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Wenn zwei sich streiten...

13.01.2002 | PC | Autor: André

Hollywood hat trotz Jahrzehnte währender Filmproduktion nur recht wenige wirklich denkwürdige Weltraummonster hervorgebracht. Zwei der wohl bekanntesten Gestalten sind die grotesken Aliens und der Predator aus den beiden gleichnamigen Filmreihen. Während die beiden Spezies auf der Leinwand bislang nichts miteinander zu schaffen hatten, sieht es auf dem PC schon anders aus. Zum zweiten Mal heißt es nun: Aliens versus Predator.

Großer Bruder
Wie beim Vorgänger aus dem Jahr 1999 handelt es sich bei „AvP2" um einen reinrassigen Shooter. Nur das Programmiererteam wurde ausgetauscht, und zwar gegen alte Bekannte: mit „Monolith" („No one lives forever", „Blood 1+2") verpflichtete man bei Fox Interactive ein paar echte Ego-Shooter-Veteranen. Zu Beginn darf der Spieler die Qual der Wahl durchmachen: will er mit glibberigen Aliens die Wände emporklettern, sich mit den High-Tech-Gimmicks des Predators ins Gemetzel stürzen oder die Rolle der tapferen Menschlein übernehmen. In Gestalt jeder der drei Spezies durchläuft man eigene Missionen und eine eigene, kleine Storyline. Wir entscheiden uns spontan für die Menschheit anzutreten.

Sesam öffne dich!
In den Gebäudekomplexen begegnet man meistens verschlossenen Türen. Falls Ihr an deren Elektronik drankommt, könnt Ihr Euch reinhacken.

„Sie gehen voran!"
Nach der fast zwei Minuten langen Ladephase geht es endlich los. Als Mitglied einer kleinen Spezialeinheit soll ich nach Abbruch des Funkkontakts in einer Forschungsstation nach dem Rechten sehen. Die Lampen meiner Kollegen werfen ein fahles Licht, das in der düsteren, feuchten Atmosphäre nur wenige Meter weit dringt. Über uns schwingt mit metallischem Seufzern der gigantische Haken eines Ladekrans an seinen stählernen Sehnen hin und her. Noch unerfahren bastle ich mit meinem Hackercomputer am Schaltkreis des schweren Zugangstores. Der gleichmäßig an- und abschwellende Ton unseres Bewegungsmelders macht mich wahnsinnig. Endlich hab ich es geschafft, das Tor öffnet sich. Plötzlich eine Veränderung. Der einst gleichmäßige Puls des Bewegungsmelders macht einen Sprung nach oben. „Da ist etwas", ruft jemand hinter mir. Angestrengt starre ich in den düsteren Gang der von einer defekten Lampe in ein unwirklich dahinzappelndes Licht getaucht wird. Doch was immer da drinnen war, ist schon wieder fort. Der Bewegungsmelder hat seinen Ruhezustand wieder erreicht. Der Anführer der Truppe meldet sich zu Wort. „Sie gehen voran!", sagt er. Damit meint er mich. Mein Ruhezustand hat einen längeren Urlaub angetreten, Rückkehr ungewiss. Die wenigen Worte, die man im Rahmen eines Artikels verlieren kann, reichen kaum aus um die grandiose Atmosphäre zu beschreiben die „AvP2" in der Menschen-Kampagne aufzubauen vermag.

Vor allem zu Beginn bedrohen schweißnasse Hände beim durchschreiten der von schrecklichen Schreien durchhallten Station die Maus mit einem Kurzschluss. Immer wieder werden wir Zeuge von selbstablaufenden Ereignissen, in denen wir unglückliche Opfer aus dem Augenwinkel verschwinden sehen und Jeeps vor unserer Nase in voller Fahrt explodieren. Ein Übriges besorgen die sehr guten Soundeffekte, die zu großen Teilen direkt aus den Filmen übernommen wurden. So klingt eine Schnellfeuerwaffe genau so, wie man es aus den Alien-Filmen gewohnt ist, und das eindringliche Schnarren des Predators jagt eiskalte Schauer die Wirbelsäule herunter. Umso bedauerlicher, dass diese unglaubliche Spannung im weiteren Spielverlauf nicht aufrecht erhalten werden kann. Die Alien-Missionen fallen nicht ganz so spannend aus, zudem ist die Steuerung ein wenig gewöhnungsbedürftig. Gerade beim Erklettern von Decken und Wänden verliert man leicht die Orientierung, was jedoch durch das originelle Design wieder wett gemacht wird. So muss man als Spieler zu Beginn den gesamten Entwicklungszyklus eines Aliens durchlaufen.

Gemeinschaftssache
In den ersten Marine-Missionen seid Ihr teilweise mit CPU gesteuerten Kollegen unterwegs. Diese geben praktische Tipps und hin und wieder Rückendeckung.

Man startet als sogenannter „Facehugger" auf der Suche nach einem menschlichen Wirt. Den bewaffneten Soldaten noch hoffnungslos unterlegen, schleichen wir uns an den Gegner besser vorbei. Nach einer weiteren Zwischenstufe verwandeln wir uns schließlich in ein ausgewachsenes Alien. Von da an lehren wir unsere Umgebung das Fürchten. Geschmackloses Detail: um neue Lebensenergie zu erhalten, muss man menschlichen Gegnern kurzerhand den Kopf abbeißen. Die dritte und letzte Kampagne letztlich, ist die Schwächste von allen und in etwa so originell wie Gartenzwerge im Schrebergarten. Dabei ist der Predator als Spielfigur durchaus interessant: er kann sich nicht nur unsichtbar machen, sondern darf auch mit netten Gimmicks wie einer Speere verschießenden Waffe auf die Jagd gehen. Doch zu uninspiriert plätschert hier das Spiel vor sich hin, als das uns dies lange begeistern könnte. Was außerdem fleißig plätschert ist das Blut unserer Opfer. Hilflose, um Gnade flehende Wissenschaftler dürfen und sollen sogar umgebracht werden. Anschließend darf der Spieler den Getöteten den Kopf abschlagen und ihn als Trophäe einsammeln. Obwohl dem der Figur zugrundeliegenden Kinofilm entliehen, ist diese Option geschmacklos und spielerisch überflüssig.

Typisch Lithtech
Die Grafik des Spiels basiert auf der sogenannten „Lithtech"-Engine. Diese wird von einer Tochterfirma des Entwicklers „Monolith" schon seit Jahren weiterentwickelt. Neben der „Quake"- und der „Unreal"-Technologie ist Lithtech damit die Nummer 3 im Enginemarkt und erfüllt auch hier ihren Job mehr als gut. Stimmungsvoll ausgeleuchtete, düstere Level mit großen Außenbereichen erfreuen das Spielerherz. Leider treten auch die typischen „Lithtech"-Krankheiten erneut in Erscheinung. So bewegt sich auch bei AvP2 die Farbpalette in einem für das Spielthema oft unpassenden, pastellfarbenen Bereich. Insbesondere in den Predator-Missionen tritt dies zu Tage. Auch die langen Ladezeiten sind typisch für Spiele auf der Lith-Basis.

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