- AquaNox 2: Revelation
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- Publisher: JoWooD
- Entwickler: Massive Development
- Genre: Actionspiel
- Release: 22.11.2002
William und die sieben Weltmeere
30.11.2002 |
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Autor: Heiko
Im Vorfeld wurde „AquaNox“ von allen Seiten gehypt. Es konnte brillante Grafik bieten, war endlich mal wieder ein Erfolg für die hiesigen Gamedesigner und nervte doch mit einigen Detailmängeln und einer Story, die eher abschreckte als zu motivieren. Entwickler Massive nahm das Feedback ernst und kündigte mit „Revelation“ ein Add-On an, das die wichtigsten Kritikpunkte berücksichtigen sollte. Im Laufe der Zeit wurde aus der Erweiterung ein eigenständiges Spiel, welches nun unter dem Titel „AquaNox 2: Revelation“ verkauft wird. Halten die Entwickler Wort? Dass „AquaNox 2“ mehr ist, als ein bloßes Add-On, wird von der ersten Spielminute an deutlich.
Feuchte Plauderstunde
Diesmal beschränkt sich die Story auf wenige Personen. Bei Teil 1 raubte die Charakterflut auch gestandenen Uboot-Piloten den letzten Nerv.
So übernimmst du nicht mehr die Rolle von Emerald „Deadeye“ Flint, sondern schlüpfst in die Haut des jungen Piloten William Drake, Erbe eines inzwischen pleite gegangenen Transportunternehmens. Nur noch das Schiff „Harvester“ ist von der einst stolzen Flotte deiner Familie übriggeblieben. Gleich der erste Ausflug geht gründlich schief. William folgt einem Notruf. Der stellt sich aber als gefälscht heraus, und bei deiner Rückkehr musst du feststellen, dass dein Schiff von Piraten übernommen wurde. Die sind so gnädig, dich nicht von Bord zu schmeißen und dir eine Chance als Pilot zu geben. Dein Schiff ist anfangs der kleine Uboot-Späher „Salty Dog“, den du natürlich nach und nach mit besseren Waffen und Gimmicks ausrüsten kannst. Dazu erfüllst du am besten neben den Primärzielen noch einige Extraaufgaben. Die Story wird hauptsächlich in gesprochenen Dialogen präsentiert, die von gezeichneten Bildern der Gesprächspartner illustriert werden. Aufgrund der durchgehend düsteren Atmosphäre der Bilder und der hervorragenden Sprecher motiviert die Story mehr als so manches, kalten Videosequenzspektakel. Nach und nach findet William raus, dass seine neuen Kollegen auf der Suche nach einem legendären Artefakt sind und dass er selbst wesentlich mehr ist, als nur der Spross einer gescheiterten Unternehmer-Sippe. Nicht zuletzt lebt die Story auch davon, dass sie nur von einer Handvoll Charaktere präsentiert wird. Anders als beim Vorgänger, wo Dutzende Personen ohne jede Tiefe präsentiert wurden, gewinnen Williams Kollegen nach und nach an Charakter und schaffen es, ans Herz zu wachsen.
Qual der Waffenwahl
Spielerisch hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht sehr viel getan. Dass man in den Menüs endlich die Maus benutzen darf, kann man „Revelation“ nicht wirklich anrechnen. Außerdem lässt sich die Steuerung nun editieren – im Grunde auch eine Selbstverständlichkeit. Du kannst entscheiden, ob du „Revelation“ wie einen 3D-Shooter oder wie eine herkömmliche Simulation steuern willst. Die Shooter-Steuerung besitzt die eine oder andere Einschränkung, funktioniert aber tadellos. Simulationsfreaks können das Spiel natürlich mit Joystick steuern und so der Dauerflaute ihres Wunschgenres die kalte Schulter zeigen. Der Schwerpunkt liegt allerdings klar auf Action. Rund 30 Missionen gilt es zu absolvieren. Die Aufträge werden die meisten Spieler kaum vor Überraschungen stellen.
Meistens werden Erkundungstouren, reine Kampfeinsätze und Eskortmissionen geboten – gewohnte Kost also. Eine Chance, sich während der Missionen zu verlaufen, oder nicht zu wissen, was als nächstes zu tun ist, besteht kaum. Markierungen zeigen den jeweils anzusteuernden Ort an. Nach Abschluss einer Mission sorgt der Autopilot dafür, dass du schnellstmöglich die Früchte deiner Arbeit genießen kannst. Eventuell eroberte Ausrüstungsgegenstände können vor dem nächsten Ausflug eingebaut werden. Es ist allerdings nicht immer ganz einfach, die richtige Ausstattung für den nächsten Einsatz zu finden: Die Missionsbeschreibungen sind oft vage gehalten; zudem verändern sich die Einsatzziele nicht selten, wenn du bereits auf Tour bist. Auf gut Glück rüstest du dein Schiff also mit verschiedensten Torpedos, Generatoren und Buzzern zwecks Torpedoablenkung aus. Du entscheidest dich, ob du lieber eine Sniperwaffe oder eine Plassmagun mit an Bord nimmst. Erstere hat eine sehr schlechte Feuerrate, kann aber mit Hilfe des Zooms auf gegnerische Cockpits gerichtet werden und gegnerische Piloten mit einem Schuss erledigen. Für den gepflegten Nahkampf eignet sich hingegen besagte Plasmagun. Praktisch ist auch die EMP-Waffe, die gegnerische Schiffe lahm legt. Nach Ende der Mission werden diese dann ausgebeutet, was zu einer netten Bereicherung deines Waffenarsenals führen kann. Neben verschiedenen Wummen werden vier neue Schiffe angeboten. So kannst du später statt deines wendigen Aufklärers auch schwere Bomber oder bis an die Zähne bewaffnete Kampfboote durch die Untersee jagen.
Massive Töne
Masse statt Klasse lautet die Devise in den Kämpfen. Meist stellen sich dir nicht etwa doofe Gegnermassen, sondern nur wenige, ziemlich schlaue Widersacher in den Weg. Insgesamt ist das Spiel herausfordernd geraten. Dank fünf verschiedener Schwierigkeitsgrade kommen aber auch Einsteiger gut zu recht. Wer geschickt seine Stärken - beispielsweise die Sniperwaffe - nutzt, sollte die meisten Aufträge nach einigen Anläufen meistern können. Manchmal lässt sich die Energieversorgung von Geschütztürmen ausschalten, oft kannst du Deckung suchen und den Gegner mit wiederholten, schnellen Feuerstößen zermürben. Generell führt eine eher zurückhaltende, coole Taktik zum Ziel.
Blup Blup Blup!
Wer das Original gespielt hat, wird den düsteren Touch des Nachfolgers schnell lieb gewinnen. Alles wirkt dunkel und bedrohlich. Herrlich beklemmend.
Nicht zuletzt wegen seiner genialen Grafik wurde „AquaNox“ im Vorfeld ohne Ende gelobt. Teil 2 basiert auf einer verbesserten KRASS-Engine, die immer noch sehr beindruckende Unterwasserwelten zaubert. Der Look ist auch während der Missionen wesentlich düsterer und realistischer geraten, als der des Vorgängers. Grafische Kabinettstückchen wie Lichtspiele am Meeresgrund und gewaltige Explosionen gibt’s natürlich trotzdem zu bewundern. Insgesamt legt „Revelation“ wesentlich mehr Wert auf eine dichte Atmosphäre als auf gelegentliche Oha-Momente. Etwas mehr Unterwasservegetation und der eine oder andere Fisch hätten dem Abwechslungsreichtum allerdings nicht geschadet. Noch eine Spur brillanter als die Optik präsentiert sich der Sound. Wie bereits erwähnt gibt’s da zum einen tolle Sprecher. Der Rest der akustischen Untermalung stand wohl unter dem Motto: „Mehr Bass!“. Wer einen Subwoofer unter dem Schreibtisch stehen hat, wird das bedrohliche Gebrummel bald nicht mehr missen wollen. Zusammen mit den gelungenen Effekten wird perfekte Unterwasserstimmung erzeugt.



