American Conquest
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- Publisher: CDV Software Entertainment
- Entwickler: GSC Game World
- Genre: Echtzeitstrategie
- Release: 14.11.2002
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Von Musketen und Feuerwasser
16.01.2003 |
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Autor: David
Wir schreiben das Ende des 15. Jahrhunderts. Als hätte ein Indianer nicht schon genug Probleme, kreuzen nun auch noch europäische Kolonisten vor dem heimischen Wigwam auf. In GSC Gameworlds „American Conquest“ dürft ihr den Rothäuten unter die Arme greifen und Kolumbus und Co. zeigen, wo das Kriegsbeil hängt. Im Nachfolger zu „Cossacks – European Wars“ geht es in insgesamt 42 Missionen, aufgeteilt in acht Kampagnen, gen Westen. Neben den Ureinwohnern dürfen auch die technologisch überlegenen Europäer befehligt und zur Eroberung der „neuen“ Welt geführt werden. Die insgesamt zwölf unterschiedlichen Parteien versprechen zwar über 100 verschiedene Einheiten und Gebäude, tatsächlich unterscheiden sie sich aber nur dezent voneinander. In jeder Kultur lasst ihr Bauern für euch Kaserne, Nahrungsproduktion und einige Bergwerke aus dem Boden stampfen und schon kann das fleißige Ausheben von Truppen beginnen. Dem dürfen Einheitenlimit geplagte Feldherren so richtig frönen. Mit bis zu 16.000 Einheiten pro Schlacht, gilt die Devise „Masse statt Klasse“. Krieger müssen nicht einzeln in Auftrag geben werden, sondern können per Unendlich-Produktion wie am Fließband ausgebildet werden.
Gut formiert
Ohne Formationen sind die Soldatenmassen kaum überschaubar. Entbrennt die Schlacht, steht jedoch niemand mehr in Reih und Glied.
Das Repertoire an Soldaten reicht vom einfachen Steineschleuderer bis zur krachenden Kanone. Ihr volles Potential entfalten eure Truppen, wenn sie sinnvoll mit einander kombiniert werden. Wie aus anderen Strategie-Titeln gewohnt, eignet sich z.B. die Kavallerie besonders gut gegen Bogenschützen, gegen Pikeniere ziehen sie jedoch den Kürzeren. Trommler, Fahnenschwenker und Generäle verstärken die eigenen Reihen und bringen Abwechslung in die große Masse.
Zielwasser vergessen
Wirklich interessant wird es, wenn die eigenen Heerscharen mit denen des Feindes in Berührung kommen. Dann gilt es Formationen vorzugeben, Flanken zu sichern und Ausfälle durchzuführen – zumindest theoretisch. Praktisch erweist sich die Steuerung der eigenen Mannen als umständlich, schnell lösen sich mühevoll vorgegebene Formationen wieder auf und es herrscht Chaos auf dem Schlachtfeld. Gleichzeitig die eigene Wirtschaft in Gang zu halten, fällt aufgrund fehlender Automatisierung schwer. Dem kann auch ein beherztes Auszoomen nicht entgegenwirken - eher im Gegenteil. Was eigentlich die Übersicht steigern soll, bringt lediglich einen Brei aus fitzeligen Pixel-Männchen hervor. Hand in Hand mit dieser Schwäche geht die etwas schlappe KI.
Gerne bleibt mal ein Teil des Heeres an einem kleinen Waldstück hängen oder es werden in Eigenregie einzelne gegnerische Einheiten über die gesamte Karte verfolgt. Dabei haben sich die ukrainischen Entwickler viel Mühe gegeben, gehörigen Tiefgang in die Feldzüge zu bringen. Beispielsweise verfügt jedes Männlein über eine eigene Moral und nimmt Reißaus, wenn es auf einen übermächtigen Gegner trifft. Wer die gegnerische Basis erreicht, darf sich auf noch kniffligeres Taktieren einstellen. Das Besetzen und Erobern von Gebäuden stellt eine fast unlösbare Aufgabe dar. In den Bauten stationierte Einheiten reiben kurzerhand ganze Regimenter auf – überstürztes Vorgehen sorgt hier für Pleiten, Pech und Pannen. Viel verspielt wurde bei den Kampagnen. Statt stimmungsvollen Zwischensequenzen, werden dem Spieler ellenlange, historisch akkurate Erzählungen vorgelesen. Ebenfalls bedauerlich: Helden wie Kolumbus und Konsorten glänzen durch Abwesenheit in der Schlacht – ein Motivationsbonus wurde damit leichtfertig verspielt.
Krümelig krachend
Auch die technische Seite von „American Conquest“ zeigt sich zweischneidig. Die Schlachtfelder sind statisch, spektakuläre Grafikeffekte wie in Blizzards „WarCraft III“ sucht man vergebens. Dafür wirkt die Grafik dank naturgetreuen Größenverhältnissen zwischen Mensch und Bauten realistisch. Die zahlreichen Krieger sind liebevoll gestaltet, jedoch plump animiert. Die abgehackten Bewegungen erinnern eher an Zinnsoldaten, als an ein aktuelles Echtzeitstrategiespiel. Hoffen wir, dass die altersschwache „Cossacks“-Engine endlich in Rente geschickt wird. Im Gegensatz dazu steht die solide Sound-Untermalung. Ein pompöser Soundtrack sorgt schon im Hauptmenü für Gänsehaut und die Geräuschkulisse in großen Schlachten kann sich absolut hören lassen. Sobald die ersten Musketensalven aus den Lautsprechern krachen, ist man mitten im Kampfgeschehen, statt nur dabei. Ärgerlich, dass die Soldaten ansonsten stumm bleiben.
Gutenacht-Geschichten
Zwischensequenzen sucht man in American Conquest vergebens. Stattdessen werden dem Spieler professionell gesprochene Geschichten vorgelesen.
Ein echtes Lob muss dem Muliplayer-Modus ausgesprochen werden. GSC Gameworld hat an all das gedacht, was auch die großen Konkurrenten aufbieten können. Lobby, Ladder und Leveleditor sind gegeben, um auch über einen langen Zeitraum zu motivieren. Mit bis zu 6 Mitspielern dürfen dann Duelle bestritten, historische Schlachten nachgespielt oder der Krieg um Amerika ausgefochten werden. Doch Vorsicht: Einige Stunden Spielzeit müsst ihr dafür schon einplanen. Das gilt im Übrigen für das gesamte Spiel. Umfang und Komplexität erdrücken Genre-Neulinge gnadenlos. Erfahrene Strategen, die bei der schwächlichen Präsentation gerne ein Auge zudrücken, könnten trotz aller Mängel in „American Conquest“ ihr El Dorado finden.



