haggard, Sweetwater und Sarge die PC-Fraktion. „Bad Company 2“ hat dabei alles im Marschgepäck, was ein Überraschungsei für Erwachsene mitbringen muss: Es ist spannend, lädt zum Spielen mit explosivem Zündstoff ein, und statt brauner Schokolade gibt es blaue Bohnen.

Laue Story, coole Helden
Diese werden in einem knusprigen Story-Mantel serviert, den die Dice-Köche erneut mit der nötigen Prise Humor aufgepeppt haben. Während die schlechte Kompanie im ersten Teil noch der Goldgier verfiel, wird sie in der Fortsetzung mit einer Bedrohung von globalen Ausmaßen konfrontiert. Im Laufe des achtstündigen Abenteuers hüpft der vierköpfige Trupp von einer Klimazone in die nächste, immer dicht auf den Fersen eines russischen Bösewichts, der den Globus mit der im Zweiten Weltkrieg entwickelten Scalar-Waffe unterjochen will. Zugegeben: Dieses lauwarme Kalter-Krieg-Süppchen haut Gourmets zwar nicht aus den Latschen, mundet dafür aber dank seiner witzigen Charaktere umso mehr. Denn trotz des bedrohlichen Szenarios von „Bad Company 2“ haben die Protagonisten ihren Humor nicht verloren. Besonders die Gespräche zwischen dem Sprengstoff-Experten Haggard und dem Klugscheißer Sweetwater ziehen einem die Mundwinkel nach oben wie eine Botox-Spritze.

Die Zerstörungsphysik ist noch beeindruckender als im ersten Teil. Selten machte es so viel Spaß, das Schlachtfeld zu zerlegen.

Mal streiten die zwei sich mitten im Gefecht über ihre Lieblingsszene aus „Predator“. Ein anderes Mal breiten sie ihre psychischen Probleme voreinander im Kugelhagel aus. Auch sonst haben die Jungs zu jeder misslichen Lage einen coolen Spruch auf Lager, egal ob sie gerade einen Helikopterabsturz oder einen Bombenangriff überstanden haben. Marlow, Haggard, Sweets und Sarge präsentieren sich also wie gewohnt als willkommene Gegenentwürfe zu den leeren Patrioten-Hüllen der „Modern Warfare“-Reihe, die ungefähr so viel Persönlichkeit haben wie Vorschulkinder. Auch in puncto Storytelling hat „Bad Company 2“ die Nase vorn.

Während „Infinity Ward“ ihr dünnes Handlungsgerüst hauptsächlich über Missionsbesprechungen transportiert, setzt Dice noch mehr als im ersten Teil auf Zwischensequenzen.

Ein atemberaubendes Schlachtfeld
Anders ließen sich Schauplatz- und Zeitachsensprünge wie am Anfang der Kampagne auch nicht logisch miteinander verknüpfen. Alles beginnt im Zweiten Weltkrieg auf irgendeinem pazifischen Eiland. Als Mitglied einer amerikanischen Spezialeinheit sollt ihr einen japanischen Wissenschaftler, der überlaufen will, aus einer feindlichen Basis befreien. Und dieser Einstieg ins Abenteuer könnte kaum stimmungsvoller inszeniert sein. In einem Schlauchboot, das seicht zwischen den Wellen wankt, wartet ihr mit drei weiteren Kameraden auf das Infiltrationssignal.

Die einzelnen Schauplätze und Zeitsprünge sorgen für Abwechslung. Die Level sind aber schlauchförmig aufgebaut, viel Freiheiten gibt es hier nicht.

Dichter Nebel umringt das Boot, und der tiefblaue Mondschein taucht die Szenerie in ein gespenstisches Licht. Dann erfolgt der langerwartete Befehl. Doch das Vorhaben scheitert, denn ein japanischer Außenposten entdeckt unsere Einheit und eröffnet das Feuer. Fortan kämpfen wir uns mit Maschinenpistole und Gewehr durch eine Bunkeranlage. Die japanische Flugabwehr erleuchtet den Nachthimmel, und um uns herum geht kontinuierlich irgendetwas in die Luft. Als wir den anliegenden Dschungel erreichen, bricht der Tag an und schickt fast greifbare Lichtstrahlen durch das dichte Geäst. Nach einem kurzen Spaziergang tut sich eine Landschaft vor uns auf, die unseren Atem stocken lässt. Im gleißend hellen Sonnenlicht finden wir uns auf einer Lichtung mit kniehohem Gras wieder. Schmetterlinge flattern wild in der Morgensonne umher. Doch es ist keine Zeit für Natur-Romantik, denn wir müssen noch den Wissenschaftler befreien, dann versuchen, von der Insel zu entkommen und schließlich in den anschließenden Missionen mit der „Bad Company“ die Welt vor dem Untergang bewahren. Eben der ganz normale Wahnsinn im Leben eines Krawall-Redakteurs.

Der oben beschriebene Prolog stellt sowohl einen fulminanten Einstieg ins Abenteuer als auch ein grafisches Muskelspiel seitens der Entwickler dar. Wie ein aufgepumpter Bodybuilder streckt Dice der Konkurrenz den dicken Mittelfinger entgegen und zeigt, wo der Stier die Klöten hängen hat. Die Schweden haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Stärken der Frostbite-Engine in allen Bereichen verbessert. Neben jeden Aufgabenbereich der To-Do-Liste konnte Digital Illusions einen großen Haken setzen. Die Lichteffekte erwecken einen noch realistischeren Eindruck, die Animationen sind deutlich geschmeidiger, und dank der verfeinerten Partikeleffekte sehen Rauch und Explosionen plastischer aus. Gebäude kann man mit Granaten, Sprengladungen, Panzerfäusten und Fahrzeugen sogar noch detaillierter in ihre Einzelteile zerlegen. Doch leider fallen Wände und Dächer noch immer nicht dynamisch in sich zusammen. Das ist zwar beim Zerstörungsorgien-Spitzenreiter „Red Faction: Guerrilla“ auch nicht der Fall, aber bei den dortigen Explosionen fliegen mehr Teile durch die Atmosphäre. Außerdem bleiben die Gebäudebröckchen auf dem Mars am Boden liegen, während sie sich bei „Bad Company 2“ in kürzester Zeit auflösen.

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