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Ein zweischneidiges Schwert

17.11.2009 | Playstation 3 Xbox 360 PC | Autor: Olaf

Vor zwei Jahren kam der erste Teil von „Assassin's Creed“ mit einem güldenen Award für „Grafische Genialität“ davon. Das Spiel trumpfte zwar technisch ganz groß auf, blieb aber besonders spielerisch weit hinter den Erwartungen zurück. Mit Teil 2 gelobt Ubisoft nun Besserung. Schließlich habe man auf die Rufe von Community und Kritikern gehört. Die Vorab-Berichterstattung scheint ihr Übriges zu tun: „Assassin's Creed 2“ ist das wohl wichtigste Spiel der Firmengeschichte. Lohnt sich der Hype, oder versinkt das Assassinen-Abenteuer im spielerischen Einerlei?

Story in der Story in der Story
Die Rahmenhandlung bildet erneut Desmond Miles. Er wird zu Beginn des Spiels von der aus dem Vorgänger bekannten Lucy aus den Aspergo-Laboren rausgeschmuggelt. Sie ist Mitglied einer Splittergruppe der Assassinen. In ihrem Hauptquartier angekommen, wird Desmond sofort an einen neuen Animus angeschlossen. Mit Hilfe der futuristischen Maschine soll er die Fähigkeiten der Assassinen erlernen. Mit dem Animus begibt sich Desmond zurück in die Vergangenheit seines Urahnen Ezio Auditore di Firenze. Der Edel-Jüngling lebt im Florenz des 15. Jahrhunderts als Sohn eines reichen Bankiers. Es mangelt ihm an nichts, bis seine Familie einer Verschwörung der Templer zum Opfer fällt. Sein Vater und seine Brüder werden öffentlich erhängt, Mutter und Schwester müssen aufs Land flüchten. Ezio schwört blutige Rache und verfolgt die Spuren seines Vaters, der ebenfalls ein Assassine war. In dessen geheimem Wandschrank findet Ezio schließlich die weiße Kutte sowie die charakteristischen Klingen der Attentäter.

Stimmungsvolle Schauplätze vereint mit einer spannenden Handlung sorgen für dichte Atmosphäre.

Im Gegensatz zum Vorgänger setzt „Assassin's Creed 2“ auf eine sehr lineare Erzählstruktur. Die einzelnen Sinnabschnitte – im Spiel „Sequenzen“ genannt – gliedern sich stets in kleinere, in den Kontext eingebundene Aufgaben. Das Design der Hauptmissionen variiert stark: Mal müssen wir zunächst einige Botengänge ausführen, dann die Zielpersonen belauschen oder doch den kommenden Ort des Anschlags auskundschaften. Zum Abschluss folgt natürlich ein Attentat auf eine hochrangige Templer-Persönlichkeit. Diese scheinbar statische Erzählweise tut dem Spiel gut: Die Geschichte wird spannend erzählt. Für eine besondere Würze sorgt der gut recherchierte geschichtlich korrekte Hintergrund des Spiels, denn Clans wie die Pazzi und die di Medici oder Personen wie Leonardo da Vinci haben tatsächlich existiert. Auch zu den Sehenswürdigkeiten in den Städten bekommt ihr stets interessante Zusatzinformationen geliefert. Dadurch wirkt das Spiel trotz seines fiktionalen Charakters glaubwürdig und greifbar. Die Zwischensequenzen wiederum sind gut gelungen und spannend inszeniert.

Männlich, tödlich sucht …
Die Schauplätze von „Assassin's Creed 2“ erinnern an eine schöne Italienrundreise. Wir beginnen in Florenz, landen zwischendurch in der Toskana, bis wir schließlich nach Venedig kommen. Euer Rückzugsort ist Montereggioni. Hier hat Ezios Onkel Mario eine prachtvolle Villa errichtet. In ihr bündeln sich viele der optionalen Nebenmissionen. So habt ihr die Möglichkeit, die Stadt Montereggioni mit dem erbeuteten Geld aufzuwerten und dadurch wieder bare Münze zu verdienen – eine nette Idee. Außerdem erlernt ihr hier neue Kampffertigkeiten oder liefert ergatterte Gegenstände ab. Ezios traumatisierter Mutter etwa müsst ihr die Adlerfeder ihres kleinen Sohnes Petruccio bringen. Seine Schwester hingegen kümmert sich um die Buchhaltung der Stadt und überwacht die Kasse.

Die Steuerung hat man schnell raus, sie ist allerdings auch recht anspruchslos. Manchmal stören Kameraprobleme.

In den Städten blüht das Leben, und so habt ihr abseits der Hauptmissionen noch viele Möglichkeiten, euch die Zeit zu vertreiben. Standardmäßig erklimmt ihr die höchsten Türme, erledigt kleinere Attentate oder Botengänge. Das verdiente Geld könnt ihr in verschiedenen Läden loswerden. Beim Schmied kauft ihr euch neue Waffen und Rüstungen, beim Schneider neue Kleider oder zusätzlichen Stauraum für das Inventar. Beim Kunsthändler ersteht ihr Gemälde, die ebenfalls dem Wert eurer Heimatstadt zugute kommen. Das gesamte Drumherum von „Assassin's Creed 2“ wirkt einfach ungemein natürlich – wie ein kleiner Mikrokosmos innerhalb eines Spiels.

Eine Sonderstellung nimmt die Suche nach sechs Siegeln ein. In Florenz und in Venedig befinden sich Grabkammern, die die wichtigen Wappen beherbergen. Während sich „Assassin's Creed 2“ großteils auf stylische Kämpfe und hektische Free-Run-Einlagen konzentriert, ändert sich bei der Grabräuberei das Gameplay maßgeblich. Hier erinnert das Action-Adventure eher an „Prince of Persia: The Sands of Time“. So müsst ihr Schalterrätsel lösen, durch Klettern an Hebel gelangen oder sonstige Sprungpassagen bewältigen. Die Suche nach dem richtigen Weg ist trotz kleinerer Kameraprobleme ungeheuer motivierend und stellt eine willkommene Abwechslung zu dem hektischen Assassinen-Alltag dar.

Eine weitere große Neuerung sind die so genannten Glyphen. Diese Symbole verstecken sich in den Städten. Blickt ihr sie mit Ezios Adlerauge an, aktiviert ihr neue Rätsel. Mal müsst ihr Bilder zuordnen oder kleinere Schiebepuzzle erledigen – nicht schwer, aber trickreich. Habt ihr diese Aufgabe bewältigt, schaltet ihr im Menüpunkt „Die Wahrheit“ Filmschnipsel über die Hintergründe frei.

Italienische Nächte
Kommen wir nun zum eigentlichen Kern des Spiels, nämlich den Kämpfen und dem Free-Run-Modus. Im oberen linken Bildrand befindet sich eine Anzeige für Ezios Gesundheitszustand, aber auch für seinen aktuellen Bekanntheitsgrad. Ist das Logo blutrot, werden Wachen schneller auf ihn aufmerksam, sobald er sich merkwürdig benimmt. Glücklicherweise habt ihr in „Assassin's Creed 2“ deutlich mehr Möglichkeiten, um euch zu verstecken.

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