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Spiel mit Nil

03.11.2005 | PC | Autor: André

Lustige Knubbelfiguren tanzen durch eine bunte Welt, sie singen und sie tanzen. Kein Witz, kein Disney-Cartoon – ein deutsches Adventure. „Ankh“ beginnt allein schon deswegen ungewohnt, weil das Spiel doch tatsächlich seinen eigenen, netten Schunkelsong mitbringt. Da schwingen fette Türsteher ebenso die Hüften wie der Pharao persönlich. Klingt schrecklich, ist es aber nicht. Stattdessen setzt das Spiel gleich hier den richtigen Ton: „Ankh“ ist ein erstaunlich nettes, familienfreundliches Wohlfühl-Adventure. All das aus Deutschland, produziert von einem kleinen Entwicklerteam namens „Deck 13“ und veröffentlicht vom bhv Verlag.

Pyramiden sind keine Partykeller
Nach all dem Singen und Tanzen geht es los mit der Story. Held derselben ist Assil, Berufssohn des örtlichen Pyramidenbauers. Der hat sich an diesem Abend kurzerhand Daddys Schlüssel zum Pharaonengrab um die Ecke geborgt, um dort mit zwei Freunden zu feiern. Die Party entpuppt sich zunächst als so spannend wie ein Kegelabend mit Oma. Erst als Assil versehentlich einige heilige Urnen zerdeppert, kommt Stimmung auf. Eine misslaunige Mumie verpasst ihm prompt einen Todesfluch als Belohnung für sein Missgeschick. Im alten Ägypten war das Strafrecht eben noch in Ordnung. Fortan ist es Assils und damit eure Aufgabe, besagten Fluch wieder loszuwerden. Möglichst schnell, denn der handelsübliche Todesfluch hat gewöhnlich ein baldiges Ableben zur Folge.

In die Wüste geklickt
Gespielt wird „Ankh“, wie ein klassisches Point&Click-Adventure nunmal gespielt wird: Mit der Maus visiert ihr einen Punkt auf dem Bildschirm an, und via Klick führt Assil die gewünschte Aktion aus. Entweder untersucht ihr einen Gegenstand näher, sammelt ihn auf oder ihr unterhaltet euch mit einem der zahlreichen illustren Charaktere.

Es ist noch kein Mädel...
...vom Himmel gefallen. Aber aus dem Stockwerk drüber durchaus. Held Assil erweist sich als Retter mit Reflexen.

Ein Inventar am oberen Bildschirmrand lagert eure Sammelstücke sicher zur späteren Verwendung ein. Auch das Kombinieren von Gegenständen ist zuweilen nötig. Zur Fortbewegung bedarf es nur eines einzigen Mausklicks. Da das Spiel jedoch 3D-Grafik bietet, kann es zuweilen ein wenig hakelig sein, den richtigen Punkt zu erwischen.

Das liegt fast immer an der Position der 3D-Kamera. An einigen Stellen müsst ihr erst am äußersten Rand des Bildschirms angekommen sein, bis ihr endlich den Ausgang zur nachfolgenden Szenerie anwählen könnt. Später im Spiel, wenn ihr zwei Charaktere kontrolliert, kommt zudem noch eine schreckliche Kollisionsabfrage hinzu. Die beiden Figuren aneinander vorbei zu manövrieren gelingt nur, wenn mindestens Rangiermöglichkeiten in Größe eines Fußballfeldes zur Verfügung stehen.

Camel-o-Wash
In der Kamel-Waschanlage fahnden wir nach Haaren. Wer solcherlei Ideen und dumm glotzende Kamele nicht witzig findet, besser Vorsicht!

Absolut unverständlich sind im Übrigen die Hardwareanforderungen des Spiels. Auf einem 3,4-GHz-Rechner konnten wir das Spiel tatsächlich nicht mit allen Details spielen. Davon absehen ist die Polygonenwelt dem klassischen 2D-Gemälde vorzuziehen. Schöne Kameraschwenks und Tiefeneffekte lassen die Welt deutlich lebhafter erscheinen. Auch die Animationen der Figuren können sich mit einigen Ausnahmen sehen lassen. Schade ist lediglich, dass die Spielwelt recht klein geraten ist. Entdeckt man zu Anfang noch recht schnell neue Areale, ist nach dem ersten Drittel des Spiels plötzlich Schluss. Dann rennt man viel zu oft nur noch zwischen bekannten Schauplätzen hin und her. Obwohl an einigen Stellen eine Abkürzung angeboten wird, kann das Gerenne zuweilen etwas langweilen.

Humor aus einer heilen Welt
Der Grund, warum „Ankh“ trotzdem viel Spaß macht, sind die ordentlichen Rätsel und der angenehme Humor. Es ist mehr als offensichtlich, dass Deck 13 mit ihrem „Ankh“ nur zu gern auf den Spuren von „Monkey Island“ oder „Day of the Tentacle“ wandern möchten. Das gelingt stellenweise auch ganz gut. Wenn ihr zu Spielbeginn die Designgrundlagen des Adventures mit zwei Meuchelmördern diskutiert, Kamele durch Waschanlagen manövriert oder auf eine Kifferkommune in der Wüste trefft, ist „Ankh“ in Höchstform. Auch die vielen Anspielungen auf Klassiker wie „Indiana Jones III“ sind gelungen. Die meiste Zeit jedoch ist „Ankh“ nett, humorvoll, aber eben nicht wirklich lustig. In Zeiten von Schlammschlacht-Humor der Marke „TV Total“ wirkt „Ankh“ damit auf eine durchaus angenehme Weise wie aus einer anderen Zeit. Gleichzeitig werden gar zu brutale Hirnverrenkungen bei den Rätseln vermieden. Meist sind sie schnell gelöst – für den Adventureprofi vielleicht gar etwas zu schnell. Sieben bis zehn Stunden dauert es, dann ist der Todesfluch von euch genommen. Dann bleibt die Erinnerung an ein nettes Adventure mit einer sympathischen Riege an Charakteren und der Hauch vergangener Zeiten.

Zum Fazit