ArmA 2: Operation Arrowhead
-
- Publisher: Meridian4
- Entwickler: Bohemia Interactive
- Genre: Taktik-Shooter
- Release: 25.06.2010
Erschreckender Realismus?
17.05.2010 |
|
Autor: Hauke
In Afghanistan sterben Soldaten, in Pakistan stecken die Taliban und in Takistan marschiert die US-Armee ein. Takistan? Genau wie im virtuellen Chernarus aus „ARMA II“, das frappierend an Krisenregionen wie den Kosovo erinnert, erdrückt einen „Operation Arrowhead“ mit seinem realistischen Szenario. Das ominöse Takistan liegt in Westasien, besteht aus Steppe und bergiger Landschaft sowie der Großstadt Zargabad mitsamt Moscheen und engen Gassen. Neben der feindlichen takistanischen Armee trifft man hier neutrale Guerillakämpfer und UN-Blauhelme. Viel überraschender und – vor dem Hintergrund der realen Geschehnisse unserer Zeit – bedrückender ist es allerdings, deutsche KSK-Soldaten auf dem virtuellen Schlachtfeld zu entdecken, und auch die Tschechen sind vor Ort stationiert.
Auf ins Bootcamp
Im Trainingslager warten vier Missionen, die uns mit den neuen Spielelementen vertraut machen und im Gegensatz zu dem Tutorial in „ARMA II“ wirklich hilfreich sind. Textboxen erklären uns die anliegenden Aufgaben und erläutern die Funktionsweise der Konfliktsimulation teilweise noch über die bloßen Grundzüge hinaus. Im Hindernisparcours hat sich naturgemäß wenig getan, doch schon auf der Schießbahn gibt es neue Waffen im Arsenal, der M32-Granatwerfer fegt demonstrativ gruppenweise rote Pappkameraden zu Boden. In der nächsten Trainingsmission bekommen wir die Hubschraubersteuerung erklärt, wobei der AH64 Apache eines der neuen Vehikel in den Hangars ist. In sämtlichen Flugzeugen funktionieren inzwischen sowohl die Multifunktionsdisplays im Cockpit als auch das HUD, so dass der Spieler problemlos die wichtigsten Anzeigen im Blick behält. Der gewaltige Kampfhubschrauber spielt auch in der nächsten Lehrstunde eine wichtige Rolle, denn hier geht es um die Drohnensteuerung. Aus dem AH64 lässt sich nämlich ein AH6X Little Bird fernsteuern, der in Risikogebieten Ziele mit seinem Laser markiert und so die tödlichen Hellfire-Raketen des Apache ins Ziel lenken. Ebenfalls zum Markieren von Zielen ist die Predator-Drohne geeignet, die wir aus sicherer Distanz vom Boden aus lenken. Hilfreich bei jeder Form von Aufklärung ist darüber hinaus der neue FLIR Sichtmodus, der Hitzesignaturen in Graustufen anzeigt. Fahrzeuge und Menschen stechen so deutlich aus der Landschaft hervor. Selbstredend, dass es auch eine FLIR-Zieloptik für Gewehre gibt – im wahrsten Sinne des Wortes eine Killerapplikation.
Das fiktive Takistan besteht überwiegend aus Steppe und bergischer Landschaft. Doch auch eine Großstadt ist dabei.
Minen explodieren
Im Gegensatz zur Kampagne in „ARMA II“ spielen wir nicht die Karriere eines einzelnen Soldaten nach, sondern schlüpfen in mehrere Rollen. Das sorgt naturgemäß für mehr Abwechslung im Spiel. In der ersten Mission unserer Vorschauversion leiten wir jedoch wie gewohnt ein Squad und sollen einen Minenkomplex von feindlichen Kräften säubern sowie Geiseln befreien.
Schon im Vormarsch auf das Zielgebiet findet im kleinen Örtchen auf der anderen Seite des Tals eine Großoffensive statt, so dass der kurze Fußweg nicht langweilig wird. Aus der Distanz und mit Hilfe der schon erwähnten Thermaloptik schalten wir die Wachposten aus und starten hinterher einen Sturmangriff, der den restlichen Widerstand hinwegfegt. Doch leider finden wir die Geiseln nur noch tot vor, und sie sind nicht alleine. Die Wände des gerade betretenen Gebäudes sind mit Sprengstoff tapeziert und ein Zeitzünder tickt fröhlich vor sich hin. Schnell müssen wir den Deaktivierungscode bei einer der Leichen finden und so die Bomben entschärfen – Mission geschafft.
Flieger, grüß mir den Mond
Der nächste Auftrag führt uns auf den Pilotensitz eines Apache; in finsterster Nacht werfen wir die Motoren an. Hinter den feindlichen Linien befinden sich drei Artilleriestellungen, die unseren Truppen zu schaffen machen. Die Hügelketten vor der Zielregion werden jedoch von Luftabwehrstellungen gehalten, und so ist es der kleine, ferngesteuerte Hubschrauber, der zum Einsatz kommt, damit wir selber aus sicherer Distanz das Feuer eröffnen können.
„Operation Arrowhead“ spielt sich spürbar flüssiger als das Hauptspiel. Die Kampagne gestaltet sich weniger zäh.
Die dritte verfügbare Mission setzt Tonnen von Stahl in Bewegung; wir stürzen uns in eine Panzerschlacht. Diese spielt sich allerdings nicht großartig anders als im Hauptspiel und offenbart, dass die eigenständig lauffähige Erweiterung einige Macken übernommen hat. Obwohl die Kämpfe insgesamt flüssig und reibungslos laufen, bewegen sich die Infanteristen nach wie vor recht unnatürlich. Vor allem passieren immer wieder kleinere KI-Schnitzer. So wird der Beschuss aus der Glattrohr-Kanone schon mal geflissentlich ignoriert. Insgesamt kommen derartige Denkpausen jedoch deutlich seltener vor als noch im Hauptspiel. Außerdem hat sich die Performance anscheinend etwas verbessert, was jedoch auch an der Landschaft liegen könnte, die mit ihrer spärlichen Vegetation deutlich weniger rechenaufwändig sein dürfte. Im Mehrspieler-Modus soll neben den althergebrachten Spieloptionen auch die Kampagne kooperativ spielbar sein.
Klar zum Dienst!
Doch nicht nur das dürfte Veteranen zum Kauf animieren. Eine Parade von über 300 neuen Einheiten kann sich sehen lassen, außerdem wurden sämtliche althergebrachten Waffen neu texturiert. Fahr- und Flugzeuge wie SCUD-Werfer, der C130 Hercules, der A10 Thunderbolt und der in Takistan obligatorische Mi24 Hind bringen einfach Spaß. Besonders nachts verändert sich das Kampfgeschehen zudem spürbar, denn neben der FLIR-Optik sind neuerdings Taschenlampen und Laservisiere nutzbar, die jedoch die eigene Position verraten. Auch wenn „Operation Arrowhead“ nicht komplett fehlerfrei sein wird, spielt es sich schon jetzt deutlich flüssiger und weniger frustrierend als „ARMA II“. Die neue Kampagne, die etwas mehr als halb so umfangreich ist wie die des Ursprungspieles, aber weniger Leerlauf-Phasen bietet, die Möglichkeit, eigene Karten zu erstellen, und die Option, die Inhalte von „ARMA II“ und „Operation Arrowhead“ miteinander zu verknüpfen, sowie nicht zuletzt der günstige Add-On-Preis sorgen dafür, dass die Erweiterung ein Pflichtkauf für alle Fans der Serie werden dürfte. Wer sich hingegen mit der realistischen Gefechtssimulation und den teilweise störenden Bugs nicht anfreunden konnte, wird auch dieses Mal nicht glücklich werden.




