- Anstoss 4
-
- Publisher: Bigben Interactive
- Entwickler: Ascaron
- Genre: Sportspiel
- Release: unbekannt
Spiel mir das Lied vom Bug
27.12.2002 |
|
Autor: Toby
Der Stürmerstar schießt aus vollem Rohr – Latte! Der Torwart ist geschlagen, die Chance für den aufgerückten Rechtsaußen! Doch was macht der Kicker? Dribbelt um drei imaginäre Verteidiger herum und pfeffert die Pille genau in die Hände des inzwischen aufgestandenen Torwarts. Willkommen bei der neuen Bugreferenz „Anstoss 4“! Doch schön der Reihe nach: Eigentlich sollte der vierte Teil der „Anstoss“-Serie ja ein Pflichtkauf werden, schließlich steckt Fussball-Altmeister Ascaron dahinter. Die erfolgreiche Vorgeschichte ist jedoch die leichteste Bürde für die neue Software aus Gütersloh. Um Raubkopierer zu überlisten, erscheint „Anstoss 4“ ausschließlich auf DVD. Ein wagemutiger Schritt, doch angesichts der finanziellen Situation des Unternehmens durchaus nachzuvollziehen. Und dann war da noch der Rechtsstreit mit Electronic Arts. Ascaron musste die Auslieferung des Titels stoppen, da die Kölner einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt hatten. Grund: Spielergeburtsdaten aus der englischen Version des „Fussball Manager“ sind bei „Anstoss 4“ aufgetaucht. Nach diesem Debakel kam die langerwartete Fortsetzung, wegen eines Produktionsfehlers mittlerweile doppelt gepresst, endlich in den Handel.
Parolenausgabe
Vor dem Anpfiff könnt ihr euren Schützlingen noch eine Weisheit mit auf den Weg geben. Einzelbehandlungen á la „FM 2003“ gibt es nicht.
Greenhorns willkommen
Das neue Menü sticht gleich ins Auge. Die Schaltzentrale kommt mit nur sechs Oberbegriffen aus: Presse, Organizer, Team, Training, Transfer und Managament. Klickt man auf einen Bereich, tauchen vier Unteroptionen auf, die in einer weiteren Leiste wiederum seziert werden. Die Oberfläche ist einsteigerfreundlich, natürlich greifen bei Bedarf Assistenten unter die Managerarme. Die Auswahl der Features hält sich allerdings in Grenzen. „Anstoss 4“ kommt zwar mit der Grundausstattung eines Fußballmanagers daher, neue Wege werden aber nicht beschritten. Ob altbewährtes ausreicht? Die Taktikmaßnahmen lassen hoffen. Wie beim „FM 2003“ können Hobby-Trickser Standardsituationen ausklügeln. Außerdem wird bestimmt, ob die Angreifer über die linke oder rechte Flügelseite ihr Glück versuchen sollen. Die Vertragsverhandlungen sind altbacken. Ihr habt die Wahl, ob ihr dem Konkurrenten vorsichtig, sachlich oder aggressiv eure Wunschablöse auf die Nase bindet. In getreuer „Anstoss“-Manier verschlechtert sich seine Miene bei zuviel Habgier.
Da verfügt das Ball-System der Konkurrenz aus Köln über einen wesentlich höheren Fun-Faktor. Auch beim Zeitungsvergleich steckt EA den Altmeister in die Tasche. Während der Kicker mit Interviews und Spekulationen das Geschehen auflockert, hält das Abseits-Magazin aus „Anstoss 4“ mit zahlreichen Sponsoren-Logos dagegen. Irgendwo dazwischen findet man einen Mini-Artikel. Kicken die Rasenmillionäre wie Flasche leer, werden sie wie üblich ins Trainingslager geschickt. Hier betreiben die Entwickler Product-Placement der besonderen Art: Echte Fußballmanager lassen ihre Schützlinge auf Port Royale (Wirtschaftssimulation von Ascaron) planschen.
Hilfe, Mami!
Die 3D-Szenen sind nicht nur schlimmer verbuggt als eine Beta-Version, sondern auch optisch auf einem Abstiegsplatz.
Wolle Bugs kaufe?
Die letzten Fans wechseln spätestens beim Anblick des 3D-Modus ins „FM 2003“-Lager. Weise wäre es gewesen, diesen einfach wegzulassen. Vom Spielspaß fehlt ja auch jede Spur. Abgesehen davon, dass die Szenen gerade noch die Optik des Schnäppchen-Titels „Fussballmanager Fun“ schlagen, treibt massives Bugaufkommen jeden Funken Spass in den Keller. Ein Best-Of: Eckbälle werden in der Statistik nicht angerechnet, nie dagewesene Verwarnungen hingegen schon. Soll ein Sünder wirklich verwarnt werden, greift der Schiri zwar in seine Tasche, zieht dann aber eine unsichtbare Karte. Dieser Karton wurde im Spielfazit übrigens nicht vermerkt. Und dann war da noch der linke Flügelflitzer, der unbedrängt in den Strafraum einmarschierte, sich dann aber anders entschied und einfach hinter der Außenlinie verschwand. Das Traurigste an der ganzen Sache: all das passierte nach dem Aufspielen des dritten Patches. Jungfräulich ohne Updates endete unser erstes Match damit, dass drei Feldakteure fröhlich über den Ball hinübertänzelten und keine Lust hatten, weiterzukicken. Aber auch mit dem Pflaster-Trio dauert eine Begegnung immer noch viel zu lange - den obligatorischen Geschwindigkeitsregler sucht man vergebens. Der Textmodus entpuppt sich als wenig brauchbare Alternative, da man nach drei Partien fast alle Floskeln runterbeten kann. Ebenfalls ernüchternd sind die Tage zwischen Training und Spiel. Statt aktuellen Fitness-Werten wird dem Nachwuchs-Hoeneß ein hypermoderner Wecker vorgesetzt, der die Tageszeiten präsentiert. In Sachen Sound sieht es genauso schlecht aus. Die Hintergrund-Musik lässt keine Stimmung aufkommen, MP3s können nicht importiert werden. Der Sound der Stadionkulisse ist gerade noch ausreichend. Dennoch merken nicht nur penible Hörer den abgehackten Übergang zwischen den einzelnen Aufnahmen.



