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  • Anno 1503
  • PC
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Deutsches Spiel aus Österreich

08.11.2002 | PC | Autor: Heiko

Vor dem Vorwurf, nur am schnellen Geld interessiert zu sein, sind Max Design und Sunflowers gefeit, ließ man sich doch vier Jahre Zeit, um „Anno 1602“, das nach Herstellerangaben erfolgreichste deutsche Spiel aller Zeiten, fortzusetzen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wäre den Designern doch auch eine halbgare Pseudo-Fortsetzung aus den Händen gerissen worden. Aber was so lange währt, muss gut bis perfekt sein, oder? Am bewährten Spielprinzip hat sich kaum was geändert. Beim Endlosspiel findest du dein Schiff, beladen mit Werkzeug, etwas Holz, Nahrung und einem Scout, in einem gigantischen Inselreich wieder. Du suchst dir ein Eiland aus, schipperst ans Ufer, wo der Scout an die Arbeit geht.

Mehr Cutscenes, bitte!
Schmucke Videoschnipsel wie diese sind selten, dafür aber von sehr guter Qualität. Mehr solcher Elemente hätten der Kampagne zum Quantensprung verholfen.

Wenn du Glück hast, findet er Eisenerz oder Salz. Wenn auf der Insel dann noch genügend Platz für Landwirtschaft vorhanden ist, kannst du loslegen, ein Kontor hochziehen und mit dem Bau deiner Stadt beginnen. Du siedelst ein paar Pioniere an und sorgst dafür, dass sie sich wohlfühlen. Glücklicherweise sind deren Bedürfnisse noch recht überschaubar. Schenkst du deinen Pionieren eine Schänke und eine Kapelle, sind sie so zufrieden, dass sie zu Siedlern werden. Diese haben wiederum gesteigerte Ansprüche, zu deren Erfüllung komplizierte Produktionsketten vonnöten sind. Je reicher deine Einwohner, desto exotischer deren Wünsche. Insgesamt 46 Rohstoffe stehen zur Verfügung. Die wirst du niemals alle auf einer Insel herstellen können, weshalb du dein Schiffchen bald wieder losschicken musst, um weitere Ländereien in Besitz zu nehmen. Du errichtest Kolonien, baust hier Salzminen und dort landwirtschaftliche Großanlagen. In deiner Werft entstehen Schiffe, die Waren zwischen den Inseln transportieren. Beispielsweise kannst du auf der Hauptinsel Werkzeuge einladen, die in einer Tabakproduktionsstätte Verwendung finden. Der Tabak wird wiederum in die Stadt geliefert, um deine anspruchsvollen Untertanen zu beglücken. Natürlich kannst du auch Handel treiben. Bis zu drei Computergegner und maximal neun neutrale Völker wie Eskimos und Venezianer tummeln sich auf den Karten.

Auf Wunsch kannst du deinen Einflussbereich auch mit militärischen Mitteln ausweiten. Gegenüber dem Vorgänger hat dieser Bereich stark zugelegt: bis zu 14 verschiedenen Militäreinheiten können gebaut und auf den Konkurrenten gehetzt werden. Der Militärteil wurde zwar ausgebaut, wirkt allerdings weiterhin etwas aufgesetzt und unausgereift. Das Endlosspiel gerät übrigens nicht völlig zum Selbstzweck, winkt dem erfolgreichen Bauherrn doch nach unzähligen Stunden der Bau eines eigenen, äußerst prachtvollen Palastes. In der Kampagnen-Sparte muss du dich in 12 Missionen beweisen. Meist müssen Städte hochgezogen werden, um ein bestimmtes Ziel, etwa eine festgelegte Siedleranzahl, zu erreichen. Allerdings werden die Missionen nicht etwa durch schnieke Filmsequenzen sondern lediglich durch kurze Textkästen in eine zusammenhängende Form gebracht. Schade! Obendrauf gibt’s noch mal zehn Einzelszenarios, ebenfalls mit Spielziel, aber ohne Zusammenhang.

Meine Stadt und ich
Insgesamt ist das Endlosspiel wieder wichtigstes Element des Titels. Wichtig für den Bau einer Siedlung sind vor allem die Ressourcen. Holz, welches du anfangs für jedes Gebäude brauchst, schaffen Holzfäller heran. Spätere Bauten brauchen meistens auch Steine, die mittels Steinbruch und Steinmetz gefördert werden. Eine weitere unerlässliche und zu Beginn oft knappe Ressource sind Werkzeuge. Um diese selbst herzustellen, brauchst du die recht aufwendige Produktionskette aus Erzmine, Erzschmelze und Werkzeugschmiede. Zudem verschlingen die letzten beiden Schritte weiteres Holz. So bist du stets auf der Suche nach der richtigen Zusammenstellung deiner Produktionsgebäude. Ziel ist es stets, die Bewohner zufrieden zu machen, auf dass sie in die nächste Stufe aufsteigen und weitere Bedürfnisse entwickeln. Du finanzierst dich in „Anno 1503“ nicht über Steuern, sondern indem du deinen Untertanen über diverse Verkaufsstände die gewünschten Waren verscherbelst. Nervtötendes Detail: die Wege zwischen den Gebäuden müssten stets an einen vordefinierten Eingang angeschlossen werden, der allerdings nicht immer sofort ersichtlich ist. Ebenfalls fast überflüssig: um rauszufinden, ob die Berge einer Insel Rohstoffe enthalten, muss zunächst ein Scout losgeschickt werden, was enorm Zeit verschlingt. Praktischer ist da schon die „Fruchtbarkeitsleiste“. Die zeigt an, mit welchem Erfolg ein bestimmter landwirtschaftlicher Betrieb etabliert werden kann. Tabakpflanzen gedeihen beispielsweise nicht immer dort, wo Kartoffeln in Massen sprießen – ein weiterer Grund, Kolonien zu errichten. Wichtig ist auch ein gut ausgebautes Straßennetz, schließlich müssen die Produktionsgüter von Station zu Station transportiert werden. Sind die Wege erst einmal mit Steinen gepflastert, geht dies wesentlich schneller vonstatten.

Alles beim Alten
Ach, wie drollig: grafisch ist Anno 1503 ein echter Liebhabertitel, der den Wuselfaktor der Siedler locker übertrifft. Spielerisch gibt’s bewährte Kost.

Oh! Wie süß!
Grafisch setzt auch „Anno 1503“ wieder voll auf den Knuddelscharm des deutschen Paradegenres. Auf den Sprung in die dritte Dimension haben die Entwickler verzichtet, dafür einiges aus dem gewohnten Pixellook rausgeholt. Fünf verschiedene Klimazonen - von Polar über gemäßigt, Prärie, Steppe und Dschungel - sorgen für Abwechslung. Dutzende Tiere tummeln sich drollig animiert auf den Inseln. Nach und nach müssen diese allerdings den Siedlungen, Feldern, Steinbrüchen und Schmieden weichen. Logisch, dass auch die Gebäude Modelleisenbahn-Flair ohne Ende versprühen. Hinzu kommt schick plätscherndes, transparentes Wasser sowie hübsche Explosionen: „Anno 1503“ ist grafisch wie erwartet ein Treffer. Drei Zoomstufen sorgen für ausreichend Übersicht, zudem lässt sich die Optik in 90-Grad-Schritten drehen. Dank 2D halten sich die Systemanforderungen in Grenzen. Die Wahl der Grafikkarte spielt beinahe keine Rolle, der Prozessor sollte hingegen rund 800 MHz mit 256 MB-RAM haben. Vom Sound gibt’s ähnlich Positives zu berichten. Vor allem die musikalische Untermalung gefällt. Sprachausgabe und Soundeffekte sind ebenso gelungen, ohne zu extremen Freudenausbrüchen hinzureißen. Übrigens: trotz der langem Entwicklungszeit läuft „Anno 1503“ in der aktuellen Version alles andere als perfekt. Ein erster Patch konnte diverse Kinderkrankheiten bereits ausmerzen. Komplett weggelassen haben die Entwickler den Multiplayer-Modus. Der soll ebenfalls mit einem Patch nachgeliefert werden.

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