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Der Zweck heiligt die Mittel

10.11.2011 | Autor: André

Es war die absurde Randnotiz nach der Veröffentlichung von „Battlefield 3“: Die Tierschutz-Organisation PETA beschwerte sich via Pressemeldung über die Ermordung einer Ratte im Spiel. Nun sind gerade die Aktivisten von PETA ohnehin als Radikale verschrien und die meisten Spieler hätten die Meldung mit hochgezogener Augenbraue abgetan. Doch in der Pressemitteilung wurde im Namen des Rattenschutzes auch gleich die alte Killerspiel-Debatte mit hochgekocht. „PETA gibt zu bedenken, dass auch das Töten von virtuellen Tieren eine verrohende Wirkung auf das junge männliche Zielpublikum haben kann“, hieß es dort. Gewalttätige Computer- und Videospiele seien, so die PETA-Mitteilung weiter, bereits oft eine Inspirationsquelle für Tierquälerei gewesen. Da war es also wieder, das Schreckensbild von der durch Spiele verdorbenen Jugend. Aber wie ernst meint das die für ihre extrem provokanten Aktionen berüchtigte Organisation überhaupt und gibt es da nicht, wie so oft, vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit, über das es sich nachzudenken lohnt? Wir sprachen mit dem Verantwortlichen hinter der Pressemeldung: Hendrik Thiele, dem Kampagnenleiter bei der an Jugendliche gerichteten PETA2.

Krawall.de: Bevor wir über die Meldung an sich sprechen, würde uns eingangs interessieren: Wie kam es denn überhaupt zu dieser Pressemeldung? War das eine Reaktion auf Zuschriften von Mitgliedern, ist das jemanden bei euch aufgefallen?

Hendrik Thiele: Das ist mir selbst aufgefallen, als ich Spielszenen von „Battlefield 3“ auf Youtube angesehen habe.

Hendrik Thiele, der für die Pressemeldung verantwortliche Kampagnenleiter bei PETA2, ist selbst Spieler. (Foto Copyright Bjoern Lexius)


Krawall.de: Und daraufhin hast du dir gedacht: „Das geht ja gar nicht! Da müssen wir jetzt mal ne Pressemitteilung schreiben?“

Hendrik Thiele: Genau, ich habe hoch empört meinem Ärger Luft gemacht! Das ist die Antwort, die viele hier vielleicht erwarten, das ist mir schon bewusst. Aber wir machen nicht die Spielregeln der Medien, wir richten uns nur danach. Und das Thema „Tierrechte“ ist nun mal ein extremes Nischenthema. Wir sind also gezwungen sehr öffentlichkeitswirksame Kampagnen zu fahren, um wahrgenommen zu werden. Das bedeutet, dass viele unserer Kampagnen extrem provokant gewesen sind, was natürlich viele Leute verärgert.

Es hat sich aber andererseits eben auch als sehr effektiv erwiesen. Es mag sein, dass wir dadurch für viele im ersten Moment wie Idioten wirken mögen. Aber wir machen uns gern „unsere weiße Weste schmutzig“, um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Ganz ehrlich: wir würden sehr gerne einfach normal über Tierrechte sprechen, ohne nackte Promis. Aber die Erfahrung lehrt, dass wir dann einfach ignoriert werden würden. Nun haben wir in diesem Falle gesehen, dass „Battlefield 3“ einen ungeheuren Medienhype generiert hat. Ein Medienhype, der vermutlich mit zig Millionen Dollar finanziert wurde.

Der Stein des Anstosses: Die etwas zu dreiste Ratte wird von der Spielfigur kommentarlos erstochen (Video: hier)

Krawall.de: Das hört sich jetzt so an, als hättet ihr nur die Gelegenheit genutzt, auf der „Battlefield“-Hype-Welle mit zu schwimmen, als dass du wirklich ernsthaft Anstoß an dieser Szene genommen hättest.

Hendrik Thiele: Ich würde sagen, das geht Hand in Hand. Der Zweck heiligt durchaus die Mittel, dieses Spiel zu nehmen, um dadurch die Tierrechte in die Medien zu bringen. Dabei ist es nicht unsere Absicht gewesen, die Gaming-Community vor den Kopf zu stoßen. Vielmehr war es mir wichtig unser Thema auch mal an diese Gruppe heran zu tragen, aus der ich selbst auch komme, da ich viele Jahre meines Lebens mit Spielen verbracht habe. Deswegen bin ich der Letzte der glaubt, dass jeder Spieler ein potentieller Attentäter, Terrorist oder sonst was ist. Aber es ist schon so, und das ist die andere Seite, dass diese Spiele vorwiegend von einem jungen, männlichen Publikum gespielt werden. Und wenn in dieser Gruppe, ich sag mal 16 bis 20 Jahre, also in der Adoleszenz, Gewaltdelikte verübt werden, gehen denen sehr häufig Fälle von Tierquälerei voraus. Deswegen sagen wir: Man sollte vielleicht mit solchen Themen, solchen Darstellungen sensibler umgehen. Es ist eine Sache, wenn man gegen bewaffnete Gegner vorgeht. Aber eine völlig andere, wenn man unschuldige Tiere tötet. Man sieht ja auch, dass die meisten Entwickler moralische Grenzen ziehen, wenn es um das Töten von wehrlosen Zivilsten geht. Da finden wir es sehr schade, dass die gleiche Grenze nicht auch für Tiere gilt.

Krawall.de: Jetzt werden einige Leute sagen: „In dem Spiel werden Hunderte Menschen erschossen und PETA beschwert sich über eine erdolchte Ratte?“

Hendrik Thiele: Das wirkt vielleicht auf den ersten Blick irritierend, aber wir konzentrieren uns hier einfach nur auf unser Thema und das sind Tierrechte. Es dürfte selbstverständlich sein, das gerade unsere Mitglieder natürlich auch am Thema Menschenrechte extrem viel Anteil nehmen. Aber dafür gibt es eigene Organisationen. Auch wollten wir uns mit dieser Meldung nicht an der großen Debatte darüber beteiligen, ob Gewaltspiele nun moralisch verwerflich sind oder nicht. Wir wollten nur für diesen Aspekt sensibilisieren.

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