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  • Alone in the Dark 4
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Edward Carnby strikes back!

10.07.2001 | PC | Autor: André

Edward Carnby strikes back! Nach dem dritten Teil der „Alone in the Dark"-Reihe war der Privatdetektiv am Boden der Mittelmäßigkeit zerstört. Überrollt vom Expresszug der technischen Entwicklung. Mit Füßen getreten vom schematisch gleichen aber um längeren „Resident Evil". Doch nun ist er zurück: Hübscher, spannender, besser als jemals zuvor. Seit fast einem Jahrzehnt und Jahre bevor man in Racoon City das Wort „Zombie" auch nur buchstabieren konnte, hielt er schon den Untoten seine Schrotflinte unter die modrige Nase: Edward Carnby. Nach seinem letzte, recht unrühmlichen Ausflug in den wilden Westen, zieht es den Vorreiter des „Survival Horrors" wieder in die vertrauten Gefilde eines monsterverseuchten Herrenhauses. Doch während wir alle älter und selbst Ikonen Lara Croft mit jedem Auftritt immer abgeschmackter werden, hat der gute Carnby die letzten Jahre wohl in einem besonders guten Sanatorium zugebracht. Früher ein gescheitelter Spießer mit braunem Schnauzer betritt nun ein neuer Carnby die Bildfläche: Wildes schwarzes Haar, stahlblaue Augen und ein jugendliches Antlitz dass die Frauen dahinschmelzen lässt wie die Jahre die Carnby eigentlich auf dem Buckel haben müsste. Klarer Vorteil für uns Spieler:

Stimmungsvoll
Durch gekonnt eingesetzte Sound-/Lichteffekte kommt herrliche Gruselatmosphäre auf, die selbst Genrekonsorten wie Resident Evil übertrifft.

Macht das eintauchen in die Atmosphäre des Spiels leichter, wenn einem der Held so ähnlich sieht. Und Atmosphäre gibt’s in diesem Spiel gleich dutzendweise. Aber der Reihe nach! Die Story im Kurzabriss: Freund des Helden auf der Suche nach mysteriösem Artefakt. Tot. Carnby sauer. Los um dem Verantwortlichen die Löffel lang zu ziehen – landet in einem düsteren Anwesen in dem die Monster aus allen Fugen quillen. Zwischen diesen Stationen der Geschichte gäbe es noch so manches von Flugzeugabstürzen, geheimen Ritualen und blutgierigen Monstern zu erzählen, doch wir wollen nicht zuviel vorweg nehmen. Konstatieren lässt sich jedoch, dass die Story durchaus dazu angetan ist, den Spieler bei der Stange zu halten. Dennoch stellt der Packungstext „fesselnde Story, die jenseits Ihrer Vorstellungskraft liegt" eine grobe Unterschätzung unser aller Vorstellungskraft dar. Was dann schließlich dazu führt, dass sich beim Spielen von „Alone in the Dark" selbst dem abgebrühtesten Zombiejäger die Nackenhaare aufstellen, liegt an etwas ganz anderem.

Der Lautsprecher, dein Feind
Nämlich an den ausgezeichneten Soundeffekten sowie der überaus gelungenen Dramaturgie der Spielführung. Wenn in dem Moment Blitz der den Nachthimmel zerreißt für einen Sekundenbruchteil zwei Monster direkt neben uns aufblitzen zuckt dem unvorbereiteten Spieler schon mal der Mauszeiger ein paar Zentimeter nach links. Vorgewarnt schleicht man weiter, begleitet vom steten rauschen und glucksen des Regens. Nur kurze Zeit später schon führen Blutspuren am Boden, ein Mann mit abgetrennten Arm und eine der vielen vorzüglichen Cutscenes dazu, dass sich eine latente Nervosität einstellt. Hat man dann erst mal den verfluchten Bau betreten, sorgen plötzliche Stromausfälle, Monsterhorden in engen Gängen und eine latent bedrohliche, von Fauchen, Kreischen und verzweifelten Schreien angefüllte Soundkulisse dafür, dass man auch bestimmt nicht ohne voriges tiefes Durchatmen eine der zahlreichen Türen öffnet.

Wer Nachts im einsamen, spärlich beleuchteten Zimmer spielt, wird sich zähmen müssen, nicht den Brüllwürfeln den Saft abzudrehen, um die eigene Herzfrequenz mal wieder unter 100 zu bewegen. Spielerisch macht unser Herz zwar keine Freudensprünge, wird jedoch solide bedient. Das althergebrachte Prinzip von „alles erschießen was sich bewegt, den Rest einsammeln" funktioniert noch immer. Dabei kommt es bei den Kämpfen mit den diversen Abnormitäten vor allem darauf an mit der Munition hauszuhalten und die richtige Waffe im Anschlag zu haben. Bei den Rätseln hingegen wird fleißig kombiniert und ausprobiert. Was die Kämpfe angeht müsste ich an dieser Stelle eigentlich über das Speichersystem wettern, dass den Spieler zwar an jeder beliebigen Stelle speichern lässt, ihm aber abnötigt zuvor sogenannte Speicheramulette aufzustöbern. Warum man es nicht einfach mit einem „Speicher wann du willst" hat bewenden lassen können, ist eine gute Frage, die aber angesichts der Masse an Speicheramuletten mit denen der Spieler versorgt wird in den Hintergrund tritt. In Hinblick auf die Rätsel sei vermerkt dass man sich zwar nicht in stiller Anbetung des Genius der Spieldesigner in geniale Logikspielereien vertieft, wohl aber meistens mit ein wenig Phantasie auf die Lösung kommen kann und nur selten an den punkt kommt, wo tatsächlich etwas im Spiel „jenseits der Vorstellungskraft„ liegt. Wo jedoch die Vorstellungskraft versagt, hilft zuverlässig das stupide Ausprobieren weiter . So hat die Menschheit ja schon so manches Jahrhundert überstanden.

Fertigbauten
Eine mit der Keule erzwungene Überleitung von der Evolutionsgeschichte der Menschheit auf die Spielgrafik erspare ich dem Leser und komme lieber gleich zur Sache: im Spiel regiert die statische Grafik vorab gerenderter Hintergründe. Das ist einerseits gut, denn die Örtlichkeiten sind dadurch wunderbar detailliert geraten. Andererseits hätte zumindest dem Wasser in der Kanalisation so eine kleine Animation doch ganz gut getan. Außer Freund, Feind und Carnby bewegt sich zumeist kein Lüftchen. Diese Damen und Herren sehen dank sorgfältiger Texturierung wirklich gut aus und sind überzeugend, wenngleich nicht sonderlich abwechslungsreich animiert und nur in geringer Auflösung zu sehen. Als ein dem versierten Spieler aus dem Titel „Nocturne" bekanntes Feature kann zudem eine Taschenlampe zugeschaltet werden, die einen auch allein im Dunkeln noch die Orientierung behalten lässt.

Metzelhorror
Trotz eines recht blutigen Gameplays bekam Alone in the Dark 4 eine harmlose Altersfreigabe „Ab 12". Wir meinen: ein 16er Sticker passt besser.

Auf modernen Grafikkarten lassen sich sogar realistische und hardwareintensive Schattenwürfe zuschalten. Diese Lichteffekte tragen ihrerseits weiter zur gelungenen Atmosphäre des Spiels bei. Ansonsten ist bei „Alone in the Dark" eher Dürrezeit, was die Effekte angeht. Weder beeindruckendes Mündungsfeuer noch bombastische Explosionen bekommen wir geboten und so manches Mal verbergen die blauen Lichtblitze in denen manche Monster verschwinden nur sehr zaghaft ihre Bitmap-Herkunft. Blaue Lichtblitze? Ganz ruhig, ganz ruhig liebe Zombie-Schlächter aus dem „Resident Evil"- Lager. Auch in „Alone in the Dark" spritzt Blut, werden Hunde von Monstern zerfleischt und zoomt die Kamera auf die leeren Augenhöhlen einer blutigen Leiche. Was die USK bewogen hat dem Titel eine Freigabe ab 12 aufzustempeln, lässt mich rätseln. Sicher, im Vergleich zu „Resident Evil" geht es noch immer recht gemächlich zu: keine Gliedmaßen sind abzuschießen, keine Köpfe lassen sich unter dem Stiefel zu Brei verwandeln. Dennoch wäre hier meiner Meinung nach zumindest ein 16er Sticker drin gewesen.

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